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Pistenraupenfahrer: Arbeit im Scheinwerferlicht

Pistenraupenfahrer: Arbeit im Scheinwerferlicht

Ihr Arbeitsplatz ist ein wandernder Lichtkegel in der Dunkelheit: Wenn im Winter die Skilifte schließen, beginnt für die Pistenraupenfahrer die Schicht. Ein Blick hinter die Kulissen.

Trient. Die Dörfer der Dolomiten werben gerne damit, ihren Gästen mehr als 300 Sonnentage im Jahr bieten zu können. Unter diesen Voraussetzungen ist es schon ein wenig Pech, im dichten Schneetreiben auf dem Berg zu stehen. Vor allem aber ist es ein unheimliches Szenario, dass sich an diesem Abend vor der Hütte Salei auf 2225 Metern bietet. Der Schneegriesel peitscht ins Gesicht. Die Lampen vor der Hütte erhellen den Eingangsbereich, verlieren dann aber schnell die Kraft. Dahinter: Tiefes Schwarz. In das Pfeifen des Windes mischen sich langsam Motorengeräusche und das Quietschen von Fahrzeugketten. Und dann steht sie da, sie Raupe, die auf den passenden Namen „Beast“ hört: 12 Tonnen schwer, 9,50 Meter lang und samt Fräse 7,10 Meter breit. Eine Fahrmaschine der besonderen Art. Ihr Auftrag: Schneeschieben.

Im Führerhaus der Pistenraupe sitzt Ralf Brunel — und erzählt auf einer kleinen Ausfahrt von seinem Traumjob. Sein Arbeitsplatz ist ein wandernder Lichtkegel in der Dunkelheit. Wenn es, so wie heute, schneit, dann reicht die grelle Scheinwerferbatterie noch ein bisschen kürzer als sonst. So unwirtlich es draußen ist, so gemütlich ist es hinterm Steuer: Ein komfortabler Sitz, ein Cockpit voller elektronischer Helfer. Und dazu das beruhigende Gefühl, dass die breiten Ketten und der 500-PS-Diesel im Rücken dafür sorgen, dass dieses Gefährt so schnell nichts aufhalten kann. 12,5 Liter stehen in den technischen Daten - und zwar Hubraum, nicht Verbrauch.

Wenn die letzten Skifahrer in den Aprés-Ski-Bars oder Unterkünften verschwunden sind und die Sonne hinter den Gipfeln von Marmolada und Sellamassiv abgetaucht ist, dann beginnt für Brunel und seine Kollegen die Arbeit. 320 Schneekatzen reparieren und präparieren in der Skisaison Nacht für Nacht die 1200 Pistenkilometer im Gebiet von Dolomiti Superski. Wenn es kräftig schneit, verdichten sie den Schnee zu einem kompakten Untergrund. Doch auch bei gutem Wetter sind die stählernen Ungetüme täglich im Einsatz. Sie glätten die Buckel, vor allem aber schieben sie die Schneemassen wieder hoch auf den Berg, die die Urlauber mit den Kanten ihrer Ski bei jedem Schwung in Richtung Tal schubsen.

Eine Sisyphusarbeit. Aber Brunel wollte nie etwas anderes machen. „Schon mit drei Jahren habe ich das erste Mal auf einer Schneekatze gesessen“, erinnert sich der 35-Jährige. Heute ist er in der Saison fast jede Nacht unterwegs.

Sein Job erinnert auf den ersten Blick ein wenig an den eines Lkw-Fahrers. Mit dem reinen Fahren ist es aber nicht getan. Mit dem breiten Schild vorne bewegt Brunel den Schnee. Die Fräse im Heck glättet die Piste. Gesteuert wird alles über einen Hebel und viele Knöpfe in der Fahrerkabine. Klingt nach Männerjob? Ist es auch. „Soweit ich weiß, gibt es in Kanada eine Frau, die Pistenraupe fährt“, erzählt Brunel. Bei Dolomiti Superksi jedenfalls sind die Herren unter sich.

Im täglichen Einsatz für möglichst perfekte Pisten sind die Pistenraupenfahrer aber nicht die einzigen Beteiligten. Die Schneekanonen sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte fast genauso wichtig geworden, ihr Betrieb ist eine Wissenschaft für sich. „Es gibt zehn verschiedene Arten von Schnee, die an den Düsen der Schneekanonen eingestellt werden können“, erzählt Gerhard Vanzi, Marketingdirektor bei Dolomiti Superski. Eisiger Schnee, gröbere Flocken für den Untergrund, feines Pulver für die oberste Schicht, die die ersten Skifahrer am Morgen zur Seite schieben — die richtige Mischung macht es. „Durch gute Schneeprogrammierung sorgen wir dafür, dass die Pisten bis 16 Uhr halten.“

93% der Pisten in den Dolomiten sind technisch beschneit. Der garantierte Skigenuss hat seinen Preis: Die Schnee-Erzeugung macht bei Dolomiti Superski inzwischen 15 Prozent der Betriebskosten aus. Dabei ist Kunstschnee nichts als Wasser, das aus den Bergbächen in die mehr als 150 Wasserspeicher fließt und von dort auf die Pisten gepustet wird. „Natürlich gibt es klare Vorschriften, wie viel Wasser entnommen werden darf, um das Gleichgewicht nicht zu stören", sagt Vanzi. Mit Beginn des Tauwetters wird das Wasser dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt. Die Pistenraupen haben dann Pause, bis im kommenden Winter beim ersten Dauerfrost die Schneekanonen angeworfen werden. Ralf Brunel hat auch in der Zwischenzeit genug zu tun: Im Sommer ist er Baggerfahrer.