Sri Lanka: Asiens vergessenes Paradies

Sri Lanka: Asiens vergessenes Paradies

Atemberaubende Landschaften und erschwingliche Luxussuiten locken auf die Insel am Indischen Ozean.

Düsseldorf. Manchmal muss man weit reisen, um sich zu Hause zu fühlen. Auf den Lagunen des Maduwa Flusses spürt man so einen Moment. Die Bootsfahrt geht vorbei an Kormoranen, Brüllaffen und den Bambusreusen der Garnelenfischer.

Auf einer kleinen Insel wohnt Babynona (74) mit ihrem Mann. Zwischen Büschen und einer kleinen Steinhütte sitzt die Frau auf dem Boden und reibt mit einem Messingrohr über einen Ast. Babynona lächelt und reicht ein Stück des Holzes. Es riecht stark, es ist ein Zimt-Ast und die Büsche ringsum sind eine Plantage. Und plötzlich duftet es im sri lankischen Dschungel nach deutscher Weihnacht.

An dieser Lagune bei Balapitiya ist die Bürgerkriegs-Vergangenheit weit weg und der Tsunami nie gewesen. Doch auch dort sind Touristen selten geworden. "Meine Kollegen sind längst nach Thailand und auf die Malediven gegangen. Sie halten mich für verrückt, dass ich bleibe", sagt Lionel Nanyakkara. Er ist seit 26 Jahren Reiseleiter. Statt von Wochentouren lebt er mittlerweile von Tagesausflügen.

30 Jahre lang herrschte im Nordosten zwischen Singhalesen und Tamilen Bürgerkrieg. Im Mai wurde er nach heftigen Auseinandersetzungen von der singhalesischen Regierung für beendet erklärt. Dem Tourismus muss erst langsam wieder aufkeimen. 2008 kamen laut deutscher Botschaft in Colombo nur 36 000 Deutsche nach Sri Lanka. 2004 waren es noch 60 000. Lionel beruhigt: "Der Krieg ist vorbei."

Der Süden galt stets als sicher. Dort gibt es, was Sri Lanka vor drei Jahrzehnten zum Urlaubstraum vieler Deutscher gemacht hat: endlose Sandstrände, tiefer Dschungel und eine gewaltige Bergwelt mit tosenden Wasserfällen. Und man kann genießen, was Sri Lanka berühmt gemacht hat: Ayurveda.

Muthumuni Nihal Jayantha führt in Beruwela zwei Hotels, beide bieten - wie viele Resorts - Ayurveda-Kuren inklusive Yoga im Freien, Meditation und Massagen mit duftenden Ölen an. Seine überwiegend deutschen Gäste sind in der Regel Stammkunden. "Drei Wochen Sri Lanka und man kann den Rest des Jahres den deutschen Alltag bewältigen", sagt er in fließendem Deutsch. Seine Hotels sind in der Saison dank der treuen Gäste zu 60 Prozent belegt.

An der Küstenstraße nach Galle reiht sich ein Luxus-Resort ans nächste. Vor Ort gebucht, gibt es eine Fünf-Sterne-Suite mit Privatpool für 200 statt der im Prospekt verlangten 600 Dollar pro Nacht. An der Küste von Hikkaduwa gibt es für den Preis ganze Strandvillen.

Und hier sieht man auch die letzten verbliebenen Stelzenfischer, die den Tag lang auf Stöcken sitzen und im klaren Wasser kleine Fische jagen. Es waren die Fischerfamilien, die vom Tsunami besonders schwer getroffen wurden. Heute lebt kaum noch jemand vom Stelzenfischen.

In Kegalle lebt eine Filmdiva. Lakshmi ist 43 Jahre alt und hat in der Tarzan-Verfilmung von 1982 mitgespielt. Lakshmi ist ein alter Dickhäuter und ihr Zuhause ist eine Elefantenfarm. Urlauber können auf einem der fünf Elefanten reiten - ohne Sattel - und mit ihnen baden gehen. Letzteres ist offensichtlich Lakshmis Lieblingsbeschäftigung.

Die schwere Elefantendame legt sich ins Wasser und lässt sich mit rauer Kokosfaser abrubbeln. "Wollen Sie eine kleine Rüsseldusche?" fragt plötzlich Lakshmis Mahout, ihr Trainer. Und schon sitzt der Tourist auf dem breiten Rücken der Filmdiva, die taucht ihren Rüssel in den Fluss, hebt ihn hoch und lässt eine kräftige Rüsseldusche niederprasseln - herrlich.

Eine andere Station, eine andere Welt. Der Fischmarkt von Mirissa ist morgens um acht nichts für den schwachen Magen. Aber für Abenteurer, denn dort werden nicht nur Thunfische, Babyhaie und Barracudas auf dem nackten Steinboden feilgeboten.

Dort können Urlauber auch zur Wal-Safari aufbrechen. Mit etwas Glück gibt es nach etwa vier Stunden und mehreren Blauwal-Sichtungen sogar eine Delfin-Eskorte zurück zum Hafen.

Im Landesinneren locken die Tee-Plantagen des ehemaligen Ceylon - und Kandy, die letzte Königsstadt. Im heiligen Zahntempel, der nur barfuß und nach Sicherheitskontrollen betreten werden darf, soll Gauthama Buddhas Backenzahn aufbewahrt sein. Die Zeremonie ist gewaltig: Trommler spielen Mantras, Mönche reichen Jasminblüten als Opfergaben. Familien sitzen auf dem bemalten Steinboden, viele bringen ihre zahnenden Kinder hierher.

Zum Abschluss deutet Reiseleiter Lionel im Tempelgarten auf einen Frangipani-Baum. "Nimm einen kleinen Ast mit und pflanze ihn in Deutschland ein", sagt er. Man tut’s, aber spürt, dass er nur in Sri Lanka so prächtig erblühen kann. In Sri Lanka, dem fast vergessenen Paradies.

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