Gebärden helfen Förderkindern, sich verständlich zu machen

Gebärden helfen Förderkindern, sich verständlich zu machen

Wir stellen Schulpreis-Gewinner vor: Förderschulen erleichtern vielen jungen Menschen in der Region die Verständigung.

Düsseldorf. In jeder Sprache gibt es Wörter, die schwieriger als andere zu lernen sind. Für Pylyp D. (20) ist ein Wort wie „Tisch“ kein Problem, ein Wort wie „Doch!“ als Erwiderung auf „Nein“ schon eher. Um ihm dabei zu helfen, werden an der Franz-Marc-Schule zur Sprachförderung Gebärden benutzt.

Die meisten Menschen verbinden Gebärdensprache mit Gehörlosen. Und tatsächlich ist diese Art der Kommunikation für Menschen mit Gehör, aber Problemen beim Spracherwerb ein relativ neuer Weg. Birger Weindel ist Lehrer an der Franz-Marc-Schule und Experte für die so genannte Unterstützte Kommunikation (UK): „Noch in den 90er Jahren wurden Menschen mit geistigem Förderbedarf sprachlich unterschätzt.“ Dann fing man an, ihnen beim Sprechen auf verschiedene Arten zu helfen, eine davon sind die Gebärden.

Viele Schulen legten für sich Gebärdensammlungen an, mit denen sie arbeiteten. Doch nach einer Weile erkannten die Pädagogen ein Problem. Die Gebärdensprache unterscheidet sich in Deutschland je nach Region erheblich. Wechselt ein Schüler die Schule oder versucht er sich außerhalb der Schule mit einem Therapeuten zu verständigen, führt das zu Problemen.

Also machten sich die Franz-Marc-Schule mit der Mosaik- und der Theodor-Andresen-Schule daran, das Problem zu lösen, gemeinsam mit vier weiteren Schulen aus dem Kreis Mettmann. Sie glichen ihre Sammlungen ab und erstellten einen Katalog mit über 1150 Gebärden, mit denen die sieben Schulen nun arbeiten.

Doch das war nur der erste Schritt, wichtig ist nun die Verbreitung. Inzwischen haben 40 Schulen in der Region das System übernommen. Dazu kommen viele Kindergärten, Therapiepraxen, Wohnheime.

Aber auch damit ist das Projekt noch nicht am Ende angelangt: „Wir müssen weiter Überzeugungsarbeit leisten, die Gebärdensprache überhaupt zu nutzen, etwa bei Kitas und Eltern“, erläutert Lehrerin Sonja Peters. Auch mit der Werkstatt für angepasste Arbeit (Wfaa) in Düsseldorf ist man im Gespräch. Dort finden viele Jugendliche später einen Job.

Gerade Familien haben oft ihre eigene Art der Kommunikation entwickelt und tun sich dann schwer damit, neue Wege zu gehen. Deshalb bieten die Schulen auch Fortbildungen an, in denen Eltern einen einfachen Einstieg in die neue Form der Kommunikation finden können. „Es reicht ja schon, zunächst einzelne Gebärden einzubauen.“

Um die Verbreitung zu erleichtern, stellen die Schulen die Gebärden u.a. als Karteikasten oder Video-CD zur Verfügung, letztere für nur drei Euro. Hergestellt und vertrieben werden sie von Schülerfirmen. So hat sich über das Gebärdenprojekt auch noch eine Möglichkeit für die jungen Leute ergeben, wirtschaftliche Abläufe real kennenzulernen.

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