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Bundestagswahl: Jubel bei der CDU, FDP im Schockzustand

Bundestagswahl: Jubel bei der CDU, FDP im Schockzustand

Die SPD will ihre Niederlage erst nicht wahrhaben, während es bei den Grünen schon früh ausschließlich lange Gesichter gibt.

Düsseldorf. Von Euphorie bis Entsetzen reichte die Palette der Emotionen am Sonntag bei den Düsseldorfer Parteien. Ein Streifzug durch die Wahlpartys.

Die CDU feiert sich und die Kanzlerin: Gut zehn Sekunden dauert der CDU-Jubel, als am Sonntag um 18 Uhr die Prognose über die Bildschirme im Rathaus läuft. Jubel über das eigene Ergebnis, Jubel über Angela Merkel, die Kanzlerin bleiben wird.

Doch die Freude endet abrupt — als die Prognose für die FDP folgt. Niemand hier hat damit gerechnet, dass die Liberalen aus dem Parlament fliegen. Für die Düsseldorfer Abgeordnete Gisela Piltz hat fast jeder ein tröstendes Wort übrig.

Um 19.57 greifen die Wahlkreissieger zum Mikrofon. Erst Thomas Jarzombek, der seinem Team dankt. Dann der Auftritt von Sylvia Pantel: Sie bedankt sich bei ihrem Mann Rolf, „dass du mir seit 20 Jahren den Rücken für die Politik freihältst“.

Unter rhythmischem Klatschen gesteht sie gerührt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Bundestagsabgeordnete werde.“ Dann will sie nach Hause, denn: „Da haben meine fünf Kinder schon alles für eine Party vorbereitet.“

Auch für den Düsseldorfer Parteichef Klaus-Heiner Lehne ist der Abend eine Genugtuung: „Nach dem Betriebsunfall bei der Landtagswahl haben wir die Verhältnisse gerade gerückt und gezeigt, dass wir auch in Großstädten mehrheitsfähig sind“, Hintergrund: Bei der Landtagswahl 2012 hatte die SPD alle vier Wahlkreise geholt.

Bei der SPD posiert man für Siegerfotos: Dass die SPD eine herbe Schlappe einstecken muss, wollen die Genossen lange nicht wahrhaben. Als Andreas Rimkus und Philipp Tacer gegen 18.20 Uhr erstmals in der SPD-Ecke im Rathaus aufkreuzen, brandet Jubel auf, beide posieren für Siegerfotos. Der Grund: „Dass die FDP raus ist“, sagt Rimkus. Nach und nach aber wird klar, dass kein Grund zur Freude besteht.

Bürgermeisterin Gudrun Hock sieht die Ursache für das Ergebnis vor allem bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Ihr hat die CDU alles zu verdanken.“ Ein Standpunkt, den sie übrigens mit OB Dirk Elbers teilt.

Während Tacer im Norden früh seine (erwartete) Niederlage erkennt, wartet Rimkus bis 20.12 Uhr, bis er Pantel gratuliert. Das dann aber umso herzlicher — die beiden verstehen sich gut. Dann kommt OB Dirk Elbers dazu, gratuliert Rimkus zum Einzug in den Bundestag über Liste. Doch der wehrt noch ab.

Sprachlosigkeit bei der FDP: Totenstille herrscht bei der FDP, als um 18 Uhr die erste Prognose über den Bildschirm flimmert. Sprachlosigkeit, Schockzustand. Die um Fassung ringende Gisela Piltz ist die Erste, die einen Erklärungsversuch wagt. Der FDP sei es in der Großen Koalition ergangen wie der SPD.

„Die Union hat es uns nicht leicht gemacht“, sagt sie. Wie sehr das Abschneiden die Partei getroffen hat, lässt sich an den Reaktionen des Fraktionsvorsitzenden, Manfred Neuenhaus, und Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ablesen. Auch noch bei der Wahlparty im Marcel’s am Rheinufer wollen sich beide nicht äußern.

Emotionen bei den Grünen: Auch bei den Grünen gibt es vor allem lange Gesichter. Dann machen sie sich selber Mut. Lange applaudieren sie, als sich die Kandidaten Uwe Warnecke und Mona Neubaur sekundenlang umarmen.

Beiden sieht man die Enttäuschung über das Ergebnis an, aber auch die Erleichterung, dass die Anstrengungen der letzten Monate vorbei sind. Wir haben 21 000 Wahlzeitungen verteilt. Das gab es noch nie“, lobt Neubaur das Engagement aller Helfer.

Nun sei sie aber froh, in den Urlaub fahren zu dürfen. Und die Fraktionssprecherin Iris Bell-stedt blickt schon nach vor. „Wir werden jetzt erst recht für die Kommunalwahl kämpfen.“