Steilküste im Herbst: Der Klützer Winkel

Steilküste im Herbst: Der Klützer Winkel

Klütz (dpa/tmn) - Der Klützer Winkel ist ein verträumter Landstrich westlich von Wismar. Vor allem Gäste, die ländliche Idylle lieben, aber zwischendurch auch gerne mal etwas Stadt erleben möchten, fühlen sich hier wohl.

Autobahn 20 von Hamburg nach Berlin, Ausfahrt Schönberg. Über Landstraßen geht es nun geruhsam voran. Alleebäume im Herbstgelb, kleine Orte, abgeerntete Felder. Dann taucht die sonnenbeschienene Marienkirche auf. Der Turm des Gotteshauses überragt die gesamte Gegend, die ihren Namen dem Städtchen Klütz verdankt. Auf einem Hügel über dem Ort thront die historische Windmühle, in der heute ein Restaurant mit weitem Blick über den Klützer Winkel zu Hause ist.

Der erste Ausflug führt Richtung Steilküste. Ein Pärchen hat es sich in der Nachmittagssonne auf einem Findling bequem gemacht. Vater und Sohn lassen einen Drachen steigen. Ein paar Minuten weiter mit dem Rad ist man im Seebad Boltenhagen. Die Cafés dort sind voll, auf der Seebrücke Gedränge.

Ganz anders am nächsten Morgen auf den kleinen Straßen im Hinterland. Von Klütz geht es über Arpshagen nach Goldbeck und Kühlenstein. Pferde grasen auf weiten Wiesen. An den Straßenrändern uralte Kopfweiden. Nicht weit vom ökologisch bewirtschafteten Gut Brook geht es an den Strand. Richtung Westen erstreckt sich einer der schönsten Küstenabschnitte Mecklenburgs. Kleine Bäche münden hier in die Ostsee, dazwischen riesige Findlinge. Auf den Sandbänken hocken Möwen und Enten. Am Himmel kreist ein Seeadler.

Am nächsten Tag dauert es mit dem Auto rund 30 Minuten bis Wismar. Das historische Zentrum wurde 2002 in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen. Auf dem Marktplatz richten sich die Fotoapparate auf das Rathaus - und auf den Alten Schweden, ein um 1380 erbautes Backsteinhaus, das als ältestes Gebäude Wismars gilt. Beeindruckend sind auch die Backsteinkirchen wie St. Nikolai und St. Georgen.

Wismar vorgelagert ist die Insel Poel. Alle Straßen dort führen durch Kirchdorf. Viele Tagesausflügler nutzen die Nachmittagssonne im Seebad Timmendorf für einen Strandaufenthalt. Wer die Küste entlang wandert, hat den Strand bald für sich allein - kilometerweit.

Ähnlich ist es auf der Landspitze Hohe Wieschendorf Huk zwischen Klütz und Wismar. Ein kleiner Weg führt oberhalb des Strandes um die Landspitze herum. Es gibt Abschnitte mit Steilkünste, mehrere Aussichtspunkte und jede Menge Sanddorn: Die Beeren leuchten überall tieforange in der Sonne. Im nahen Wohlenberg weist ein Schild auf den „Sanddorn-Hofladen“ hin. Dort verkauft Bärbel Pagels alles, was sich aus Sanddorn herstellen lässt: Saft, Wein, Marmelade oder Gelee.

Außer Natur hat der Klützer Winkel reichlich Schlösser und Gutshäuser zu bieten. Die imposanteste Anlage ist nur von außen zu besichtigen: Schloss Bothmer vor den Toren von Klütz. Das Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Ensemble gilt als größte barocke Schlossanlage Mecklenburg-Vorpommerns.

Fast immer geöffnet ist das kleine Gartenhotel und Café „Landhaus Sophienhof“, das in der Klützer Ortsmitte liegt. Es wird für seine selbstgemachten Torten gerühmt. Ein Angebot ganz anderer Art macht das „Literaturhaus Uwe Johnson“ in der Nähe des Klützer Marktplatzes. In dem früheren Getreidespeicher aus dem 19. Jahrhundert hat der Schriftsteller zwar nie gelebt. Für Johnson (1934 - 1984) soll Klütz aber Vorbild gewesen sein für den fiktiven Ort Jerichow im Roman „Jahrestage“. Wer das Buch liest und Klütz sieht, glaubt es gerne.

Mehr von Westdeutsche Zeitung