Immer mehr Ballermann an der Bolkerstraße

Immer mehr Ballermann an der Bolkerstraße

Die nächste Disko mit Schlager und Skihüttenflair öffnet. In einer Serie beleuchtet die WZ die Entwicklung der Altstadt.

Düsseldorf. Mit Worten wie „Skihüttenstimmung“ beschreiben die Macher der „Villa Wahnsinn“ ihre Neueröffnung an der Bolkerstraße. Noch ist das Gebäude mit Bauzäunen und Plakaten voll weiß-blauer Rauten verstellt, Ende Januar soll es dann losgehen: Schlager und Oldies, Animationsprogramm, Flirts erwünscht.

Dä Spiegel, dann Ballermann 6 und Oberbayern hatten für Jahre das Dauer-Abo auf Schlager- und Stimmungsmusik wie in Palma — es folgten Holzwurm, zuletzt Antons Partystadl, Kuhstall, Antons Bierkönig. Und jetzt die Villa Wahnsinn. Da fragt sich manch Düsseldorfer: Verkommt die Bolkerstraße zur billigen Sauf- und Tourimeile, auf der Junggesellenabschiede und Kegelclubs jegliches Niveau in Sangriaeimern ertränken?

„Innovation sieht anders aus“, findet jedenfalls Spiegel-Wirt Peter Klinkhammer. „Es ist keine Verbesserung für die Straße.“ Denn die Bierkönige, Kuhställe und Wahnsinnsvillen zögen ein sehr ähnliches Publikum an — das zu einem Großteil nicht aus Düsseldorf komme. „Gerade unter der Woche ist die Konkurrenz groß.“ Dass sie sich auf die Preise auswirken könnte, befürchtet Tobias Ludowigs vom Weinhaus Tante Anna, Sprecher der Altstadtwirte: „Die Gäste werden ja nicht unbedingt mehr. Es kommt nur noch einer hinzu, der ein Stück vom Kuchen will.“ Peter Klinkhammer sagt mit Blick auf die anstehende Neueröffnung: „Ich verstehe den Vermieter nicht.“

Der ist „Altstadtkönig“ Primo Lopez. Er betrieb in dem Gebäude lange selbst sein Restaurant „Alegría“. „Die Bolkerstraße ist eine Partymeile geworden“, sagt Lopez. „Die Leute halten sich dort eher zum Trinken auf — diese Gäste bringen mir nichts.“ Er ziehe sich in die Schneider-Wibbel-Gasse und die Marktstraße zurück. Bei der Neuvermietung siegte das wirtschaftliche Interesse. Lopez: „Es ist eine Toplage — und die Miete muss ja bezahlt werden.“ Er selbst hat das Gebäude nur gepachtet. „Ordnungsbehördlich haben wir da keinen Einfluss“, sagt Ordnungsdezernent Stephan Keller, gibt aber zu: „Wir müssen die Entwicklung im Auge behalten.“

Zu wenig, findet Grünen-Ratsfrau Clara Deilmann, die selbst lange im Q-Stall an der Kurze Straße gekellnert hat — dort haben Junggesellenabschiede übrigens keinen Zutritt. „Wir müssen die Hauseigentümer mehr einbinden, um die Vielfalt des Angebots zu erhalten“, fordert sie seit Jahren. Genauso sieht es Martin Volkenrath (SPD), Vorsitzender im Ordnungsausschuss. Das reine Saufpublikum sei schließlich auch ein Sicherheitsrisiko.

Doch CDU-Ordnungspolitiker Andreas Hartnigk sieht wenig Chancen, Eigentümer in die Pflicht zu nehmen: „Jeder will doch den größtmöglichen Ertrag aus seiner Immobilie ziehen.“ Wie FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus hofft er, dass der Markt sich selbst regelt. Neuenhaus erinnert an die Empörung, die das Hooters an der Berger Straße mit seinen leicht bekleideten Kellnerinnen ausgelöst hatte. „Das Konzept hat sich hier nicht durchgesetzt.“ Das Lokal wurde geschlossen.

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