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Fakten & Fälschungen: Mysterium ARD: Wie heißt der Chefsprecher der „Tagesschau“ eigentlich wirklich?

Fakten & Fälschungen : Mysterium ARD: Wie heißt der Chefsprecher der „Tagesschau“ eigentlich wirklich?

Neuland. Als der Leiter der sachsen-anhaltinischen Staatskanzlei, Rainer Robra (CDU), in dieser Woche die Debatte um Umfang, Struktur und Kosten des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit dem Vorschlag bereicherte, die Landesrundfunkanstalten auf ihre Regional-Aufgaben zu reduzieren und die „Tagesschau“ abzuschaffen, war bei der ARD Stimmung in der Bude.

„Tagesschau“-Chef Kai Gniffke erklärte: „Wenn man die Tagesschau für überflüssig erklärt und zur Disposition stellt — sei es im Internet oder im Fernsehen — dann wird dieses Lagerfeuer erloschen sein und es wird sich nicht wieder entzünden lassen.“ Kai Gniffke meinte das als Warnung, nicht als Versprechen.

Schade eigentlich. An der „Tagesschau“ haben sich schon viele abgearbeitet. Es gibt hasserfüllte Pamphlete an der Grenze zum Schwachsinn („Die Macht um acht: Der Faktor Tagesschau“, PapyRossa Verlag, 13,90 Euro) und witzige Analysen, wie das inzwischen leider vergriffene Buch von Walter van Rossum (2007) „Die Tagesshow: Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht“. Langjährige „Tageschau“-Zuschauer haben sich angewöhnt, aus Gaga-Bildern zu erschließen, worum es gehen könnte: Börsensaal Frankfurt = Finanzen, vorfahrende Limousinen = Innenpolitik, Korrespondent vor nächtlicher Stadt-Kulisse = Außenpolitik; und so weiter.

Als unsere Zeitung kürzlich wissen wollte, nach welchen Kriterien „Tagesschau“-Nachrichten ausgewählt und hergestellt werden, und ob es dazu irgendwo ein schriftliches Regelwerk gebe, an dem man die angeblich so hohen qualitativen Standards überprüfen könne, lautete nach eisernem Schweigen im ARD-Wald (Programmdirektor Volker Herres, Sprecher Steffen Grimberg) die Antwort von „Tagesschau“-Chef Gniffke: „Ein verbindliches Regelwerk, was eine Tagesschau-Nachricht ausmacht, gibt es (…) nicht." Da wundert es kaum, dass bis heute nicht einmal wirklich geklärt ist, ob der „Tagesschau“-Chefsprecher nun Jan Hofer oder doch Johannes Neuenhofer heißt, und ob er 1950 oder 1952 oder wann sonst in Wesel-Büderich geboren wurde. Nein, das ist kein Witz, selbst bei Wikipedia ist es trotz Hofers/Neuenhofers Löschbemühungen weiter nachlesbar.

Zusammengefasst: In der meistgesehensten Nachrichtensendung Deutschlands liest ein Mann mit ungeklärter Identität Meldungen vor, die laut seines Chefs ohne verbindliches Regelwerk ausgewählt und erstellt werden. Aber das zum Preis von 1820 Euro pro Minute (siehe goo.gl/49Bgfb).