Rügen: Unter Wasser ist alles grün, aber dennoch faszinierend

Rügen: Unter Wasser ist alles grün, aber dennoch faszinierend

In der weltweit größten Tauchgondel können Besucher der Ostsee auf den Grund gehen.

Rügen. Fast unmerklich, Zentimeter für Zentimeter, versinkt die riesige gläserne Glocke im Wasser. Seit mittlerweile gut einem Jahr taucht das gewaltige Glas-Ei am Ende der Seebrücke im Ostseebad Sellin auf Rügen alle halbe Stunde in die grüne Tiefe ab. Die "Tauchgondel" ist ein öffentlicher Lift in die Unterwasserwelt, ein U-Boot am Stiel für exakt 30 Mitfahrer.

Eine spektakuläre Konstruktion und nach Angaben ihrer Erbauer das weltweit größte derartige Tauchgefährt. Eine kleinere Variante steht in Zinnowitz auf Usedom, eine dritte Glocke soll demnächst in Grömitz auf Tauchfahrt gehen. Die Idee ist stets die gleiche: Für acht Euro kann man da zwischen Kaffee und Kuchen auf der Seebrücke einen Tauchgang miterleben, ohne selbst nass zu werden.

Rund vier Meter geht es hinunter in Neptuns Reich. Und was sieht man dann von seinem Kinositz durch die sieben Zentimeter dicken, mannshohen Sicherheitsglasscheiben? Nun, natürlich ist dies kein Aquarium, aber im grünen Halbdunkel taucht doch so einiges auf. Dort blitzt ein Schwarm von blinkenden Signalfischchen. Da, war das nicht vielleicht sogar eine Flunder? Und auf jeden Fall ein paar Quallen.

Keine Angst, das sind keine Feuerquallen, die gibt es um Rügen gar nicht, dazu hat das Wasser in der Ostsee ab der Darßer Schwelle viel zu wenig Salz. Dies und mehr erfahren die Besucher vom Diplombiologen Volker Miske und Kollegen.

Launig-professionell rettet seine Moderation darüber hinweg, dass durch die Fenster nicht wirklich viel zu sehen ist. Kein Wunder bei gerade mal drei Metern Sicht unter Wasser. Bevor es vielleicht doch langweilig wird, gehen dann auch schon die Verdunkelungen herunter: Es folgt ein 3-D-Film über die Ostsee und ihre Bewohner - laut Miske der erste überhaupt über das größte Brackwassermeer der Welt.

Den könnte man natürlich genauso an Land zeigen, aber er allein ist das Eintrittsgeld wert. Täuschend echt schwimmt ein Aal direkt vor die Nase. Eine Kegelrobbe taucht so nah auf, dass man unwillkürlich zurückweicht. Seegraswiesen führen ihren Walzertanz im grünen Nass auf, ein Seestern geht auf Beutezug. Spätestens, wenn die gläserne Glocke wieder hochfährt, ist dann doch jeder gefangen von der Faszination Ostsee - auch wenn er das meiste gar nicht live erlebt hat.

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