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50er Jahre: Eine Stadt erwacht aus Ruinen

50er Jahre: Eine Stadt erwacht aus Ruinen

Düsseldorf in den fünfziger Jahren: Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges boomt, baut und wächst die Städt.

Düsseldorf. Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges prägten die Trümmer zerbombter Gebäude und Straßen das Stadtbild. Eine Kulisse, die für Todesangst in dunklen Kellern stand. Doch davon wollten die Düsseldorfer Anfang der fünfziger Jahre nichts mehr wissen. Die Ausgelassenheit kehrte an den Rhein zurück: Hunderttausende Jecken feierten im Februar 1950 den ersten Rosenmontagszug seit 1939 — finanziert von Unternehmen und Banken. Denn die Stadt beklagte ein Defizit von 8,4 Millionen Mark.

Im Fokus der Dekade stand der Wiederaufbau. Am 10. Juni 1952 erfolgte auf dem Marktplatz der Spatenstich für das neue Rathaus. Nur ein Jahr zuvor war der zerstörte Schlossturm instandgesetzt worden und das Apollo-Varieté feierte am Südende der Kö Wiedereröffnung. Zur Freude der Bürger kehrten im gleichen Jahr die Buden vom Schwanenmarkt zurück auf den Carlsplatz, der zu Kriegszeiten einem Bunker weichen musste.

Die Teilung Deutschlands hatte auf dem Messemarkt ein Vakuum geschaffen. Düsseldorf erkannte seine Chance und zog Besucher aus der ganzen Welt an. Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard eröffnete im Mai 1951 die Fachmesse für Druck und Papier. Unsere Zeitung berichtete von „Millionengeschäften mit Käufern aus 25 Ländern“.

Die Menschen sprachen vom Wirtschaftswunder. 1,3 Millionen Gäste bestaunten im Sommer 1953 im Kuppelsaal der Rheinhalle, der heutigen Tonhalle, was es damit auf sich hatte. Die Rationalisierungsschau „Alle sollen besser leben“ zeigte den Einzug moderner Technik in die Arbeitswelt.

Zu dieser Zeit stieg in Düsseldorf die Einwohnerzahl. Im März 1954 wurde der 600 000. Bürger geboren. Der Bevölkerungsboom forderte mehr Wohnraum — und der Wiederaufbau wurde zum Neubau. Im Jahr 1958 zogen die Bauunternehmen pro Monat 126 Gebäude hoch. Das Dreischeibenhaus an der Hofgartenstraße wurde zum Sinnbild des städtebaulichen Aufschwungs. Die Industrie wuchs und vermeldete in dem Jahr 952 Betriebe mit 120 000 Beschäftigten.

Gleichzeitig mussten die Planer die spätere Stadtentwicklung berücksichtigen. Die zunehmende Mobilisierung stellte die Stadt bereits Mitte der fünfziger Jahre vor erhebliche Probleme. Der Stadtplaner Friedrich Tamms war es schließlich, der das Stadtbild veränderte. Bereits 1950 wurde sein Vorschlag vom Bau einer Süd-Nord-Verbindung, der Berliner Allee, zur Verkehrsentlastung der Kö verabschiedet. Die letzte Straßenbahn fuhr am 16. Juli 1955 über den Boulevard.

Eines der Tammsschen Bauprojekte war neben dem Tausendfüßler, der in den sechziger Jahren gebaut wurde, die Nordbrücke. Im September 1956 kam es bei den Arbeiten jedoch zu einem heftigen Zwischenfall — ein 330 Tonnen schweres Brückenteil stürzte in den Rhein. Ein Monteur wurde leicht verletzt. Doch nur zwei Jahre später feierte Deutschlands erste Schrägseilbrücke, die heutige Theodor-Heuss-Brücke, ihre Eröffnung.

Weitaus tragischer endete im November 1957 ein Flugzeugabsturz in Derendorf an der Roßstraße. Ein viermotoriger Flieger vom Typ DC4 hatte das Finanzgebäude gestreift, das sofort in Flammen stand. Sieben Menschen starben.

Grund zur Freude hatten die Düsseldorfer dagegen im nächsten Jahr. Der 300. Geburtstag von Jan Wellem wurde mit einem gigantischen Feuerwerk gefeiert. Auch der am 7. August 1959 fertiggestellte Abwasserkanal unterhalb des Rheins war ein Erfolg. Sechs Monate lang hatten sich die Arbeiter spektakulär von Ilverich nach Lohausen gebohrt. Eine Dekade voller Veränderungen fand ihren krönenden Abschluss.