Omas Möbel müssen raus: Was Urlauber von einem Ferienhaus erwarten

Omas Möbel müssen raus : Was Urlauber von einem Ferienhaus erwarten

Geändertes Urlaubsverhalten und neue Anbieter setzen die Ferienhausbranche unter Druck. Vielerorts finde bereits ein Umdenken statt.

Erwartet würden etwa flexible Reisezeiten und die Möglichkeit zu kürzeren Aufenthalten, sagte Aye Helsig, Vorsitzender des Deutschen Ferienhausverbands (DFV). Noch immer sei es weit verbreitet, dass Ferienwohnungen von Samstag bis Samstag gebucht werden müssten.

Der Deutsche Tourismusverband betont: „Im Inland sind Ferienwohnungen und -häuser für Reisen ab fünf Tagen die beliebteste Unterkunftsform.“ Allerdings sind die Ansprüche stark gestiegen. „Heutzutage ist es so, dass die Urlauber genauso gut leben wollen wie zu Hause, tendenziell ein Stück besser“, sagte Helsig.

Das sieht auch Branchenexpertin Claudia Gilles, bis vor kurzem Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes, so. „Der Trend geht zu besser ausgestatteten und professionell vermarkteten Wohnungen. Die Eigentümer investieren, um Kunden zu bekommen.“

Die Branche setzt vor allem auf jüngere Vermieter. „Die professionalisieren das Segment“, sagte Helsig mit Blick etwa auf Online-Buchungen und schnelle Kommunikation. „Jüngere sind bereit, sich von Omas Möbeln zu trennen, zu Renovierungen in Bad und Küche, um ein qualitativ hochwertiges Objekt zu haben, das im Wettbewerb bestehen kann.“

Und das ist wichtig, denn die Konkurrenz ist hoch. „Durch das Internet sind die Angebote vergleichbarer geworden“, sagte Gilles. Vermieter müssten immer ansprechbar sein, da heutzutage schnelle Antworten erwartet würden. Und vor allem jüngere Menschen haben ihr Reiseverhalten geändert, fahren auch dank günstiger Flugverbindungen nicht jedes Jahr an denselben Ort.

„Stammgäste nehmen ab. Das Reiseverhalten ist volatiler geworden“, sagte Gilles. Und Ursula Kriegl vom Beratungsunternehmen EY betont: „In der Elterngeneration war es noch chic, Jahr für Jahr in dieselbe Bleibe zu fahren. Das halten die Menschen aber heute nicht mehr für erstrebenswert.“

Das kann sich auch auf den Markt mit Ferienimmobilien auswirken, meint die Branchenexpertin. „Der Drang zum Erwerb geht zurück, weil mehr Abwechslung und Reiseerlebnis gesucht wird.“ Die Immobilien seien „ein teures Vergnügen“.

Aus der Branche heißt es, dass die Bedeutung als Anlageobjekt zunimmt. „Diente das Häuschen an der Nordsee oder das Apartment an der Algarve vor einigen Jahren hauptsächlich noch als persönlicher Rückzugsort und Altersruhesitz, so wird das Feriendomizil in Zeiten von Minizinsen zum Investitionsliebling“, teilten die Online-Plattform fewo-direkt.de und der Wohnungsvermittler Engel&Völkers anlässlich ihrer „Marktstudie private Ferienimmobilien 2019“ mit. Habe vor fünf Jahren knapp die Hälfte der Befragten ihre Immobilie gleich nach dem Kauf vermietet, so waren es 2018 im Inland mehr als 80 Prozent.

DFV-Branchenumfrage

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