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Digitale Verunsicherung: Von digitaler Verunsicherung, die erst beginnt

Digitale Verunsicherung : Von digitaler Verunsicherung, die erst beginnt

Neuland. Die Digitale Welt birgt ein Universum, in dem unsere Erfahrungen nicht mehr gelten: Freundschaft knüpfen, ohne zu wissen, ob es den Kontaktpartner tatsächlich gibt, Nachrichten lesen in dem Augenblick, in dem eine Katastrophe passiert, Umwälzungen beeinflussen, ohne je in der Nähe der Betroffenen gewesen zu sein.



Im Internet bewegen wir uns nicht in Raum und Zeit, sondern wir gehen vor und zurück, nach oben und unten, überspringen Kontinente und Zeiträume. Alles ist relativ und der Mensch nicht mehr der Mittelpunkt. Maschinen kommunizieren mit Maschinen und Personen ersticken in Kommunikationsblasen. Das löst Konfusion aus im Selbstbild und löst die Ordnung der Dinge auf im Netzwerk der Beliebigkeiten. Zwischen dem Internet of Things und den Social Communities werden wir zu lenkbaren Datenströmen.

Wir sind in einer Welt gefangen, die keine Grenzen hat zwischen Information und Reklame, Wahrheit und Lüge, Sehnsucht und Gier. Wir sind gefangen, obwohl es uns freisteht, die Welt zu verlassen, die Freundschaftsanfrage des unbekannten Absenders zu ignorieren, den Anruf abzuweisen, das Smartphone wegzulegen, den Spion im Wohnzimmer auszuschalten.

„Einen Moment noch“, sagen wir, bequem und müde: eine Suchanfrage noch bei Google, eine Sympathiebekundung noch bei Facebook, eine Information noch bei Wikipedia, ein Video noch bei Youtube. Längst gefangen in den Maschen des unendlichen Netzes, halten wir die Luft an bei der Suche nach Erfüllung im lustleeren Raum. Wir transferieren Finanzen, die nur als Daten existieren, diskutieren mit Kontakten, die nur Namen sind, folgen Pfaden, die nirgendwohin führen, außer weg von uns. Die Weichheit der Software liquidiert die innere Hardwehr. Was handfest war, ist nur mehr handgreiflich, und was handgreiflich war, wird zum leeren Schlagabtausch.

Noch ist es Terra incognita, vieles uns fremd und die Handhabung unvertraut. Doch trotz aller Ängste, die uns beim Betreten des schwankenden Bodens ergreift, sollten wir nicht vergessen, dass das Beschreiten neuen Terrains oft auch das Entdecken unbekannter Schätze und Chancen beinhaltet. Es liegt also an uns, mit welcher Sorgfalt wir die neue Welt behandeln, welchen Nutzen wir aus ihrem Ökosystem ziehen, was wir finden abseits alter Pfade.