Ateliershaus: Ein Kleinod im Hinterhof

Ateliershaus: Ein Kleinod im Hinterhof

Fünf junge Leute haben eine alte Fabrikhalle im Süden der Stadt bezogen und arbeiten dort als Künstler, Gestalter und Forscher.

Krefeld. Der Weg zum Atelier führt über den Hof. "Warten Sie, ich zeig’ Ihnen, wo es lang geht", erklärt ein netter älterer Herr. Ganz so leicht sind seine Nachbarn am Vom-Bruck-Platz 44 nicht zu finden. Die große Lagerhalle, die früher Spirituosen beherbergte, ist zwar weithin sichtbar, die kleine Tür an der Hinterwand liegt aber eher versteckt. In dem Industriebau haben sich fünf junge Leute ein besonderes Domizil eingerichtet: das Atelierhaus Die Fabrik Krefeld. Am kommenden Wochenende sind dort Besucher zu zwei "Tagen der offenen Tür" eingeladen.

Von außen wirkt das Haus für Laien eher unspektakulär. Doch Initiator Jan Tesche schwärmt von der Architektur. "Ein Stahlbeton-Skelettbau, mit Ziegeln verkleidet. Selten sieht man so etwas noch so gut erhalten", sagt der 27-Jährige, der nur durch Zufall auf die Räume stieß. "Ich wollte 2008 unbedingt ein Atelier haben und sah im Internet Bilder." Als reine Lagerhalle sollte das Haus vermietet werden. Verschwendetes Potenzial, dachte der Diplom-Designer, Absolvent der Hochschule Niederrhein.

Allein ließ sich das Projekt aus finanziellen Gründen nicht stemmen, doch Mitstreiter waren schnell gefunden. "Wir haben uns nur angeguckt und gedacht: Das nehmen wir", erinnert sich Sebastian Groll (31). Johannes Grell (27) und Silvia Roth (35) komplettieren die Gruppe. Für Esperanza Munoz, die mittlerweile in der Entwicklungshilfe tätig ist, kam später die 25-jährige Rabia Okay hinzu.

Viel Eigenleistung haben die Fünf in den Bau gesteckt. Gemeinsam wurde die Mauer neben dem Eingang wieder aufgebaut, die Dachterrasse hergerichtet. Auch im Inneren gab es einiges zu tun. "Was hier alles ’rumstand", erinnern sich die Jungs.

Jan Tesche, der am liebsten mit Holz arbeitet, nahm sich passenderweise der Fenster an. Die Rahmen fertigte er selbst, auch das Glas besorgte er. Das Ergebnis: eine Augenweide, die trotzdem zum Charme des alten Gemäuers passt. "70 Euro hat das alles in allem nur gekostet", rechnet er stolz vor. Fertig ist das etwas andere Atelier noch lange nicht. "Es ist ein Anfang", sagen die fünf Künstler. Das reicht erst mal. Auch Eigentümer und Förderer Sadettin Yurdagel freut sich über die Belebung.

270 Quadratmeter hat die Gruppe in der zweiten Etage zur Verfügung. Die Arbeitsbereiche sind aufgeteilt. Allzu viele Gemeinsamkeiten scheinen die Künstler auf den ersten Blick nicht zu haben. Die ruhige, ernst wirkende Silvia Roth zum Beispiel genießt es, nach ihrem Studium dort frei arbeiten, "einfach aufatmen" zu können.

Sebastian Groll experimentiert dagegen gerne mit Keramik, vor allem mit verschiedenen Brenntechniken. "Ich muss alles selbst ausprobieren", sagt er und lacht verschmitzt. "Am besten, ohne dass es im Hof explodiert. Denn auch das ist vorgekommen." "Raw", zu deutsch "rau", nennt er seinen Stil - das passt.

Die Gegensätze seien es gerade, die den Reiz ausmachen, sind sich Jan Tesche und seine Kollegen einig. "Jeder macht im Prinzip sein Ding." Aber man tausche sich immer aus, suche Berührungspunkte. "Forschungs- und Gestaltungsprojekt" nennen sie ihre Arbeit. "Ja, das hört sich gut an."

Sebastian Groll, der Bastler, kooperiert demnächst zum Beispiel mit Johannes Grell, dem Chemiker, der sich der Lebensmittelforschung verschrieben hat und draußen vor der Halle ein Hochbeet aufbauen will. Ihr Ziel: Aus Regenwasser Trinkwasser von höchster Qualität herzustellen. "Wir sind halt nicht nur Künstler und für alle Ideen offen", erklärt Jan.