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Karneval in Düsseldorf: Ein Tag auf Tour mit dem Prinzenpaar

Karneval in Düsseldorf : Ein Tag auf Tour mit dem Prinzenpaar

Die WZ hat Christian und Alina von morgens bis abends begleitet. Bei der Termin-Hatz hat Chefadjutant Rolf Förster immer die Uhr im Auge.

Düsseldorf. Der Job als Prinzenpaar ist hart. Von Bühne zu Bühne hetzen, immer strahlen und gute Laune verbreiten. Zwölf bis 14 Stunden sind am Wochenende eher die Regel als die Ausnahme, manchmal sind es auch 16 Stunden. Das schlaucht ganz schön. Die WZ hat das Prinzenpaar Christian III. und Venetia Alina einen Tag lang begleitet.

Karneval in Düsseldorf: Ein Tag auf Tour mit dem Prinzenpaar

Es ist Samstagmorgen, kurz vor 11 Uhr. Die Adjutanten Thomas Stelzmann und Rolf Förster sind schon beim Prinzen in Angermund und helfen ihm beim Anziehen. Das Ornat wird am Rücken zusammengeschnürt, das kann Christian Erdmann unmöglich alleine. Seit acht Uhr ist er auf den Beinen, war beim Friseur, hat E-Mails gecheckt und mit Tochter Laura gespielt, die mal wieder den ganzen Tag auf ihren Papa verzichten muss. Heute Abend kommt er wenigstens nach Hause, weil das Zimmer im Steigenberger Parkhotel wegen der boot-Messe nicht zur Verfügung steht. Ursprünglich standen zwölf Auftritte auf dem Programm. Einer wurde gestrichen, weil in einem Senioren-Wohnheim der Noro-Virus ausgebrochen und die Ansteckungsgefahr zu groß ist.

Karneval in Düsseldorf: Ein Tag auf Tour mit dem Prinzenpaar
Foto: Sergej Lepke

Gefrühstückt hat er noch nicht, dazu reicht die Zeit auch nicht mehr, denn Chefadjutant Rolf Förster quengelt: „Auf geht’s, wir haben keine Zeit mehr.“ Das Quengeln wird sich übrigens durch den gesamten Tag ziehen. Immerhin bekommt Christian von Gattin Yvonne noch ein Brot mit auf den Weg. Ein Küsschen zum Abschied und los geht es. Aber erst wird noch kontrolliert, ob auch genügend Orden dabei sind.

Um 11.45 Uhr steht der Besuch bei der KG Düssel-Narren im Brauhaus am Dreieck auf dem Programm. Für jeden Tagestermin gibt es eine alternative Uhrzeit, sollte sich im Laufe des Tages das Prinzenpaar einmal verspäten. Auf dem Weg zum ersten Auftritt studiert Christian die Tagespresse und bereitet sich vor. „Ich habe eine Mappe im Auto und dort stehen einige Fakten zu jedem Verein, den wir heute besuchen.“

Am Dreieck trifft der Prinz auf seine Venetia und die erweiterte Adjutantur. Die Stimmung in der Kneipe ist klasse, Heinz Hülshoff unterbricht sein Programm, damit die beiden pünktlich auf die Bühne kommen. Das erste Altbier kommt auch sogleich und Christian stößt mit den Jecken an. „Lasst uns nicht lange fackeln und fahren“, hallt es vom Chefadjutanten herüber und ab geht es ins Auto. Um 12 Uhr werden sie bei Skoda erwartet. Hier fahren sie hin, weil dort für den Spendenzweck des Prinzenpaares gesammelt wird. Das Geld wird am Ende der Session der Düsseldorfer Tafel, der Kindertafel und der Bürgerstiftung gespendet. Da die Sparda-Bank Hauptsponsor von Christian und Alina ist, verdoppelt sie am Ende der Session den Betrag. Rund 40 000 Euro sollen erreicht werden.

Den sogenannten Hühnerbus der erweiterten Adjutantur fährt seit sieben Jahren Joachim Severit. „Früher haben die Mädels der Tanzgarde das Prinzenpaar bei ihren Auftritten begleitet. Das Gegacker war nur schwer zu ertragen, deshalb heißt der Bus seitdem so.“ Es läuft übrigens den ganzen Tag Karnevalsmucke im Bus.

Bei Skoda stürmt auf einmal Sophia auf die Venetia zu. Die hat aber nichts Schlimmes vor, die Zweijährige möchte einfach nur auf den Arm von Alina. Das Mädchen ist ganz fasziniert von der Venetia. „Ich fand das total süß“, sagt Alina anschließend. Doch schon meldet sich Rolf Förster wieder zu Wort. „Aufsitzen, es geht weiter.“

Beim Biwak der KG „De Jecke Puppekööp“ vor dem Carsch-Haus trifft man auf den Sellerieprinzen der Närrischen Marktfrauen, Uwe II. Unter lautem Hallo umarmt man sich erst einmal freundschaftlich und dann geht es auch schon auf die Bühne. „Jetzt werden wir mal den Besuchern und Shoppern den Karneval ein bisschen näher bringen“, meint Alina.

