Als Hausaufgabe eine Gala

Als Hausaufgabe eine Gala

Vier Schüler des Berufskollegs an der Bachstraße haben eine Charity-Gala mit prominenten Gästen organisiert. Der Erlös geht an Unicef.

Düsseldorf. Die Organisation einer großen Abendgala ist selbst für Veranstaltungsprofis eine Herausforderung. Die Schüler des Berufskollegs Bachstraße sind erst Anfang 20 und stecken mitten in ihrer Ausbildung. Trotzdem traut sich eine Klasse von Veranstaltungsleuten an die Königsdisziplin der Branche ran: Sie organisiert eine Charity-Gala für 350 Gäste.

Zwar lautet das Thema im zweiten Lehrjahr "Planung und Organisation einer Veranstaltung", aber dass sich ihre Schüler gleich einen Event dieser Größenordnung aussuchen, überraschte Lehrerin Martina Holzinger. "Die meisten Schüler sind in ihren Ausbildungsbetrieben sehr eingespannt und haben keine Zeit nebenbei einen Großevent auf die Beine zu stellen", sagt Holzinger. Die Klasse VAO8d schreckte vor dem Aufwand nicht zurück.

Vor zwei Monaten fiel die Entscheidung für die Gala "Silent Night". Der gute Zweck stand von der ersten Minute an ganz oben auf dem Plan. "Wir wollen keinen Profit machen. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise haben andere das Geld nötiger", sagt Alexandra Schröder (24). Wie bei einer professionellen Charity-Gala können Besucher Lose für eine Spendentombola kaufen. Der gesamte Erlös geht an das Unicef-Projekt "Schulen in der Kiste", das Kindern aus Katastrophengebieten Unterricht in mobilen Klassenzimmern ermöglicht.

Der Gedanke an diese Kinder ist für die Schüler Motivation, ihr Bestes zu geben. Auch Freizeit und Wochenenden investieren sie in die Organisation der Gala. Für das Fach Veranstaltungsmanagement sind eigentlich nur vier Stunden wöchentlich eingeplant. Die reichen aber bei weitem nicht aus. "Dass die Planung viel Arbeit bedeutet, war uns klar. Aber dafür sind wir auch von der Idee bis zum Event selbst dabei", sagt Alexandra Schröder.

Jeden Schritt der Eventgestaltung mitzuerleben, ist für die 25Schüler etwas Besonderes. Normalerweise sind ihre Ausbildungsbetriebe nur für einen Teilbereich zuständig. Sabine Winters macht ihre Ausbildung in einer Technikfirma. "Wir planen Beleuchtung, Tontechnik und die Bühne. Vom restlichen Ablauf bekomme ich sonst eher selten etwas mit", sagt die 21-Jährige.

Auch bei der eigenen Gala ist sie hauptsächlich für die technische Ausstattung verantwortlich. Bei der Programmgestaltung konnte sie aber ebenfalls Ideen einbringen. So befragte sie Joschka Fischer und andere Prominente zum Klimawandel, der neben dem guten Zweck Thema der Veranstaltung ist. Die Interviews werden am Abend der Gala auf einer großen Leinwand gezeigt.

Den Schülern war es wichtig, nicht einfach nur einen Event zu organisieren. Sie haben auch eine Botschaft für ihre Gäste: In einer Diashow zeigen die jungen Leute den Regenwald vor und nach der Rodung. Hybridautos und eine Solaranlage werden aufgebaut. Außerdem pflanzt die Firma "Baufritz" für jeden Gast einen Baum im Allgäu. Der erhält ein Namensschild, so dass die Besitzer ihren eigenen Baum jederzeit im "Silent Night"-Wäldchen wiederfinden können.

Ohne die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe und ein ausgeprägtes Netzwerk im Eventbereich wäre die Schülergala allerdings gescheitert. "Ob beim Catering, der Technik oder den Räumlichkeiten, die Betriebe haben uns Kosten erlassen, Geräte und Personal zu Verfügung gestellt. Für die Hilfe sind wir unendlich dankbar", sagt Martina Holzinger.

Ihre Kontakte nutzte auch Schülerin Alexandra Schröder. Als Vocal-Coach hat sie schon mit vielen Sängern zusammen gearbeitet. Linda Teodosiu und Juliette Schoppmann, Kandidatinnen von Deutschland sucht den Superstar, ließen sich nicht lang bitten. Wie alle Künstler treten sie bei der Gala ohne Gage auf.

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