Botanischer Garten: Nur der weibliche Gingko stinkt

Botanischer Garten: Nur der weibliche Gingko stinkt

Die letzte Führung in diesem Jahr galt den Farben und Früchten des Herbstes – und viele Krefelder kamen.

Krefeld. Die kleinen Bitterorangen leuchten von weitem. Der Baum im Botanischen Garten ist übersäht mit den Früchten, die so golden sind, wie der Oktober sich an diesem Tag zu Recht nennen kann. "Essen kann man sie nicht, sie sind wirklich zu bitter", erklärt Birgit Loy, die Leiterin des Gartens im Schönwasserpark, bei der gut besuchten Herbstführung zum Thema "Farben und Früchte". Es ist die letzte in diesem Jahr: "Aber für die Herbstdekoration zu Hause eignen sie sich ideal." Zuvor hatte sie beim Ginko-Baum erklärt, dass die Blätter medizinisch genutzt werden: "Und nur der weibliche Ginko stinkt, nämlich wenn die Früchte aufgehen und verrotten."

Der Besucheransturm im sonnendurchfluteten Botanischen Garten wird geteilt: Eine zweite Gruppe führt Gartenmeister Richard Früchte. Er erklärt unter anderem, wie man Fuchsiensträucher, die gerade noch pink und weiß blühen, bei Frost überwintern lässt und aus den Enden der Triebe einen Steckling macht. In einem Gemisch aus Sand und Blumenerde bildet er Wurzeln: "Das dauert aber", mahnt er zu Geduld.

Den kleinen Trieb, den er als Beispiel abgezupft hat, will Karin Scholtyssek haben: "Wetten, dass der bei mir angeht, ich habe doch einen grünen Daumen", ist sie optimistisch. Zur Gruppe hat sich auch Baudezernent Thomas Visser gesellt, der "seinen" Botanischen Garten "auch mal wieder sehen" will. Er hat einige Mitglieder der deutsch-japanischen Gesellschaft eingeladen, zu deren Vorstand er gehört.

Karin Ecke (73) kommt häufig in den Botanischen Garten: "Wir sind in den 50er Jahren mit der Schule hierher gegangen, um Biologie zu lernen." Seitdem kennt sie die Anlage, die sich seit 1927 aus einem kleinen Schulgarten zu einem vielfältigen und interessant gestalteten Garten entwickelte. Heute wachsen hier rund 5000 Pflanzenarten aus aller Welt. Reinhard Klimasch hat sich spontan zur Teilnahme an der Führung entschlossen: "Bei dem schönen Wetter wollte ich frische Luft schnappen und sehen, wie schön der Garten im Herbst ist."

Nicht nur auf Blüten wie die der violetten Aster weist Birgit Loy hin. Sie zeigt auf immergrüne Pflanzen wie die Magnolienart mit den glänzenden Blättern, unweit des im Sommer blühenden Tulpenbaums aus der Magnolienfamilie, dessen große Blätter jetzt eine gelbe Färbung angenommen haben. Die wollte sie auch bei einer gelbblühenden Kastanie am südlichen Rand der Anlage vorführen: "Da hat mir der Wind einen Streich gespielt, es sind kaum noch Blätter drauf", bedauert sie.

"Vorsicht", rät eine Besucherin ihrem Nachbarn, als der sich auf Tuchfühlung mit der Kermesbeere begibt, die reich mit schwarzroten hängenden Fruchtständen übersäht ist. "Die Farbe kriegen Sie aus der Kleidung nicht mehr raus", erklärt sie. Loy erläutert: "Die Früchte eignen sich bestens zum Färben und wurden früher auch verwandt, um Rotwein dunkler zu machen. Aber sie sind ein bisschen giftig."

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