Teneriffa: Am Pool mit AC/DC

Teneriffa : Teneriffa: Am Pool mit AC/DC

Im Flugzeug ist es mindestens genauso kalt wie in draußen, zum Glück bin ich dick angezogen. Dann die Landung auf Teneriffa. Es ist heiß. 70 Minuten warte ich auf meinen Koffer. Jacke und Pullover schleppe ich auf dem Arm mit, der Schweiß läuft unter dem Rucksack den Rücken runter.

Als ich mein Gepäck endlich vom Band hebe, muss ich eine lange Rolltreppe hoch zum Treffpunkt. Ein Chauffeur wartet auf mich und fragt erstaunt, was so lange gedauert habe. Wenigstens hat er eine kühle Flasche Wasser im Auto, denn zum Hotel sind es nochmal ungefähr 40 Minuten Fahrt. Ich bin genervt und habe nur noch einen Gedanken: Nach einem super schnellen Check-in sofort duschen und essen.

Der Geländewagen setzt mich vor einem beeindruckenden Hotelportal ab: Die Fassade aus gold-glänzenden Steinen, dahinter eine Lobby ganz in Weiß mit goldenen und beigefarbenen Elementen. Die große Glastür öffnet sich: „Is this the real life? Is this just fantasy?“ Ich gehe ein paar Schritte Richtung Rezeption, bleibe stehen: „Mamaaaa, just killed a man…“ – perfekter Sound. Er scheint von überall her zu kommen, erfüllt die riesige Halle mit dem besten Klang, den ich je von Queen gehört habe. Gänsehaut. Ich bin mitten drin, drehe mich staunend um. Auf einem hölzernen Podest steht ein knallblaues Klavier, illuminierte Schaukästen präsentieren aufwendige Kostüme großer Stars. „Mamaaa uuhuuuhuu“, singe ich mit – wie alle Gäste in diesem Moment.

Ein Sound, der sofort
für Gänsehaut sorgt

Innerhalb einer Sekunde ist die Anreise vergessen, der Alltag, der Stress. Am liebsten bliebe ich genau hier stehen, in dem Foyer mit glänzendem Marmorboden und den gut gelaunten Leuten. „Die Musik reißt jeden mit“, sagt mir die Mitarbeiterin, die geduldig auf das Ende von Bohemian Rhapsody wartet, um mich einzuchecken. Der nächste Song, während sie mir den Schlüssel gibt, singt sie mit: „You give love a bad name“. Im Takt zu einem der wohl rockigsten Songs von Bon Jovi  tanze ich Richtung Nirvana-Tower, einem von zwei Hoteltürmen des Hard Rock Hotels Tenerife an der Costa Adeje. Ein Konzept, das völlig entstresst, jeden ergreift und somit perfekt funktioniert.

Rund ums Hotel führen Promenaden an der Küste entlang. Steil ist sie und vulkanisch. Der Atlantik bricht sich tosend an den Klippen, Angler stehen weit vorn auf großen Steinen in der Brandung. Spaziergänger und Jogger sind auf der asphaltierten Strecke unterwegs, hin und wieder führen Trampelpfade runter ans Ufer. Sandstrand sucht der Urlauber direkt am Hotel vergebens, doch für lange Wanderungen in der Sonne gibt es genug Möglichkeiten.

Ein Hotel für
rockigen Lifestyle

Wer einen kurzen Urlaub ins Hard Rock Hotel bucht, sucht sein Reiseerlebnis wahrscheinlich sowieso nicht am Strand oder bei Ausflügen über die Insel. Wer diese Unterkunft auswählt, sucht etwas ganz anderes: Rockmusik und stylisches Ambiente.

Die Zimmer sind in Schwarz, Rot, Weiß und ein bisschen Gold gehalten. Die Waschbecken sind in einer Art Regal eingelassen, das als Raumteiler zwischen Bett und Dusche fungiert. Modern, toll anzusehen, aber unpraktisch, weil man bereits beim Händewaschen alles rings um das Becken flutet. Dafür ist die technische Ausstattung perfekt: Gäste können sich ihr eigenes Musikprogramm fürs Zimmer zusammenstellen lassen. Das geht auch ganz retro: Mit Plattenspieler und einer Auswahl an LPs.

Pools, verschiedene Restaurants, Spa und Gym, in den Gängen immer wieder Sammlerstücke und Fotos berühmter Rockstars zum Betrachten – ein Fünf-Sterne-Hotel, das seinesgleichen sucht und mit diesem Konzept ein absolutes Alleinstellungsmerkmal besitzt. Es liegt an einer Bucht, doch wer baden will, bleibt an einem der drei Pools. Denn nur dort gibt es den unverwechselbaren Sound der 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Überall, ständig. Alle öffentlichen Orte des Hotels werden mit unterschiedlichen Playlisten beschallt: „You came and changed the way I feel“ – Kim Wilde bringt es auf den Punkt.

Harter Rock beim Frühstück,
Zombies am Buffett

Beim Frühstück sind am Buffet plötzlich alle „Zombies“, die Cranberries leben weiter. Am Nachbartisch sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Der Zehnjährige springt bei Van Halen „Jump“ jedes Mal mit seinem Toast vom Stuhl, die Eltern sehen sich mit einem verträumten „Weißt-du-noch“-Blick an. Ich schweife gedanklich ab in die 80er-Jahre, einem der vielseitigsten musikalischen Jahrzehnte überhaupt. „But I still, haven’t found, what I’m looking for“, U2 zum Träumen, 1987, ist das lange her.

Wer im Hard Rock Hotel wohnt, weiß, worauf er sich einlässt. Auch emotional. Denn für wen Musik wichtig ist, wer Erlebnisse mit Songs verknüpft, steigt in eine Achterbahn der Gefühle. Mit Tempo und Loopings, Erinnerungen und vor langer Zeit gefassten Lebensplänen. Die Beatles, die Stones, AC/DC und Madonna – die Gästeklientel ist zwar bunt gemischt, aber ins Herz trifft das Hotel eigentlich nur die über 40-Jährigen.

Monatlich findet auf der Bühne neben der Poolbar die „Children of the 80’s-Party“ statt. Bis Mitternacht rocken DJs und Liveacts unter freiem Himmel, ein Event, das jedes Mal tausende Besucher anzieht. Eine bunte Party, viele Besucher kommen kostümiert, kramen ihre 80er-Jahre-Outfits aus dem Schrank.

Um kurz vor Mitternacht ist Schluss, um die Nachtruhe nicht zu stören, stilecht verabschiedet sich die Crew mit John Miles „Music was my first love“.

Ich schlendere noch einmal in die Lobby. Nur, um zu hören, was gerade gespielt wird. The Boss singt „Dancing in the dark“, dann begleiten mich die Eurythmics mit  „Sweet dreams“ zum Zimmer. Check-out am nächsten Tag. „Here I go again“, danke, Whitesnake, auf jeden Fall.

Die Autorin reiste mit Unterstützung des Hard Rock Hotels Tenerife.

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