Die Höhenretter: Eine Truppe für Höhen und Tiefen

Die Höhenretter: Eine Truppe für Höhen und Tiefen

Serie: Die Höhenretter der Feuerwehr helfen immer dann, wenn das Sicherheitsrisiko bei der Anwendung der herkömmlichen Hilfs-Methoden zu groß wird.

Düsseldorf. Eigentlich sind die Männer aus Jörg Janssens Truppe ganz normale Feuerwehrleute — aber eigentlich auch wieder nicht. Sie fahren, wie andere Feuerwehrmänner auch, Einsätze, löschen Flammen, retten Menschenleben — doch sie machen noch viel mehr. Sie sind Spezialisten für Extremsituationen mit hohem Sicherheitsrisiko. Für Fälle, die es so nicht alle Tage gibt. Und für Fälle, auf die man sich nur extrem schwer vorbereiten kann.

47 Höhenretter gibt es bei der Feuerwehr Düsseldorf, alle sind sie in der Feuerwache an der Münsterstraße in Derendorf stationiert. Von dort aus rücken sie zu Einsätzen aus und dort üben sie auch regelmäßig Risikosituationen, bilden sich fort. Für die WZ haben die Jungs der Truppe einen solchen heiklen Einsatz nachgestellt.

Ein Gerüstarbeiter ist ausgerutscht und von seinem Arbeitsplatz abgestürzt — rund vier Meter nach unten, er liegt nun ganz unten auf dem Gerüst. Das ist jedoch nicht etwa auf dem Innenhof der Feuerwache, sondern immer noch in guten fünf Metern Höhe. Eine Position, in der mit herkömmlichen Feuerwehr-Methoden nur schwer Hilfe geleistet werden kann.

Als der Fall gemeldet wird, herrscht Alarmbereitschaft unter den Feuerwehrmännern des Einsatztrupps — jetzt muss alles ganz schnell gehen. Sie eilen hinunter in die Wagenhalle, dort steht neben den anderen Einsatzfahrzeugen auch das speziell ausgestattete Fahrzeug der Höhenretter. Was daran anders ist? „Wir brauchen ganz andere Seile und Zug-Gerätschaften, um uns in große Höhen oder auch Tiefen abseilen zu können und die Verletzten schließlich so auch bergen zu können“, sagt Jörg Janssen, einer der Ausbilder der Höhenretter bei der Feuerwehr in Derendorf. In unserem konkreten Fall suchen sie sich all das zusammen, was sie zur Bergung des Opfers benötigen, das regungslos auf dem Auffangbrett des Gerüstes liegt. „Hier geht das schnell, normalerweise müssen wir ja erst einmal zum Unfallort hinfahren“, sagt Janssen.

Mit Trage und allerhand Gurten, Seilen und Winden ausgestattet, rennen die Männer ins Gebäude nebenan, die Treppe hinauf, in den Raum, dessen Fenster sich in der Nähe und annähernd auf der Höhe des Verletzten befinden. Sie öffnen eins und klettern geschwind hinaus, schon sind sie beim Gestürzten, können dort Erste Hilfe leisten. „Bei schlimmeren Einsätzen geht das oft nicht so einfach — dann müssen wir uns erst aufwendig abseilen, um überhaupt zum Verletzten zu gelangen“, so Janssen. Auch Rettungssanitäter würden so zum Opfer gebracht, auch sie können die Feuerwehrleute mit ihrem Equipment abseilen.

Doch auch wenn die Höhenretter in unserer Simulation recht einfach zum Opfer gelangen können, gestaltet sich das Bergen umso schwieriger. Während zwei der Männer erste Hilfe leisten, sich um den Verletzten kümmern, sind die übrigen drei Retter damit beschäftigt, einen Seilzug zu installieren, mit dessen Hilfe sie den Verletzten gen Boden abseilen können. Das nimmt einige Zeit in Anspruch — doch am Ende schwebt das Sturzopfer auf der Trage am Seil hinab, unten ist das Ende des Seils an einem Fahrzeug befestigt. 16 Minuten hat der Einsatz gedauert — „das ist schon okay“, sagt Janssen, perfekt sei es jedoch noch nicht.

In der Realität sind solche Simulationen durchaus keine Seltenheit, sagt Janssen. Oft werden Übungen durchgeführt, bei denen einer der Höhenretter das Opfer spielt. „Das hat den Vorteil, dass wir eine Rückmeldung kriegen, wie sich das Opfer bei der Rettung gefühlt hat“, sagt der Ausbilder. Denn bei echten Einsätzen seien die Patienten meist nicht in der Lage, ihren Rettern eine solche Rückmeldung zu geben.

Echte Einsätze kommen zwar in der Praxis recht selten vor, dennoch sind sie kraftzehrend und nervenaufreibend. „Das sind Extremsituationen“, sagt Janssen. Etwa 50 Mal im Jahr werden die Höhenretter alarmiert, oft sei das nicht. „Die Jungs müssen dafür aber jede Woche viel üben und trainieren“, sagt er. Das machen die Feuerwehrleute zum Beispiel im alten Schlauchturm der Wache. Seinen ursprünglichen Zweck erfüllt der heute nicht mehr — dafür haben ihn die Höhenretter selber ausgebaut, in seinem Inneren einen Kletterturm geschaffen. Was sie in der Praxis an Berghängen und steilen Wänden leisten müssen, kann hier nachgestellt werden. Aber auch in Höhlen haben die Jungs schon den Ernstfall simuliert, in Steinbrüchen und sogar im Inneren des Fernsehturmes. Dort üben sie, wie sie möglichst schnell Treppen heraufkommen — schließlich ist der Funkturm das höchste Gebäude der Stadt, hat auch die wohl längste und höchste Treppe.