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Stadt will nun doch Mieten begrenzen

Stadt will nun doch Mieten begrenzen

Premiere ist im Grafental: Stadt schließt erstmals Abmachung mit Wohn-Investor.

Düsseldorf. Die monatelange Debatte um günstigen Wohnraum in Düsseldorf hat zu einem Umdenken bei der Stadtspitze geführt.

Oberbürgermeister Dirk Elbers und Planungsdezernent Gregor Bonin kündigten gestern am Rande der Immobilienmesse Expo Real in München an, Investoren künftig stärker in die Pflicht zu nehmen.

Die sollen bei der Planung neuer Wohngebiete eine Mietpreis-Obergrenze zusagen für eine bestimmte Anzahl von Wohnungen. Konkret habe man das während der Messe für das Projekt Grafental vereinbart.

Dort waren bisher rund 1000 neue Wohnungen sowie 120 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche Büro und Gewerbe geplant. Jetzt möchte der Investor, die Brack Capital Properties, nur noch Wohnungen bauen.

Durch die Einbeziehung städtischer Flächen entlang der angrenzenden Bahnlinie könnte das Projekt weiter wachsen. Die Rede ist von bis zu 600 zusätzlichen Wohnungen, vor allem im Geschosswohnungsbau.

Rund die Hälfte davon soll nun eine Mietpreis-Obergrenze bekommen. „Wir sehen das unter zehn Euro pro Quadratmeter“, sagt Bonin. Die Obergrenze solle für die Dauer von zehn Jahren bindend sein, Mietaufschläge wären in dieser Zeit nur in Höhe der Inflationsrate möglich.

Bonin kündigte an, ähnliche Vereinbarungen auch für andere Projekte abzuschließen. Beim Neubaugebiet an der Witzelstraße habe man eine Mietpreis-Obergrenze von 8,50 Euro vereinbart. Künftig solle dieses Instrument im Stadtentwicklungskonzept fest verankert werden.

Bemerkenswert: Bisher hatte die Stadt im Projekt Grafental keinen geeigneten Standort für günstigen Miet-Wohnungsbau gesehen.

Von den zunächst geplanten 1000 Wohnungen sollten nur gut drei Prozent gefördert sein. Einen Richtungswechsel in der städtischen Wohnungspolitik mag Dirk Elbers aber nicht erkennen: „Wir haben immer gesagt: Es ist wichtig, dass der Markt funktioniert, in allen Bereichen. Einseitigkeit ist immer falsch.“

Günstige Wohnungen werden ebenfalls auf dem ehemaligen Auto Becker-Gelände gebaut. Unter dem Projektnamen „Karolinger Höfe“ errichtet das Unternehmen Quantum voraussichtlich ab 2014 rund 360 Wohnungen „ausschließlich im mittleren Preissegment“, wie der Planungsdezernent betonte.

Erstmals gezeigt wurde eine Visualisierung des neuen Wohnhochhauses am Dominikus-Krankenhauses. Mehr als 70 Wohnungen sollen in dem Bau entstehen (Architekt: Jürgen Mayer H.). Hier sind allerdings eher hochpreisige Wohnungen geplant.

Das gilt auch für die Königskinder: Für die beiden 60 Meter hohen Türme an der Speditionstraße soll bald der Startschuss fallen. Laut Bonin stehen die Chancen gut, dass die Einigung mit den Hafenbetrieben bald gelingt und der Bebauungsplan rechtskräftig wird. „Dann warten wir nur noch auf den Bauantrag vom Investor Frankonia.“