Norbert Scheuer: Der Existenzialist aus der Eifel

Norbert Scheuer: Der Existenzialist aus der Eifel

Auszeichnung: Philosoph Norbert Scheuer wurde gestern mit Literaturpreis der Stadtsparkasse geehrt.

Düsseldorf. Als Norbert Scheuer mit dem Schreiben und dem Studieren begann, nahm er sich eines ganz fest vor. Nie, wirklich niemals werde er Germanistik studieren. Zu groß sei die Gefahr, Schriftsteller nachzuahmen und die eigene Schreiberei zu verderben. "Ich habe Germanistik-Vorlesungen gemieden", sagt Scheuer. "Es sei denn sie hatten etwas mit Philosophie zu tun."

Dem 59-Jährigen liegt der unbegrenzte Blick auf die Welt, was angesichts der regionalen Beschränkung, auf die er sich in seinem Werk eingelassen hat, eher verwundert. Aber offenbar bietet dem diesjährigen Träger des "d.lit.-Literaturpreises" der Stadtsparkasse Düsseldorf die Eifel so dermaßen viel Stoff zur Erkundung der menschlichen Existenz, dass er seine philosophische Weitsicht ganz in Ruhe daran abarbeiten kann.

Gestern Abend wurde Scheuer mit der Auszeichnung der Kunst- und Kulturstiftung des Finanzinstituts geehrt, und wie Laudator und Jurymitglied Hubert Winkels meint, hat es viel zu lange gedauert, "bis die Öffentlichkeit feststellte, dass es sich hier um einen herausragenden Erzähler handelt." Ausschlaggebend für die Juryentscheidung waren die Bücher "Kall, Eifel", "Flussabwärts" und "Überm Rauschen", die allesamt, leise im Ton und schön in der Sprache, der Kompliziertheit individueller Schicksale und sozialer Gefüge auf den Grund gehen. "Man fühlt sich in den Geschichten zu Hause, auch wenn es kalt und sozial rau zugeht", sagt Winkels.

Scheuer stammt aus der Eifel und lebt auch heute wieder dort. Nachdem er eine Lehre als Elektriker abschloss, studierte er zunächst Physik an der Fachhochschule und anschließend Philosophie in Düsseldorf und Bonn. Dass ausgerechnet die Eifel, seine Heimat, zum Dreh- und Angelpunkt seiner Erzählungen wurde, hält er für nichts Ungewöhnliches. "Ein Autor schreibt immer über Gegenden, die er gut kennt."

Auch Düsseldorf hat Scheuer schon literarisch verarbeitet, damals als Student. Inspiriert habe ihn "Ulysses" von James Joyce, der auf 1000 Seiten einen Tag aus dem Leben seines Protagonisten ausbreitet. Jedoch liegt das unfertige Düsseldorf-Manuskript seit Jahrzehnten in der Schublade. "Und da bleibt es auch liegen", meint Scheuer.

Bevor seine Bücher dem Publikum vorgestellt werden, liest sie seine Frau Elvira, die nicht aus der Eifel, sondern aus dem Sauerland stammt. Manchmal hat sie etwas zu kritisieren, gibt sie gestern schüchtern zu. "Ich lege dann das Buch weg und wir reden später darüber."