Düsseldorfer Tanzschulen: Tanz am Puls der Zeit, seit 90 Jahren

Düsseldorfer Tanzschulen: Tanz am Puls der Zeit, seit 90 Jahren

Das Ehepaar Fern setzte in den 60ern Trends im TV. Die heutige Schule greift Mode ebenfalls auf.

Düsseldorf. Düsseldorfs „Haus des Tanzes“, eine „moderne Tanzschule, die in Europa seinesgleichen sucht“ — mit Titeln wie diesen schrieb die Stadt Tanzgeschichte. Bereits vor 90 Jahren, seit 1926. So weit reichen die Wurzeln der traditionsreichen Einrichtung, der heutigen absoluttanzbar/Tanzschule Fern. Generation um Generation lernt dort die ersten Schritte auf dem Parkett. Das Ehepaar Kayser hat die Schule damals gegründet, das Ehepaar Fern übernahm in den 60ern, heute ist Torsten Thiele der Chef.

Tanzunterricht heute: Kristina und Michael Leicht genießen als Tango-Schüler die Nähe. Foto: Sergej Lepke

Er hat gleich zwei traditionelle Schulen miteinander verknüpft: Zunächst übernahm er die Tanzschule Krehn, später kam Fern dazu — nicht mehr am Standort Jakobistraße, sondern seit einigen Monaten nur noch in der Grafenberger Allee. „Mit dem neuen Namen, aboluttanzbar, will ich meine eigenen Akzente setzen. Den Namen Fern habe ich als Zusatz behalten — weil er in der Stadt Tradition hat.“

Tanzunterricht in den 60er Jahren: Auch bei den Partytänzen mit Helga und Ernst Fern ist Haltung angesagt. Foto: Archiv Tanzschule Fern

Thiele weiß, dass er damit in große Fußstapfen getreten ist, was Unterricht am Puls der Zeit angeht. Die Ferns setzten Trends. Wie das in den 60er Jahren, das lässt sich in Youtube-Videos sogar sehr gut nachvollziehen. Denn Helga und Ernst Fern nutzten bereits fleißig die damals neuen Medien — mit der Tanzstunde im Fernsehen. Teile der Sendungen „Gestatten Sie“ und „Tanzparty“ stehen mittlerweile im Netz.

Heute wirken sie kurios, lassen an der ein oder anderen Stelle schmunzeln — so wie oft, wenn es um kurzlebige Trends geht. Damals galten aber noch Umgangsformen, die heute unvorstellbar scheinen. Anfangs durfte Helga Fern nicht viel mehr tun als schüchtern in die Kamera zu lächeln. Bei den Bewegungen zählte Haltung: kleine Schritte, wohl gesetzte, steife Bewegungen selbst bei spaßigen Partytänzen, gewählte Worte. Der Mann trug Anzug, die Dame knielange Kleider. Bei späteren Videos wird die Atmosphäre lockerer, auch die Dame darf nun ran. Cha-Cha-Cha, Walzer und Rumba waren beim Unterricht genauso dabei wie kurzlebige Hits mit oft witzigen Titeln wie Hoppel-Poppel oder Letkiss.

Heute ist das gar nicht mal so viel anders — die Schule hat Modetänze von Mambo über Macarena bis Gangnam-Style mitgemacht. „Es ist wichtig, auf das einzugehen, was die Leute aktuell gut finden“, sagt Thiele. Einen konkreten Modetanz gebe es aktuell nicht. Aber die absoluttanzbar hat mit den Jahren beispielsweise eine eigene Hip-Hop-Abteilung aufgebaut, in den Kinder- und Jugendkursen stehen Choreografien von Detlef D. Soost auf dem Programm. Auch traditionelle Tänze sind dauerhaft gefragt — nur der Unterricht sieht anders aus..

Die Teenager tragen Alltags-Look: zerrissene Jeans, Turnschuhe, Pullis. Im Saal der absoluttanzbar herrscht ein munteres Gewusel, statt Tanz in Reih und Glied. Die Haltung ist nebensächlich, Hauptsache gemeinsam etwas zustandebringen, dass beim Abschlussball vorzeigbar ist. Beim einen oder anderen wippen Knie und Hüfte groovig mit. Und die Lehrer haben schnell mal einen flotten Spruch auf den Lippen.

Beim erwachsenen Publikum kommen derzeit Salsa, Lindy Hop und Tango Argentino gut an. „Alles, was sich in Düsseldorf abends gut tanzen lässt, weil es eine Szene gibt“, erklärt Thiele. Kristina und Michael Leicht haben einen Workshop bei ihm besucht. „Wir wollen keinen Showtanz mit vielen Schritten, sondern etwas für uns“, sagt Kristina Leicht. „Mir gefällt, das man den Tanz sehr frei und gefühlvoll gestalten kann“, erklärt Michael Leicht. Die beiden werden ihn nun selbst abends mal ausprobieren.