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Krimistoff: Der lange Atem der Mafia

Krimistoff: Der lange Atem der Mafia

Das organisierte Verbrechen prägt in Italien nicht nur die Gesellschaft. Es hat auch schon vielen Autoren Krimistoff geliefert.

Düsseldorf. Sie reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück — die Wurzeln der Mafia. Von Sizilien aus hat sich die Verbrecherorganisation in ganz Italien und der Welt ausgebreitet und ihren Weg in die Literatur gefunden. Thekla Dannenberg vom Onlinemagazin für Literatur und Kultur, Perlentaucher.de, beschäftigt sich seit Jahren mit Krimis aus Italien und weiß, dass das organisierte Verbrechen vielen Autoren Krimistoff gegeben hat. „Das ist ja eigentlich auch kein Wunder. Die Gesellschaft in Italien ist zutiefst durch die Mafia geprägt.“

Unaufgeklärte Taten wie beispielsweise das Bombenattentat in Bologna, Verschwörungen, politische Verbrechen und der dadurch drohende Auseinanderfall des Staates haben die italienische Literatur geprägt. „Es hat dazu geführt, dass italienische Krimis politisch und gesellschaftskritisch sind“, sagt Dannenberg. Geschichten über Korruption, Morde, Schutzgelderpressung, Frauen- und Drogenhandel haben Einzug gehalten.

Typischer Krimiplot: Jemand wird von der Mafia ermordet — oft ist das Opfer eine öffentliche Person. Das integre Zentrum der ganzen Geschichte ist ein Polizist. „Die meisten Autoren haben großen Respekt vor Polizei und Justiz, weil sie — im Gegensatz zur Politik — gegen die Mafia kämpfen“, so die Expertin.

Beim Gedanken an die Mafia flimmert bei vielen vor dem inneren Auge Francis Ford Coppolas „Der Pate“ mit Marlon Brando und Al Pacino vorbei. Der Film ist von 1972, das Buch war schon drei Jahre früher ein Bestseller, geschrieben von Mario Puzo — einem US-Amerikaner. Krimis, die in Italien spielen oder von der Mafia handeln, sind sehr erfolgreich — aber keineswegs immer aus der Feder eines Italieners. Beste Beispiele sind Donna Leons (USA) Guido Brunetti und Magdalena Nabb, die in Florenz lebte, aber Engländerin war.

Doch wer sind die Superstars unter den italienischen Krimiautoren? „Ur-Vater der italienischen Kriminalliteratur ist Leonardo Sciascia. Er hat bereits in den 60er Jahren über die Mafia geschrieben, als sie noch geleugnet wurde“, erklärt Thekla Dannenberg. Zwar noch recht fiktiv, dennoch unübertroffen, sind für sie die Geschichten des Sizilianers. „Er war — und das gilt eigentlich für viele gute italienische Krimiautoren — geprägt von einer großen Intellektualität und einem sehr gebildeten Herangehen an seine Charaktere.“

In Sciascias Fußstapfen ist später Massimo Carlotto getreten. Einst Mitglied einer linksradikalen Gruppe wurde er wegen Mordes verurteilt, später begnadigt. Nach einer Biografie hat er angefangen, aufregende Krimis über die Mafia zu schreiben und hat Detektiv Marco Burrati, (Die Wahrheit des Alligators, 1996) erfunden, dessen Geschichten er bis heute fortschreibt. „Ebenfalls nennenswert und bis heute sehr erfolgreich sind Andrea Camilleri und Giancarlo De Cataldo“, sagt Thekla Dannenberg. Andrea Camilleri hat nicht nur die Mafia im Visier, wenn er Montalbano (Die Form des Wassers, 1994) ermitteln lässt, sondern auch Politik, Adel und die Kirche.

Giancarlo De Cataldo hingegen hat mit „Romanzo Criminale“ ein Großwerk über die römische Variante der Mafia geschrieben. „Das Interessante an Cataldo: Er war Richter in Rom und hat etliche Mitglieder der Magliana-Bande verurteilt. Auch in den folgenden Romanen bleibt er bei dieser berüchtigten Bande, die in den 70er-Jahren das organisierte Verbrechen in Rom fest in ihrer Hand hatte“, sagt Dannenberg.

“ Am kommenden Dienstag geht es um Großbritannien.