Lucas Croon - Die Suche nach dem Sound

Lucas Croon - Die Suche nach dem Sound

Lucas Croon (23) trotzt seine Musik vor allem einem Minimoog ab – schon Kraftwerk arbeiteten in Düsseldorf mit dieser Urmutter der Synthesizer.

Düsseldorf. Der Mittelpunkt seiner Welt ist ein kleiner Kellerraum mit unverputzten Wänden. Lucas Croon sitzt auf einem Holzhocker, schlägt die Beine übereinander und saugt an seiner selbstgedrehten Zigarette. Er trägt Seitenscheitel, Schlabberhemd und Pluderhose. Um ihn herum stehen drei Synthesizer, ein riesiges Mischpult, ein Laptop und einige Schlaginstrumente. "Mein bescheidenes Studio", sagt der blasse 23-Jährige mit einem Lächeln und trinkt einen Schluck Rhabarbersaft-Schorle.

Aber immerhin, der Raum an der Roßstraße ist mietfrei. Er gehört zum Café Croons, das seine Eltern ein Stockwerk höher betreiben. Hin und wieder steht dort auch Lucas Croon hinter der Theke. "Familiäre Verpflichtung", sagt er. Denn eigentlich könne er schon allein von der Musik leben.

Das geht jedoch nur mit viel Arbeit. Wann immer es möglich ist, sitzt Croon in seinem Keller. Eine digitale Stoppuhr zeigt ihm an, wie lange schon. "Ich verliere hier unten das Zeitgefühl. So kann ich mich leichter zu Pausen ermahnen," sagt Croon. In mühevoller Arbeit trotzt er seine Musik vor allem einem analogen Synthesizer ab. Einem Minimoog. "Die Urmutter der Synthesizer", sagt Croon.

Fast schicksalhaft sei die erste Begegnung gewesen. Als 17-jähriger Schüler musste Croon nachsitzen und den Keller am Lore-Lorentz-Berufskolleg aufräumen. Er traute seinen Augen nicht, als plötzlich ein echter Minimoog vor ihm stand. Da sich die Lehrerin nicht auskannte und der Synthesizer in der Schule offenbar nicht mehr gebraucht wurde, schenkte sie ihn Croon. Noch heute prangt ein Stempel der Stadt auf dem Instrument.

Fühlte sich Croon als Jugendlicher zunächst im Hip-Hop zu Hause, rappte und baute Beats mit einer Atari-Konsole, schlug er dank dieses heute noch wegen seines Klangs von vielen Musikern verehrten Synthesizers eine neue Richtung ein. Schon zuvor hatte er das mit einem Minimoog produzierte Album "Moon Safari" der französischen Gruppe Air hoch und runter gehört und nach und nach auch die Düsseldorfer Elektronik-Pioniere Kraftwerk für sich entdeckt, die schon in den 70er Jahren mit Hilfe dieses Synthesizers nach Sounds forschten. Croon setzt diese Suche knapp 40 Jahre danach fort.

Das Ergebnis klingt zum Beispiel wie der Song "Krautkamerad", von seiner Band Stabil Elite. Sphärische Gitarren treffen mit abgehobenen Synthesizern auf simple Drums und spärlichen, unterkühlten Sprechgesang. Wie im Titel angedeutet, schwingen da einige Krautrock-Einflüsse mit, zudem gibt es Anleihen beim New Wave. Croon verweist auch auf die Düsseldorfer Band DAF.

"Düsseldorf verfügt über eine beeindruckende Musiktradition. Es macht mich schon ein wenig Stolz, hier zu arbeiten." Es koche und brodle wieder in der Stadt. Rund um den "Salon des Amateurs" seien zahlreiche neue Projekte entstanden. Croon nennt Bands wie Musiccargo, Neustadt oder Jantronix Schulte.

Im Moment arbeitet Croon unter Hochdruck an seinem ersten Soloalbum, das im Herbst erscheinen soll. Zeit für eine Emanzipation von den großen Vorbildern. Zu düster und schwer sei ihm der krautrockige Sound aus den alten Zeiten geworden. Poppiger soll seine Musik werden. So viele Instrumente wie möglich will er selbst einspielen, dem Gesang größeren Spielraum geben und den Computer möglichst aus dem Studio verbannen - weniger Labortechniker sein und mehr Musiker.

Mit 23 Jahren tritt Lucas Croon, wenn man so will, in seine dritte musikalische Phase ein. Er scheint etwas schneller gealtert zu sein als es für Menschen mit Anfang 20 vorgesehen ist. Fast schon etwas zu artig klingt das, wenn Croon sich ärgert, die Schule kurz vor dem Abitur abgebrochen zu haben und nach seinem musikalischen Traum gefragt antwortet: "Ich hoffe, mal meine Kinder von der Musik ernähren zu können."

Also keine Spur vom exzessiven Musikerleben. "Die wilden Partyzeiten sind vorbei", sagt Croon. Jedes Wochenende habe er früher durchgefeiert und sich kaum auf Auftritte vorbereitet, heute sei das anders. "Ich weiß nun meinen klaren Kopf zu schätzen", sagt er und trinkt noch einen Schluck Rhabarbersaft-Schorle.

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