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Botanik: Winter treibt seltsame Blüten

Botanik: Winter treibt seltsame Blüten

Stauden und Sträucher können schon gepflanzt werden. Der Raps macht den Landwirten ein wenig Arbeit.

Krefeld. Christrose trifft Krokus. Scharlachfuchsien, die im Winter eigentlich oberirdisch abfrieren, sind gut sichtbar. Und auch der Ananas-Salbei aus Mittelamerika hat gut überlebt und ist zu einem Busch herangewachsen. Der sogenannte Winter treibt in diesem Jahr seltsame Blüten; die einen sind noch da, die anderen schon. Der Botanische Garten am Schönwasserpark zeigt ein für diese Zeit ganz anderes Bild als sonst in der kalten Jahreszeit.

Die Schneeglöckchen sind zu einem weiß-grünen Teppich erblüht und geben das Zeichen für den Vorfrühling. „Sie zeigen sich zwei Wochen früher als sonst in Vollblüte“, erklärt Birgit Loy, die Chefin des Gartens. „Die ersten Krokusse leuchten gelb oder blau und die Narzissen sind auch schon zehn Zentimeter aus dem Boden geschossen und bilden Knospen.“

Dieser milde Winter, mit nur einer Handvoll Frostnächten bisher, habe keine Auswirkungen auf die Pflanzen, erklärt die Biologin weiter. Dafür habe die Haselblüte bereits begonnen und auch die Zaubernuss trage ihre gelbe Frühlingsfarbe. Beim Rundgang durch den grünen Bereich treibt der Wind die trockenen Herbstblätter über Wege und Beete.

„Wer schon im Garten Hand anlegen möchte, kann Stauen zu rückschneiden, Gehölze stutzen oder das erste Unkraut zupfen“, sagt die Fachfrau. „Stauden und Sträucher können auch gepflanzt werden, denn die Erde ist ja nicht gefroren.“ Wer sich schon Frühlingsblüher geholt und in Töpfe und Schalen draußen gesetzt hat, muss aufpassen. Loy: „Wenn es noch friert, müssen sie mit Reisig abgedeckt oder geschützt aufbewahrt werden. Wir warten ab, was die nächsten Wochen an Temperaturen bringen.“

Dass dieser Winter überhaupt keine Auswirkungen hat, bestätigt auch Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Rheinland. „Die Bauern bleiben gelassen und wissen, was sie zu tun haben. Sie kennen die Wetterkapriolen.“ Für den Winterweizen hätten die wenigen Frostnächte als Kältereiz genügt, sagt er weiter.

Bernhard Rüb erklärt, dass dieser Winter gar nicht so sehr aus der Reihe tanzt. „Als es vor zwei Jahren lange Zeit minus 18 und 20 Grad kalt war, ist das viel schlimmer gewesen. Damals sind rund 60 000 Hektar Wintergetreide in NRW erfroren.“ Mehr Arbeit mache jetzt nur der Raps. „Er erfriert in frostigen Wintern oberirdisch, jetzt ist er aber kräftig gewachsen und muss gehäckselt werden.“ Aber auch das sei nicht dramatisch.

Horst Peters wartet in seiner Gärtnerei am Buscher Holzweg darauf, dass die Niederrheiner Lust darauf bekommen, die Frühlingsblüher auf den Balkon und in den Garten zu setzen. Es sei bei Wind und Regen jetzt noch nicht so schön, dass die Leute kauften.

„60 Prozent unserer Primeln sind in Blüte und verkaufsfertig.“ Auch er spricht davon, dass die Natur zwei Wochen früher ist als üblich. Da die Sonne aber nicht auf die gläsernen Dächer scheine, seien die Pflanzen noch nicht weiter gediehen. „Es ist alles im grünen Bereich.“

Peters: „Wir kultivieren auch spätere Primeln, die Anfang März in voller Blüte stehen. Denn Anfang März beginnen die Menschen erfahrungsgemäß, endlich Lust aufs Pflanzen zu bekommen.“