Ehrung: Berufsvorbereitung ist fast ein Schulfach

Ehrung: Berufsvorbereitung ist fast ein Schulfach

Immer mehr Schulen engagieren sich für den Weg der Jugendlichen ins Arbeitsleben.

Düsseldorf. „Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben“ lautet ein lateinisches Sprichwort — und das heißt heute wohl mehr denn je: für einen anschließenden Arbeitsplatz. Deshalb bemühen sich die Schulen zunehmend, die Jugendlichen auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Zehn Schulen, die sich besonders engagieren, bekamen gestern das Siegel „Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule“.

Wenn Lehrerin Helga Reetz-Semrau die Aktivitäten der ebenfalls ausgezeichneten Fritz-Henkel-Schule aufzählt, findet sie kaum ein Ende: Die Schüler machen Betriebsbesichtigungen, begleiten in der 7. Klasse Vater oder Mutter einen Tag lang zur Arbeit, in der 8. Klasse macht jeder drei Stunden pro Woche ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung, es gibt ein dreitägiges Berufscamp mit Expertenbesuchen, zwei Schülercamps und noch einiges mehr.

„Das gehört zu unserem Schulprofil“, sagt die Lehrerin, Betriebe würden inzwischen gezielt nach potenziellen Azubis fragen. Aber auch die weichen Qualifikationen gehören zum Bewerberprofil, es gibt ein Seminar „Benimm ist in“. Schwierig werde es aber für die Schule, wenn elterliche Unterstützung fehle und Jugendliche morgens zu spät zum Unterricht kämen.

Die Henkel-Schule bekam das Siegel am Mittwoch zum wiederholten Mal, das Annette-Gymnasium dagegen erstmals. Hier läuft manches, was mit der Henkel-Schule vergleichbar ist. Darüber hinaus werden Kontakte zu Hochschulen geknüpft, alle zwei Jahre stellen Eltern und Ehemalige ihre Berufe vor, um den Schülern einen lebensnahen Einblick zu geben. Der Fokus der Schüler geht klar in Richtung Studium, bestätigt Schulleiterin Brigitte Vinke. Obwohl sich in Düsseldorf langsam ein Lehrlingsmangel auftut.

Nedim Suljovic (16), Schüler der Flora-Realschule kam am Mittwoch auch mit zur Preisverleihung in der Turbinenhalle der Stadtwerke. Er hat ein Praktikum im Augusta-Krankenhaus gemacht, was ihn in seinem Berufswunsch bestärkt hat: „Ich möchte Arzt werden.“ Nach der Mittleren Reife will er Abitur machen.

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