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Kreative Kostüme an Karneval: Was bin ich? - Kleider machen Narren

Kreative Kostüme an Karneval: Was bin ich? - Kleider machen Narren

Die Jecken haben die Macht übernommen. Kreative Verkleidungen gab es am Donnerstag in der Düsseldorfer Altstadt wie Sand am Meer — doch politische Kostüme suchte man vergeblich.

Düsseldorf. Während sich mancher Politiker dem närrischen Schunkelbetrieb gern verweigert, stürzen sich andere umso lieber ins wilde Treiben. Allen voran Düsseldorfs Stadtchef Thomas Geisel, der am Donnerstag (gezwungenermaßen und ohne großen Widerstand) seine OB-Rolle ablegte, um im Rathaus als Köbes das Alt auszuschenken. Doch wie sieht es eigentlich mit politischen Kostümen im Karneval aus? Wir machten uns am Mittag bei Sonnensching und knackig-kalten 2 Grad in der Düsseldorfer Altstadt auf die Suche.

Kreative Kostüme an Karneval: Was bin ich? - Kleider machen Narren
Foto: Lepke, Sergej (SL)

Superhelden, Krümelmonster oder Schneewittchen — kreative Verkleidungen und ausgefallene Kostüme gibt es wie Sand am Meer. 14 Kollegen der Targo-Bank trinken zwar Prosecco, haben sich aber als lebendige Weintrauben und -flaschen verkleidet (wahlweise als Riesling oder Shiraz). Die Freundinnen und „Höllenengel aus Niederkassel“ gehen stilecht mit Nasenring und Bikerjacke auf Tour. Mit den Hells Angels haben sie aber absolut nichts am Hut, beteuern sie lachend. „Feiern und Spaß haben“ ist auch das Motto der vier feschen Cheerleader aus Düsseltal, die ihre Kurven in waffenscheinpflichtige Kostüme gepackt haben.

Kreative Kostüme an Karneval: Was bin ich? - Kleider machen Narren
Foto: Lepke, Sergej (SL)

Tausende Jecken tanzen auch vor dem Rathaus aus der Reihe. Alex und Michelle sind als Krümelmonster verkleidet. Eine leichte Enttäuschung ist ihnen anzumerken: „Wir sind nicht die Einzigen aus der Sesamstraße. Es sind zig Krümelmonster unterwegs“, bedauern sie. An der längsten Theke der Welt, der Bolkerstraße, hämmern die Bässe. Zu „Ein Bett im Kornfeld“ wird die Polonaise immer länger und länger. Einige Einhörner haben schon einige Likörchen intus, vor dem Ballermann prosten sich Schiffskapitäne mit Schwimmflügelchen zu.

Kreative Kostüme an Karneval: Was bin ich? - Kleider machen Narren
Foto: Lepke, Sergej (SL)

Wer definitiv nicht friert, sind die vier Jecken aus Holland, die sehr echt das nationale Ski-Team aus Korea darstellen und bei den Olympischen Spielen (heute!) starten wollen. Sie machen in voller Montur mit Skianzug, Mütze, Schal und Skiern (nicht angeschnallt) die Ratinger Straße unsicher. „Wir kommen schon zum vierten Mal nach Düsseldorf, die Stimmung ist einfach besser hier als bei uns in Roermond. Außerdem wird hier einen Tag länger gefeiert, das gefällt uns.“

Dass die Stimmung in diesem Jahr außergewöhnlich ist, finden auch Marla und Jonathan. Marla ist als Schokobon verkleidet und Jonathan trägt den typischen Jogginganzug im 80er Jahre Stil. „Die Stimmung ist so gut wie das Wetter“, freut sich Marla.

Die Jecken scheinen sich also durch Trump oder die Diskussion um die Groko das Feiern nicht verderben zu lassen. Das sehen auch die Frauen vom Turnverein Mettmann Sport so, die sich ihr Kostüm selbst auf den Leib geschneidert haben. Eine Woche nähten und bastelten sie an dem aufwändigen Pusteblumen-Kostüm, das sie mit 20 Leuten stolz präsentieren. Vor einer Kneipe feiert die „Helau-Gruppe der Frauen aus Bilk“. „Hier ist es herrlich. Wir können uns nicht vorstellen, woanders zu feiern“, sagte die als klassische Möhne verkleidete Düsseldorferin.

Und dann findet sich doch noch ein halbwegs „politisches“ Kostüm, keine Groko und auch keine Jamaika-Koalition, aber der Mann im Bundeswehr-Tarnanzug mit Banane im Halfter fällt auf und hat eine ernste Botschaft: „Gewalt ist kein Mittel der Argumentation“, sagt Marcel aus Mönchengladbach. „Mein Kostüm ist pure Veräppelung. Was mich bewegt, sind die Männer, die für den IS eingespannt werden und das eigentlich gar nicht wollen.“