Wien: Duftwolken wehen im Walzertakt

Wien: Duftwolken wehen im Walzertakt

Wien im Adventszauber: Eine Metropole für alle Sinne.

Düsseldorf. Sanft wehen unsichtbare Duftwolken im Dreivierteltakt über Wien: Aromatisches von frischem Gebäck, gegrillten Maronen und heißem Punsch.

Ein dick vermummtes Bläserensemble am Michaelerplatz freut sich auf "White Christmas", ein Männerchor auf der prachtvoll geschmückten Kärntner Straße verjazzt eine altbekannte Melodie: "Wien, Wien, nur Du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein." Traditionen, schwungvoll verpackt. Das ist Wien im Adventszauber 2009.

Weihnachtsträume werden wahr, wenn Touristen und Einheimische jetzt durch die festlich beleuchteten Fußgängerzonen spazieren - angelockt vom Glanz der überdimensionalen Kronleuchter über der Prachtstraße Graben und von den mit Tannenzweigen geschmückten Fiakern auf dem Heldenplatz.

"In diesem Jahr laden 23 Weihnachtsmärkte zum Bummel ein", sagt Doris Trinker, Medienmanagerin bei Wien-Tourismus. Das Angebot der mehr als 1000 Holzbüdchen reicht von traditionellem Christbaumschmuck über Tiroler Krippenfiguren bis zu würzigem Kernöl aus der Steiermark.

Der Markt vor dem Rathaus ist mit 145 Ständen der größte. Hunderte "Herzerl" lassen die Baumkronen rot schimmern. Verblüffende Lichterbogen ziehen vor allem in der Dämmerung die Menschen magisch an. Und über allem erhebt sich der im neugotischen Stil vor 120 Jahren errichtete Bau der Stadtregierung, direkt gegenüber dem prachtvollen Burgtheater.

Eine etwas andere Atmosphäre erleben Besucher am Spittelberg, dem stilecht sanierten Biedermeierviertel nahe der Mariahilfer Straße. In den engen Gassen herrscht romantische Stimmung, auch geprägt vom leicht morbiden Wiener Charme. An den "Standeln" gibt es Kunsthandwerk aus aller Welt: Holzschnitzkunst aus Bethlehem, Keramik aus Tunesien, handgefertigten Silberschmuck aus Spanien. Am Spittelberg im 7.Bezirk trifft Vergnügen auf Kultur, nicht nur zur Weihnachtszeit. Das Leben findet auf der Straße statt, nicht nur zur Sommerzeit.

Wer nach seinen Einkäufen und einem netten Plausch beim Punsch einkehren möchte, hier zwei Empfehlungen:

Das jüngste Haubenlokal Wiens heißt "1070". Spezialität: Running Cooking. Es gibt keine Speisekarte. Die Wirtin plaudert ein wenig mit ihren Gästen, versucht, deren Geschmack herauszufinden. Und Koch Patrick zaubert in seinem winzigen Reich die herrlichsten kleinen Kreationen.

Rustikal geht es im brodelnden "Plutzer Bräu" zu. Lecker, das Fiakergulasch für 9,90Euro - natürlich mit Serviettenknödel, Würstel und Spiegelei. Und dazu noch einen halben Liter bernsteinfarbenes Weihnachts-Bockbier - wohlsein!

Für modernere Adventsbummler gibt es den trendigen "Winter im Museumsquartier". DJs legen Hits auf, Barkeeper servieren coole Drinks. Verkauft werden internationale Design-Artikel und ausgefallene Delikatessen wie Elchsuppe in Dosen.

Die meisten Besucher aber suchen, was "typisch altwienerisch" ist. Wie der kleine, feine Christkindlmarkt auf der Freyung und der Adventsmarkt Am Hof - wo der Wiener Waldhornverein musiziert und für die Kleinen noch der Kasperl kommt.

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