Manieren: Schul-Knigge für pampige Eltern

Manieren: Schul-Knigge für pampige Eltern

Rauchen, Nachlässigkeit, Brüllen: Eltern machen Lehrern Stress. Zum neuen Schuljahr hat eine Direktorin deswegen Verhaltensregeln aufgestellt.

Düsseldorf. Wer im Schulvertrag der Astrid-Lindgren-Grundschule liest, was Lehrer von Eltern erwarten, bekommt eine Ahnung davon, was alles schief läuft. Die neue Direktorin Manuela Hasselmann hat sich den kleinen Schul-Knigge ausgedacht.

Darin heißt es unter anderem: "Von den Eltern erwarten wir, dass sie ihr Kind regelmäßig, pünktlich, ausgeschlafen und mit den notwendigen Schulsachen zur Schule schicken; dass Sie höflich mit den Lehrerinnen, Erzieherinnen und Mitarbeitern der Schule umgehen; dass Sie das Rauchverbot auf dem Schulgelände einhalten."

Manuela Hasselmann leitet die Gemeinschaftsgrundschule in Eller erst seit einem halben Jahr, hat aber in dieser kurzen Zeit bereits fünf Klassenkonferenzen einberufen, mindestens einen Vater ihres Büros verweisen und sich daran gewöhnen müssen, dass die Weigerung, ihr zu Begrüßung die Hand zu geben, kein Akt der Unhöflichkeit ist, sondern lediglich einen kulturellen Unterschied markiert.

Als hätten Lehrer nicht schon genug zu tun mit verhaltensauffälligen Kindern, machen ihnen jetzt zunehmend auch die Eltern das Leben schwer. Eine Kämpfernatur wie Manuela Hasselmann will sich das aber nicht gefallen lassen. "Ich möchte mich nicht an Eltern gewöhnen, die Grenzen überschreiten und mich anschreien."

Spätestens seitdem sie einen aggressiven Vater nur durch Androhung, die Polizei zu rufen, zur Raison bringen konnte, zieht sie an der Leuthenstraße andere Saiten auf. Der Mann wollte nicht wahrhaben, dass sein Sohn, ein Erstklässler, den Pkw einer Lehrerin demoliert hatte. Der erboste Vater nannte die Lehrerinnen "hysterische Weiber" und nahm sein Kind in Schutz.

Jetzt sollen mit einem neuen Elterncafé Klima und Zusammenarbeit besser werden. Viel verspricht sich Hasselmann auch von einem Sozialarbeiter. Ihrem Antrag hat das Schulverwaltungsamt bereits stattgegeben.

Jetzt wartet sie auf einen geeigneten Kandidaten, muss sich aber noch etwas gedulden, denn der neue Kollege wird erst im zweiten Halbjahr seinen Dienst antreten. Zudem hat die Stadt statt der erhofften ganzen nur eine halbe Stelle bewilligt. Da fällt der Schulstart nach den großen Ferien nicht ganz so leicht.

"Wir haben ganz bewusst um einen Mann gebeten", sagt Hasselmann. Dabei ist die Tatsache, dass ihr Kollegium ausschließlich aus Frauen besteht, ein Grund für diese Entscheidung. Dass sie als weibliche Führungskraft im Umgang mit einigen Vätern die Unterstützung eines männlichen Kollegen, der zudem kein Lehrer ist, gut gebrauchen kann, ein zweiter.

"Unseren Jungen fehlen männliche Vorbilder", hat sie festgestellt, "in der Schule und zu Hause, wo meist die Mütter allein für die Erziehung zuständig sind."

Rolf Kessler, Leiter der Grundschule Richardstraße, hat Erfahrung mit außerschulischen Hilfen. "Es gibt immer mehr verhaltensgestörte Kinder. Das kann ich als Lehrer nicht alleine bewältigen."

Sehr früh hat er daher gemeinsam mit der Awo einen Steuerungskreis eingerichtet. Eltern, Sozialarbeiter, Sonderschullehrer, der Bezirkssozialdienst, Ärzte, Psychologen sowie Vertreter von Kinderschutzbund und Kita treffen sich regelmäßig. Dazu finden Beratungsangebote für Eltern in der Schule statt.

"Wenn wir die Eltern schwieriger Kinder zur Erziehungsberatung schicken, kommen sie da nie an. Also müssen wir auf sie zugehen", sagt Kessler. Schon der Kinder wegen müsse sich Schule auch für deren Väter und Mütter engagieren. "Man kann ihnen keinen Vorwurf machen", sagt Hasselmann. "Sie haben vermutlich selbst keine Wertschätzung erfahren. Wie sollen sie diese dann ihre Kinder spüren lassen?"

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