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Köln: Behörden wollen hart gegen übergewichtige Reiter durchgreifen

Kölner Karneval : Behörden wollen hart gegen übergewichtige Reiter durchgreifen

Zu schwere Reiter müssen damit rechnen, beim Rosenmontagszug aus dem Verkehr gezogen zu werden. Wegen einer ansteckenden Pferdekrankheit wird es in diesem Jahr aber ohnehin weniger Tiere im Zug geben.

Im Kölner Rosenmontagszug wollen die Behörden rigoros gegen zu schwere Reiter und Kutschen vorgehen. „An der Stelle haben wir eine Null-Toleranz-Strategie“, sagte Zugleiter Holger Kirsch am Montag in Köln. Reiter, die inklusive Ausrüstung mehr als die Obergrenze von 20 Prozent des Pferdegewichts auf die Waage bringen, müssten damit rechnen, kurzfristig vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt aus dem Zug genommen zu werden. Ein Pferd im Kölner Karneval wiegt im Schnitt zwischen 550 und 600 Kilogramm. Ein Reiter darf demnach bis zu 90 Kilo wiegen.

Das Amt hatte bereits angekündigt, an den Aufstellplätzen in diesem Jahr mobile Waagen einzusetzen, um Kutschen zu wiegen. Das Gewicht jedes Pferdes sei bekannt, sagte Amtsleiter Konrad Peschen: „Unsere Veterinäre vor Ort sind durchaus in der Lage, einen Zusammenhang zwischen Gewicht von Reiter und Pferd herzustellen“ - also zu schwere Reiter zu erkennen. Hintergrund der Maßnahme sind die verschärften Tierschutzregelungen, die das NRW-Umweltministerium derzeit plant.

Dass es am Rosenmontag bei einem der knapp 300 Pferde tatsächlich zu einem solchen Fall kommt, hält Michael Kramp, Vorstandsmitglied des Festkomitees, allerdings für unwahrscheinlich. Die Regel sei schon länger bekannt: „Es gibt keine Pferd-Reiter-Kombination, die nicht schon seit Monaten zusammenarbeitet.“

Wegen eine Tierkrankheit werden in diesem Jahr allerdings ohnehin weniger Pferde im Zug unterwegs sein. Die Karnevalsgesellschaft „Nippeser Bürgerwehr“ verzichtet auf ihre Reitpferde. Hintergrund sei, dass in einem Gestüt, das der Gesellschaft die Tiere zur Verfügung stelle, ein Fall der Pferdekrankheit Druse aufgetreten sei. Zwar seien die eigenen Pferde nicht betroffen, man wolle aber kein Risiko eingehen. „Die Reiter gehen zu Fuß. Die Pferdekutschen sind nicht davon betroffen, da kommen die Pferde aus einem anderen Stall“, sagte der Geschäftsführer der Karnevalsgesellschaft. Konkret verzichte man auf 13 Tiere. Mehrere Medien hatten berichtet.

Druse gilt als hochansteckend und wird durch Bakterien verursacht. Die Krankheit äußert sich unter anderem in Form einer Rachenentzündung mit Fieber. Ein infiziertes Pferd könnte auf dem Rosenmontagszug theoretisch weitere Tiere anstecken.

Nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval ist die „Nippeser Bürgerwehr“ die erste Gesellschaft, die ihre Tiere wegen des Erregers zurückgezogen hat. Nachdem der Fall bekannt geworden war, hätten die anderen Gruppen ihre Tiere getestet. Der Leiter des Kölner Umwelt- und Verbraucherschutzamtes, Peschen, sagte am Montag: „Wir gehen nicht davon aus, dass weitere Korps betroffen sind.“

Der Einsatz von Pferden im Kölner Rosenmontagszug ist immer wieder Thema von Diskussionen. Von Tierschützern wird er kritisiert. Beim Rosenmontagszug 2018 waren zwei Tiere einer Kutsche durchgegangen, es gab mehrere Verletzte. Danach wurden die Regeln für die Teilnahme von Pferden verschärft.

(dpa)