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Digitale Verunsicherung: Von Robotern, die für Stimmung sorgen

Digitale Verunsicherung : Von Robotern, die für Stimmung sorgen

Message in a Bot! Robotposting statt Flaschenpost: Bots schreiben und versenden Nachrichten in sozialen Netzen. Dabei geben sich die programmierten Follower und Freunde nicht als Bots zu erkennen, sondern die Sozial-Programme agieren und tummeln sich in Facebook, Twitter und YouTube ganz so wie andere Teilnehmer.

Sie haben Namen und Kennwort, und man kann sie kaufen: Das Tausender-Pack frischer Twitter-Mitglieder für unter 50 Euro, gewachsene Facebook-Accounts fürs Dreifache. Billig und willig im Gefolge.

Bots bringen Leben in die Netze. Die ferngesteuerten Fake-Accounts agieren in den sozialen Netzwerken — wie echte Teilnehmer — mit schlichten Wortmeldungen: Beifallsbekundungen, Empfehlungslinks oder Schnappschüsse aus dem täglichen Leben. Alles nicht so schwer zu kopieren, denn aufs Zitieren und Modifizieren verstehen sich die programmierten Meinungsmacher wie die programmatischen Mitläufer. Ob eine Meldung sinnvoll ist, fällt im Gewimmel der sozialen Bedeutungslosigkeiten gar nicht auf.

Ob‘s nun passt oder nicht, ein #Hashtag, der hundertausendfach verbreitet wird, katapultiert Themen an die Spitze der Trends. Das simuliert Interesse. Statistische Peaks forcieren Themen, ganz wie gesellschaftliche Gruppen sie brauchen. Politik, Presse und Öffentlichkeit reagieren wie gewünscht: Jede Stimme zählt. Mehrheit statt Wahrheit, außer Rand und Band.

Die Flaschenpost im Großgebinde hebt den Aggressionspegel. In botsfaktischen Zeiten geht es nicht um Argumente, die ein Großteil der Empfänger weder lesen noch verstehen kann, sondern um gesteuerte Emotionen. Die Botschaft ist Affekt: Der Bot schafft Gefühl im Gewühl. Gute-Laune-Programme greifen auf, was interessiert, um schlechte Stimmung zu machen.

Dass Bots wie User agieren, unerkannt und subversiv, sagt mehr über die Wirklichkeit der Netze als über die Träume der Roboter aus: So groß ist die Herde der elektrischen Schafe, dass selbst Bot und Botaniker nicht mehr zwischen lebendigem Posting und totem Posten unterscheiden können. Kein Problem, sondern Chance: Wir könnten uns aus den Sozialen Medien zurückziehen, ohne dass dort die Kommunikation erstirbt.