Barito: Ein tierischer Designer

Barito: Ein tierischer Designer

Orang-Utan Barito aus dem Krefelder Zoo ist der „Picasso aus dem Affenhaus“. Seine Bilder werden jetzt auf T-Shirts gedruckt.

Krefeld. „Affenstark“, denkt Barito vermutlich und probiert das dschungelgrüne T-Shirt mit dem tierischen Motiv gleich an. Das Kollektionsteil passt nicht ganz, die Nähte krachen. Größe XL ist für den stattlichen Orang-Utan dann wohl eine Nummer zu klein.

Barito hat bereits als Künstler sein Talent bewiesen. Seine Bilder haben es bis nach Kanada geschafft. Jetzt startet er eine zweite Karriere als Designer. Mit acht Motiven, die alle aus seiner Hand stammen, präsentierte sich gestern die erste Kollektion des jungen Modelabels Ajoofa („Art joins organic fashion“) im Krefelder Zoo.

„Wir haben vier Zoos angeschrieben“, erzählen die Ajoofa-Gründer Marcus Handvest (38) und Yvonne Kaltenecker (33). „Unsere Idee, originelle Textilien im Einklang mit der Natur herzustellen, kam am besten in Krefeld an.“ Die Kooperation von Ajoofa und dem Zoo Krefeld ist weltweit einmalig. „Affenmalerei auf zu fairen Bedingungen ökologisch produzierten Textilien ist neu im Modemarkt.“

Die Shirts aus Biobaumwolle werden in Portugal genäht. Ein T-Shirt mit dem tierischen Styling kostet 39,95 Euro, ein Kinder-T-Shirt gibt es für 24,95 Euro. Fünf Prozent der Netto-Einnahmen fließen in zwei Artenschutzprojekte in Afrika und Borneo. „Vom Tier, fürs Tier“, bringt es Marcus Handvest, der zuvor im IT-Bereich gearbeitet hat, auf den Punkt. „Das tolle Design ist von einem Tier entworfen worden und kommt anderen Tieren zugute.“

Weitere zwei Prozent vom Nettoerlös gehen an den Künstler selber. „Von dem Geld kaufen wir neue ungiftige Fingerfarben und Malstifte aus Bienenwachs“, sagt Christine Peter, Deutschlands einzige Fachfrau für Tierbeschäftigung.

Seit drei Jahren malt sie mit Barito auf Leinwand, Pappe und Papier. Der 13 Jahre alte Borneo-Orang-Utan arbeite intensiv und konzentriert mit Händen, Füßen und Pinsel. „Er ist pubertär und frech. Seine Bilder sind kraftvoll und sehr emotional“, erzählt Christine Peter. Alles passiere freiwillig und ohne Druck, betont sie. Momentan lege Barito allerdings eine schöpferische Ruhephase ein.

Yvonne Kaltenecker ist gelernte Designerin. Behutsam bearbeitet sie Baritos Kunstwerke, wählt hier einen Ausschnitt, verändert da eine Farbe. Zum Schluss kommt auf jedes T-Shirt Baritos Name und eine geografische Koordinate. Für den kommenden Winter sind Mützen, Halstücher, Hoodies und Taschen in Planung. „Wir sind auf der Suche nach neuen tierischen Künstlern und an Kooperationen mit weiteren Zoos interessiert“, sagt Marcus Handvest.

Ebenfalls sucht er noch Einzelhändler, die die T-Shirts in ihr Sortiment aufnehmen. Zurzeit kann man die Produkte nur im Zoo-Shop und online bei Ajoofa kaufen.

Auf der nächsten Fashionworld soll die Kollektion der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Vielleicht auf einem Stand im Green Life Dome. Das wäre doch passend“, freut sich Zoo-Sprecherin Petra Schwinn.

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