Seebrücke lässt Flüchtlinge zu Wort kommen

Seebrücke lässt Flüchtlinge zu Wort kommen

Initiative will gegen die „Sehnot“ in der Gesellschaft ankämpfen.

Sofya lebt seit fünf Jahren in Krefeld. Doch bevor sie hier ankam, hat sie einiges durchmachen und überstehen müssen. Mit Tränen in den Augen berichtet die Geflüchtete von ihren Erlebnissen. Bei der Abendveranstaltung der Aktion Seebrücke trifft sie auf aufmerksame Zuhörer.

Als Kind verließ sie erstmals ein Land, den Sudan, um mit ihrer Familie in das damals noch sichere Lybien zu ziehen. Auf ihrer Reise aus Lybien nach Deutschland musste sie zweimal ins Gefängnis und kam auch nur unfreiwillig auf das Schiff, das sie nach Malta brachte. Alles kam so abrupt, dass sie mit ihrem gerade wenige Monate alten Sohn Emanuel und noch in Hausschuhen die beschwerliche Reise antrat.

Ein Dokumentationsfilm zeigt die Flucht einer Frau aus dem Sudan

Sofya hatte „Angst vor dem Mittelmeer. Oben alles blau, unten alles blau. Ich wusste überhaupt nicht wo ich bin und was ich machen sollte.“ Dieses Gefühl der Ungewissheit begleitet sie noch heute. Sie hat dieselbe Route genommen, wie nach ihr die Afrikanerin Souraya Leila Issaka. Der Dokumentationsfilm über ihre Geschichte, diente als Einstieg in die Abendveranstaltung der Aktion Seebrücke.

Wie viele andere, die ihre Lage teilen, besitzt Sofya auch nach ihrer Flucht keinerlei Wahlmöglichkeiten. Beruflich hat sie nur die Befugnis zum Babysitten und Putzen. Geflüchtete sind in Deutschland zwar sicher und beschützt vor Krieg und Zerstörung. Sie können sich aber weder einen Job aussuchen, noch so einfach mit ihren Familien zusammenleben.

Zumindest Sofya hat es geschafft: Ihr Sohn Emanuel geht heute in Krefeld zur Schule und ist Mitglied einer Fußballmannschaft. Zusammen mit seinen mittlerweile drei Geschwistern und dem Vater lebt die Familie nun in Deutschland. Ob der Familienvater jedoch dauerhaft in Deutschland bleiben kann, ist immer noch unklar.

„Wir sprechen nicht nur über Flüchtlinge, sondern – das ist das Schöne – mit Ihnen.“ Für die Gründungsmitglieder der „Aktion Seebrücke“, Elisabeth Völlings (65) und Georg Meurer (58), ist die Veranstaltung eine der wenigen Gelegenheiten, auf die „Sehnot“ in der Gesellschaft hinzuweisen.

Bei ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung vor über einem Jahr auf dem Theaterplatz kamen 250 Menschen, um sich auszutauschen und Position zu beziehen. An diesem Abend sind es knapp 60 Teilnehmer. „Man will nicht nur zuschauen, sondern anpacken und etwas tun“, so Völlings.

Auch Martina Kuschel, ebenfalls Mitglied der Aktion, unterstützt diese These: „Wir können eine Seebrücke bilden und dadurch die Ohnmacht etwas nehmen.“ Denn die Ohnmacht scheint, so wird argumentiert, der Hauptgrund für das Wegschauen zu sein. Das Problem jedoch ist laut Kuschel, dass „diese Ohnmacht politisch gewollt ist.“

Dass die Angst und das Misstrauen gegenüber den Geflüchteten und ihren fremden Kulturen weitgehend unberechtigt ist, wollte die Seebrücke durch die musikalische Begleitung des Abends belegen. Eine Band musizierte vor allem mit afrikanischen Trommeln. Ein arabisches Stück aus dem Libanon warb musikalisch dafür, was den Europäern entgehen würde, wenn sie vor anderen Einflüssen Augen und Ohren verschließen würden.