Aufmarsch der Armeen in der Königsburg

Aufmarsch der Armeen in der Königsburg

In ein Mekka für Video-Spieler hat sich die Königsburg verwandelt. Bis Samstag sind die weltbesten Spieler versammelt. Es geht um immerhin 25 000 Euro Preisgeld.

Krefeld. Vor dem Eingang der Königsburg liegt der rote Teppich bereit. Im Innern der Krefelder Diskothek ergibt sich ein ungewohntes Bild. Vor der Tanzfläche im Erdgeschoss hängt eine riesige Leinwand. Wie bei einer Filmvorführung haben es sich viele Zuschauer auf Sitzgelegenheiten unter der großen Disco-Kugel bequem gemacht.

Sie warten auf den Beginn der (Video)-Spiele. Dann kommt leben in die Leinwand. Veranstalter Dennis Gehlen begrüßt die Gäste, stellt die Location vor und gibt zu, dass er schon ein wenig aufgeregt sei. Danach sieht man, wie die internationalen Stars des zehnten „Homestory-Cups“ in einem schicken alten Mercedes vorgefahren werden. Wie Filmstars bei einer Gala winken sie kurz in die Kamera, bevor sie über den roten Teppich laufen und sich in den Spieler-Bereich hinter der Leinwand begeben.

Die erste Begegnung beginnt. Yun Young Seo aus Südkorea und Sam Morrissette aus Kanada nehmen mit dem Gesicht zum Publikum hinter je einem Computerbildschirm Platz. Gespielt wird beim „Homestory-Cup“ das Strategiespiel „Starcraft II“. Dabei baut jeder Spieler eine Art Science-Fiction-Armee mit unterschiedlichen Einheiten auf, um sie in einen taktischen Kampf gegen den jeweiligen Kontrahenten zu schicken. Was für Laien wie ein undurchsichtiges Gewusel aussieht, ist mindestens so anspruchsvoll wie eine Partie Schach.

Schon nach wenigen Minuten hat Yun Young Seo die gegnerische Basis entdeckt und startet einen schnellen Überraschungsangriff, während er gleichzeitig seine Truppenstärke weiter ausbaut. Ein Holländer und zwei Amerikaner kommentieren das Geschehen. Gelungene Aktionen werden von dem fachkundigen Publikum, welches die Partien auf der Leinwand verfolgen kann, lautstark bejubelt. „Die Spiele hier live zu sehen ist für mich, als würde ich bei einem Fußballspiel zugucken. Hier kann man aber auch mit den Stars der Szene in Kontakt kommen“, sagt Martin Menzen aus Bochum.

Derweil sitzt Dennis Schneider im Spieler-Bereich hinter der Leinwand und macht sich warm. Der 26-Jährige ist dreifacher Deutscher Meister in „Starcraft II“. Bei Facebook ist er als Sportler registriert. Vor Turnieren sitzt er bis zu acht Stunden täglich vor dem PC-Bildschirm, um zu trainieren und Wiederholungen vergangener Partien zu analysieren. „Es ist wie beim Schach, die ersten Züge hat man schon vor dem Start des Spiels durchgeplant, danach muss man spontan auf den Gegner reagieren und seine Erfahrung ausspielen“, sagt Schneider.

Seit vier Jahren ist das Spielen von „Starcraft II“ sein Beruf. Er nimmt an Turnieren in Korea, den USA oder Deutschland teil und verdient sich durch Sponsoren und Preisgelder seinen Lebensunterhalt. Der „Homestory-Cup“ hat dabei, abgesehen vom verlockenden Preisgeld, seinen ganz eigenen Reiz. Seit 2010 hat Veranstalter Dennis Gehlen die Turniere in seiner Wohnung abgehalten, und die Fans konnten im Pub „Limericks“ und natürlich im Internet-Livestream die Partien verfolgen.

In der Königsburg ist jetzt alles ein paar Nummern größer und die Zuschauer können den Profis beinahe auf die Finger gucken. Der familiäre Charakter ist jedoch geblieben. „Es ist wie bei einer Klassenfahrt, die Spieler sind alle in einem angemietetem Haus untergebracht. Wenn die Spiele vorbei sind, unterhalten wir uns, feiern und haben eine gute Zeit“, sagt Profi-Spieler Dennis Schneider.

Aber einen entscheidenden Unterschied gibt es doch. Denn bei dem professionellen Turnier in Krefeld geht es immerhin um ein Preisgeld von insgesamt 25 000 Euro. Aber das merkt man Schneider nicht an. Er setzt er sich wieder an einen Computer und spielt zum Aufwärmen eine Runde „Starcraft II“ im Internet.

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