Stress: Handeln bevor es ernst wird

Stress: Handeln bevor es ernst wird

Wie erkenne ich Stresssymptome? Wie kann ich sie vermeiden? Trainer Markus Kissel beantwortet WZ-Abonnenten in exklusiven Kursen diese Fragen.

Duisburg. Egal ob im Job oder privat — Stress belastet Körper und Seele. Bevor die Belastung zur Krankheit wird, sollte unbedingt die Reißleine gezogen werden. Aber wie? Markus Kissel (Foto: privat) weiß es. In seinen Anti-Stress-Seminaren lernen die Teilnehmer, wie sie Symptome erkennen und die Auslöser vermeiden. Die WZ hat mit dem 41-Jährigen gesprochen.

Herr Kissel, was sind typische Stresssymptome?

Markus Kissel: Schlafstörungen, nicht abschalten können und Unruhe sind Anzeichen von zu viel Stress. Es können auch körperliche Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen sowie Verspannungen und Tinnitus hinzukommen.

Ist denn jeder, der solche Probleme hat, gleich gefährdet?

Kissel: Richtig schlimm wird es, wenn Antriebslosigkeit hinzukommt. Dann ist es schon ein Burnout und sollte stationär behandelt werden. Also ist es wichtig, vorher zu lernen, wie man seine Stressfaktoren erkennt und vermeidet.

Also geht es bei Ihren Seminaren um Prävention?

Kissel: Ja. Ich versuche, die Teilnehmer für die Warnsignale zu sensibilisieren. Besonders, weil es oft so ist, dass man sich den Stress selbst macht.

Sie geben die Seminare seit Mitte der 90er Jahre. Sind die Leute heute gestresster?

Kissel: Ja, das habe ich schon beobachtet. Durch die ständige Erreichbarkeit und einer Flut an Emails, die jeder bewältigen muss, steigt der Stresspegel. Vieles kann aus Zeitmangel nur oberflächlich bearbeitet werden. Dann kommt die Angst, etwas Wichtiges zu übersehen, etwas falsch zu machen. Auch das ist Stress. Gleichzeitig erwarten viele Firmen von ihren Mitarbeitern, dass sie rund um die Uhr erreichbar sind.

Wie kann man das vermeiden?

Kissel: Man muss einfach lernen, „Nein“ zu sagen, sich abgrenzen. Ich habe bei vielen Arbeitgebern die Erfahrung gemacht, dass sie mit Verständnis reagieren, wenn ihnen die Grenzen des Arbeitnehmers klar gemacht werden.

Wer nimmt an Ihren Seminaren teil?

Kissel: Bei mir ist vom Manager bis zur Bäuerin schon alles dabei gewesen. Auch Rentner haben teilgenommen. Denn es geht ja nicht nur um Stress im Job. Die Pflege eines Angehörigen kann beispielsweise eine enorme Belastung sein.

Was ist das Ziel des Seminars?

Kissel: Zu lernen, Stresssituationen zu erkennen. Oft folgt das einem Muster, das schon in der Kindheit vorhanden ist. Viele haben zum Beispiel als Kind von den Eltern Geld für gute Noten bekommen. Für eine Eins gab es dann fünf Mark, für eine Zwei zwei Mark und für eine Drei 50 Pfennig. Diese Kinder haben schnell gelernt, dass sie immer 150 Prozent geben müssen. Diese setzen sich im Job oft unter großen Druck. Wer sein Muster erkannt hat, kann dagegen wirken. Der negative Stress muss immer durch positiven ausgeglichen werden. Ist das nicht der Fall, sieht man irgendwann kein Licht mehr.

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