Gast-Beitrag: Pokémon Go: Ströme dieser Art müssen gelenkt werden

Gast-Beitrag: Pokémon Go: Ströme dieser Art müssen gelenkt werden

Eine Minderheit beansprucht die Ressourcen Raum und Sicherheit für sich — auf Kosten der Allgemeinheit

Düsseldorf. Eine Minderheit (die Pokémon-Go-Spieler) übernutzt die Ressourcen Raum und Sicherheit. Und das auf Kosten der Allgemeinheit. Gemeint sind Passanten, die den lauen Sommerabend in der Stadt genießen wollen, oder Verkehrsteilnehmende, die nun in einer ohnehin komplexen Verkehrswelt über Gebühr und auf unbestimmte Zeit Rücksicht nehmen müssen.

Einem solchen — zudem noch vorausgesagten — Nutzungs-Dilemma sollte von offizieller Seite zeitig entgegengewirkt werden. Und nicht nachgegeben werden, mit der Sperrung der Girardetbrücke.

Ströme dieser Art müssen organisiert gelenkt werden, sonst organisieren sie sich selbst. Die Situation so zu lassen, wäre falsch verstandene Liberalität. So sollten etwa Bänke aufgestellt werden, ohne dass sie den Straßenraum behindern. Aufenthaltszonen könnten grafisch angezeigt und Hinweisschilder/Piktogramme installiert werden. Das Ordnungsamt sollte zudem aufklärende, freundliche und kurze Gespräche mit den Spielern führen.

Umweltpsychologisch betrachtet handelt es sich um ein Behavior-Setting-Phänomen. Gezielt eingesetzte Bedingungen helfen, nach bestimmten Funktionen ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, zu forcieren: Das Spiel Pokémon Go, seine Regeln, die Spieler sowie die (Vernetzung zwischen) virtuelle(r) und reale(r) Umwelt führen zu Ansammlungen von Menschen, die sich zumindest hälftig von ihrer tatsächlichen Umgebung abgekoppelt haben.

Genau genommen ist es also weniger ein Hype, als vielmehr eine vom Hersteller und Anbieter bewusste Beeinflussung möglichst zahlreicher Nutzer. Mal abgesehen vom Setting Girardetbrücke begegnen uns Radfahrenden, Zu-Fuß-Gehenden und Auto-Fahrenden nicht nur regelmäßig Personen, die durch das Tragen von Kopfhörern abgelenkt sind. Der Kreis derer, die der (Verkehrs)Wirklichkeit entfliehen wollen, wird jetzt durch zusätzliche zerstreute Smartphone-Spieler ergänzt. Dabei erfordert eine Massenmobilität, wie sie sich uns heute darstellt, mehr denn je Aufmerksamkeit, Gegenwärtigkeit und Respekt von allen Nutzergruppen.

Geplant und angemessen kontrolliert kann die neue Pokémon-Entwicklung mit Sicherheit ein Gewinn sein — im Übrigen dann auch sorgenfreier für jüngere User. Die städtische Fürsorgepflicht muss hierbei ernst genommen werden — selbst, wenn es einfacher erscheint, alles so laufen zu lassen.

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