Kreuzfahrt Von Piräus zu den Inseln

An Bord der MS Europa 2 eine Woche lang die Ägäis genießen.

Kreuzfahrt: Von Piräus zu den Inseln
Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten/Christian Wyrwa

Steht die Akropolis noch? Natürlich steht die Akropolis noch, die 400 vor Christus erbaute Stadtfestung 156 Meter über Athen. Doch ein Baugerüst versperrt den Blick auf die kunstvollen Säulen. „Das ist schon ewig dort“, verrät Cristina, eine junge Athenerin, die unterhalb der Akropolis auf einem Flohmarkt im lebendigen Stadtteil Psiri Lampen verkauft. Wie Trauben sehen ihre glasgeblasenen Werke aus, ein typisches Souvenir aus Griechenland.

Kreuzfahrt: Von Piräus zu den Inseln
Foto: dpa/Tobias Schormann

Es sind genug Urlauber da, die sich Christinas Traubenlampen und Keramikteller anschauen. Doch neben ihr, an den Häuserfassaden der Innenstadt, bröckelt der Putz, einige Schaufenster sind mit Brettern vernagelt: Die Zeichen des Zerfalls und wachsender Armut sind unübersehbar, selbst im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Das Dauer-Gerüst vor der Akropolis: Fast kommt es Besuchern vor wie ein Symbol für das Flickwerk und die Reparaturanstrengungen des griechischen Staates, die keine Ende nehmen wollen und doch bisher zu so wenig geführt haben.

Von Piräus, dem sagenumwobenen Hafen, den die vor 20 Jahren gestorbene Melina Mercouri so gefühlvoll wie keine andere besang, sticht ein deutscher Luxus-Liner in diesem Jahr zu den wohl schönsten Mittelmeer-Kreuzfahrten in See: in die weiß-blaue Inselwelt der griechischen Ägäis. Doch so mancher Urlauber, der vor der Abfahrt durch Athen schlendert, fragt sich: Ist es richtig, hier Urlaub zu machen? Und wem nützt es? „Auf jeden Fall freuen wir uns über jeden Touristen“, versichert Cristina, die Lampenverkäuferin. Jorgos, ein Tavernen-Besitzer auf Kreta, stimmt ihr zu: „Was ich mit meinen eigenen Händen verdiene, kann mir niemand nehmen.“

Blau glitzert das Meer, weiß gekälkte Häuser verteilen sich wie Muscheln im Sand auf einem Hügel zwischen grünen Zypressen. Liebevoll restauriert säumen zweigeschossige Häuser den kleinen Hafen von Nauplia. Wie Goliath in eine Zwergenwelt schiebt sich die schmucke MS Europa 2 elegant wie eine griechische Göttin an den Kai. Das Schiff ist mit Extra-Stabilisatoren ausgestattet, die es praktisch vibrationslos machen.

Noch bevor sie von Bord gegangen sind, hören die Passagiere das Klirren der Gläser und angeregte Unterhaltungen aus den Tavernen.

Auf einer Reise mit der MS Europa 2 durch die Ägäis machen der lässige Luxus des Schiffs und die pittoreske Schönheit der nahen Inseln den Trip zu etwas ganz Besonderem. Gerade wieder zum besten Schiff der Welt gewählt, setzt der legere Dampfer mit maximal 500 Passagieren und 28 bis 99 Quadratmeter großen Suiten in Fliedertönen, sowie mit erstklassigen französischen, italienischen und japanischen Restaurants neue Maßstäbe. „Wahrer Luxus auf See ist Platz und Raum“, sagen Kenner: Die MS Europa ist das Schiff mit den meisten Quadratmetern pro Passagier weltweit. So mancher ablehnende Ehepartner, so hört man, sei mit dem Argument „Platzwunder“ schon zum Mitfahren bewegt worden.

Und während der Vorläufer, die erste MS Europa 2, als Luxus-Klassiker gilt, geht es auf der Nachfolgerin lockerer zu. In der Ägäis schippert man auf nautischen Spuren der Antike, quasi im Geburtsland der Seefahrt zwischen Mesopotamien und Mittelmeer.

Um 3500 vor Christus orientierten sich die Seefahrer allein an markanten Küstenpunkten, erst viel später wurde der Kompass erfunden. Doch die Ruinen der minoischen Stadt Goúrnia auf Kreta, damals wahrscheinlich noch schmucke Häuser, hätte der Seemann auch ohne Kompass gesehen; beim Kreta-Inselstopp heute sind sie über der Bucht von Mirabéllo zu besichtigen. Sportliche können gar selbst per Kajak zu einer kleinen Insel namens Spinalonga paddeln. So wird das Meer fühlbar und der Kreuzfahrtpassagier wieder zum Seebär.

Das nächste Ziel in der südlichen Ägäis ist Rhodos, Götter-Insel mit klangvollem Namen, mit türkischen Moscheen und Ritterburgen, immer noch eine Perle. Nirgendwo ist Griechenland italienischer, doch die Einheimischen sprechen nicht gern davon, denn das italienische Erbe stammt aus der unrühmlichen Zeit der Mussolini-Besetzung, gefolgt von noch schlimmeren deutschen Truppen.

Um die zum Weltkulturerbe erklärte Altstadt zieht sich eine kilometerlange Stadtmauer mit grünen Palmenanlagen, auf Rhodos wurde 1949 die Staatsgründung Israels besiegelt, noch ein Mosaikstein in der bewegten Inselgeschichte. Auch dafür ist eine Kreuzfahrt durch die griechische Inselwelt gut: Nach Rhodos, so merkt sich der Passagier, wird er gern noch mal zurückkommen.

Doch erst einmal geht es wieder an Bord: 20 000 Flaschen exquisiten Wein hat die MS Europa 2 unter Deck, da will kein Dinner verpasst werden. Die Verpflegung ist all-inclusive, nur für die Weine wird extra bezahlt; Innenkabinen gibt es übrigens nicht. Und wenn die Sonne hinter Rhodos, der Roseninsel, versinkt und der Gast auf der privaten Veranda vor seiner Suite sitzt, lässt er eine Woche hellenische Eindrücke Revue passieren.

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