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Newtopia: Allein unter Hühnern

Newtopia : Allein unter Hühnern

Mit 14 anderen Menschen zieht Aurica (40) aus Krefeld am Montag nach „Newtopia“. Wir erklären, was sie dort erwartet.

Zeesen. Dies wird kein leichtes Unterfangen: 15 Frauen und Männer ziehen bald in die Wälder Brandenburgs und beginnen dort ein neues Leben. Unter ihnen: Aurica (40), Aldi-Kassiererin aus Krefeld. Das Gelände dürfen sie nicht verlassen. Der Privatsender Sat 1 startet am Montag das TV-Projekt „Newtopia“ — zunächst auf ein Jahr angelegt.

Matschig und unwegsam ist es auf dem „Newtopia“-Hof. Die Spuren von Traktoren zeugen von letzten Aufbauarbeiten. Mitten in einem Kiefernwald in Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin wurde in den vergangenen Monaten auf zwei Hektar Fläche die wenige Infrastruktur geschaffen, mit der die Kandidaten starten. Der Hof ist von der Außenwelt durch einen Zaun abgeschottet.

Toiletten? Fehlanzeige. Eine Scheune, die auf alt gemacht ist, ein Stall, in dem bereits zwei Kühe stehen und 25 Hühner nach Futter picken. So leicht wie sie werden es die Kandidaten nicht haben. „Sie müssen sich alles selbst organisieren“, sagt Sat 1-Unterhaltungschef Taco Ketelaar. Alles was die sieben Frauen und acht Männer mitnehmen, sei ihre Kleidung am Leib. Kein Essen, kein Trinken. Das TV-Projekt läuft unter dem Motto „Alles auf Anfang“.

Es gibt ein Startguthaben von 5000 Euro, ein Handy und Anschlüsse für Gas und Wasser. Ziel ist es, dass die Gruppe durch Handel Geld verdient und sich eine Existenz aufbauen kann. Die Scheune ist kärglich eingerichtet. Es gibt Strohballen und Sitzhocker, ein paar Haken und überall: Kameras. 105 sind es auf dem ganzen Gelände.

Aurica aus Krefeld ist auf einer „besetzten Straße“ und in Kinderheimen aufgewachsen. An ihre Kindheit denkt sie trotzdem gern zurück. Ihren Sohn, der mittlerweile 17 Jahre alt ist, musste sie von Anfang an allein durchbringen. Gefragt nach einem Lebensgefährten, meint sie nur: „Ich sag mal so: Ich mag Katzen.“ Nun will Aurica etwas für sich tun: Newtopia ist für sie ein neuer Lebensabschnitt. Mit ihrer Kreativität und ihrem handwerklichen Geschick möchte sie nachhaltige Produkte herstellen. Am meisten fehlen werden ihr dort ihr Sohn, Freunde und Familie. „Und mein Bett.“

Die Blaupause für das Projekt, mit dem der Sender sein Vorabendprogramm stärken will, stammt aus den Niederlanden. Dort läuft das Ganze seit Januar 2014 — ein Ende ist nicht in Sicht. Erfinder ist John de Mol, der auch durch seine Container-Show „Big Brother“ bekannt wurde. Laut Sat 1 wird das Projekt derzeit auch in der Türkei ausgestrahlt.

In den USA wurde es hingegen wegen schwacher Quoten abgesetzt. Ketelaar erklärt das unter anderem damit, dass die Sendung dort nur einmal wöchentlich ausgestrahlt worden sei. In Deutschland soll sie werktags ab 19 Uhr jeweils eine Stunde lang gezeigt werden. Im Internet sogar 24 Stunden pro Tag.

Die Kandidaten kommen aus ganz Deutschland, sind volljährig und bis zu 65 Jahre alt, wie der Projektleiter der Produktionsfirma Talpa Germany, Matthias Wolf, sagt. „Sie kennen sich nicht.“ Kontakt können die Kandidaten nach draußen suchen, den Hof aber nicht verlassen. An dem Tor mit der Aufschrift „Newtopia“ gibt es eine Klingel und einen Briefkasten. Wie die Gruppe ihr Leben organisieren wird, steht in den Sternen.