Das funktioniert offensichtlich, denn die Fotowünsche sind gewaltig. Das dauert — Rolf Förster schaut schon ernst auf die Uhr und gibt das Zeichen zum Aufbruch.

Beim Närrischen Frühschoppen der KG „Die Elf vom Niederrhein“ in Oberbilk in der Gaststätte „En de Kull“ treffen Christian und Alina auf Angela Erwin, Venetia von 2002. Da lässt sich Christian zu dem Satz verleiten: „So lange ist das schon her. Im Gegensatz zu deinem damaligen Prinzen sieht man dir das aber gar nicht an.“ Der Prinz war Stefan Kleinehr.

Leider ist nicht viel los in der Kneipe, weil der Verein die Veranstaltung auf seiner Internetseite für einen anderen Tag angekündigt hat. Ein paar kurze Gespräche und wieder gibt Förster das Zeichen: Wir müssen los.

Es geht zur Niederkasseler Tonnengarde zum Prinzenempfang in der Gärtnerei Vishers. Dort ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, der Laden ist voll bis unters Dach. „Eine abgefahrene Location“, meint Christian. Als das Prinzenpaar auf der Bühne steht, kommt es im Vorraum zu einem unschönen Vorfall, von dem es aber nichts mitbekommen. Eine 19-jährige Besucherin wird mit Pfefferspray attackiert. Die Täter können nicht ermittelt werden. Erst als sie die Polizei- und Rettungswagen bemerken, fragen Prinz und Venetia irritiert in die Runde, was passiert sei.

Ein bisschen Zeit bleibt noch — für Fotos und ein Alt für den Prinzen. Doch dann kommt die Stimme aus dem Hintergrund: „Es geht weiter.“ Sie wissen schon: der Chefadjutant.

Im Pfarrsaal St. Josef richten die Närrischen Schmetterlinge eine Seniorensitzung aus. Alle Künstler treten umsonst auf, das Prinzenpaar wird gefeiert. Christian spricht über Toleranz, Herzlichkeit und Miteinander. Rolf Förster quengelt jetzt ausnahmsweise nicht, denn bis zum nächsten Auftritt dauert es noch drei Stunden. Es geht so lange ins Quartier Bohemé, denn der Prinz lädt alle zum Essen ein. Und das sind immerhin 15 Personen. Aber selbst dort kommen Leute rein, die die beiden von draußen gesehen haben und bitten um ein Foto.

Gegen 18.20 Uhr quengelt Förster. Die Abendsession startet. Im Radschlägersaal läuft die Hörfunksitzung von WDR 4 und der Rheinischen Garde. Dort zieht erstmals auch die Prinzengarde Rot-Weiss mit kompletter Garde ein. Förster hat keinen Stress, denn der nächste Auftritt ist nur einen Raum weiter im Rheingoldsaal der Rheinterrasse. „Abends ist alles viel größer, lauter und mehr Gala. Dafür ist man am Tag viel näher an den Leuten. Das hat auch sehr viel Charme.“

Förster drängelt schon wieder. Es geht in den Goldenen Ring. Dort läuft „Typisch Düsseldorf“, es treten nur Künstler aus der Landeshauptstadt auf. Der Laden ist voll. Alt Schuss gibt noch eine Zugabe, deshalb kommt es erstmals an diesem Tag zu einer Verspätung von zehn Minuten. Vor der Tür trifft die Truppe auf den Ex-Prinzen Simon Lindecke, der über dem Goldenen Ring sein Büro hat und auf ein Schwätzchen runterkommt. „Wenn ihr gleich zur KG Regenbogen kommt, dann saugt das auf. Das ist der geilste Auftritt in der Session.“

Näher vertieft wird das Gespräch aber nicht, denn Förster gibt den Abmarschbefehl. Es geht erst noch nach Himmelgeist zu den Marktfrauen. Dort müssen sie so viele Autogramme geben, dass Förster langsam unruhig wird.

Zum Abschluss des Tages steht dann der Höhepunkt auf dem Programm. Die KG Regenbogen feiert im Stahlwerk ihre Party. Vor dem Prinzenpaar steht die Kölner Band Brings auf der Bühne, deswegen ist die Stimmung schon auf dem Siedepunkt. Der Einmarsch des Prinzenpaares wird für beide ein unvergessliches Erlebnis. Ein unglaublicher Konfettiregen ergießt sich über Christian und Alina und beide sind komplett fasziniert. „Dieser Einzug war gigantisch und allein dafür lohnt es sich schon, Prinz und Venetia zu sein.“ Nach diesem Auftritt ist endlich Feierabend, auch Rolf Förster macht inzwischen ein entspanntes Gesicht: „Alles gut gegangen.“

Christian und Alina bleiben aber noch, weil die Stimmung so klasse ist und sie noch ein bisschen feiern wollen. Christian ist zufrieden. „Der Tag ist gut gelaufen. Wir sind zwar jetzt auch schon zwölf Stunden unterwegs, aber manchmal hast du mehr als 20 Termine, da hetzt du nur durch die Gegend. Doch bei elf kann man das alles auch noch genießen. Und wir haben heute die komplette Bandbreite des Karnevals erlebt.“