Österreich: Eiskalt - Iglu-Nacht und Harakiri-Piste

Österreich: Eiskalt - Iglu-Nacht und Harakiri-Piste

Wintersport in Mayrhofen/Tirol. Zwei ganz besondere „Kicks“ für abenteuerlustige Urlauber.

Düsseldorf. Die Sicht ist bestens auf dem Ahorn-Plateau. In 2000 Metern Höhe geht langsam die Sonne unter. Der blaue Himmel wird immer dunkler, und die Berge der Zillertaler Alpen scheinen klarere Umrisse zu bekommen, je später der Abend wird.

Die Pisten oberhalb des Dorfs Mayrhofen sind inzwischen leer. Die Skilifte haben den Dienst für den Tag eingestellt, die Pistenraupen präparieren mit lautem Brummen die zerpflügten Hänge. Nur ein paar Wintersportler sind noch oben auf dem Plateau geblieben - sie erwartet eine ganz spezielle Nacht: in einem Iglu.

Die gut drei Dutzend Gäste sind aufgeregt und gespannt, was sie bei ihrer ersten Nacht an dieser eiskalten Schlafstätte wohl erwartet. Erst einmal wird eingeheizt: mit Caipirinha und heißen Rhythmen, einem Abendessen im "Dining Iglu" und mit einem Gang in die Iglu-Sauna, die am Rand des Iglu-Dorfs "White Lounge" liegt.

Eine finnische Sauna und dazu ein Ruheraum mit Fußbodenheizung: Das verzückt den Snowboarder und seine Freundin aus Innsbruck ebenso wie die mutigen Touristen aus Düsseldorf. Vor dem Ausruhen haben alle einen Riesenspaß: Sie wälzen sich vor dem Eingang im Pulverschnee. Nach dem ausgiebigen Aufwärmen steht noch ein kurzer Gang in die Bergstation der Bahn an, dort gibt es eine Dusche, Toiletten und Waschbecken. Und dann wartet das Iglu.

Drinnen ist es so heimelig, wie es bei vier Grad plus überhaupt nur sein kann. Dicke, warme Schlafsäcke liegen auf den eisigen Podesten, darunter Schaffelle. Kerzen sorgen für Licht in den Unterkünften aus Schnee und Eis, die sogar Türen aus Holz haben. Ski-Kluft aus, Schlafanzug an und so viel Wärme wie möglich in den Schlafsack mitnehmen - die Nacht kann beginnen.

Die Eindrücke am Morgen sind gespalten: Die einen haben in der kalten Bergluft und der absoluten Ruhe so gut geschlafen wie noch nie. Anderen war es zu kalt, zu hart, zu ruhig - einfach zu anders als im heimischen Bett. Einigkeit herrscht darüber: Als Erste durch den in der Nacht frisch gefallenen, knietiefen Schnee hinunter ins Tal gleiten - dieses Erlebnis könnte schöner nicht sein.

Wer nach der kühlen Nacht fit ist für Herausforderungen, dem steht in den Zillertaler und Tuxer Alpen so einiges zur Verfügung: Das Zillertal umfasst 649 Pistenkilometer mit 170 Liftanlagen. Allein oberhalb von Mayrhofen, das mit dem Finkenberger-, Rastkogel- und Eggalm-Skigebiet verbunden ist, gibt es 159 Pistenkilometer und 53 Anlagen.

Der "Superskipass" gilt für das ganze Zillertal. Spitze: Auf der "Höhenmeterfresser-Runde" werden auf einer Tour 13 Kilometer Höhenunterschied zurückgelegt. Und dann gibt es im Skigebiet am Penken noch die "Harakiri"-Piste, die nach Angaben der Bergbahnen die steilste in ganz Österreich ist.

Mit bis zu 78 Prozent Gefälle ist sie steiler als die Anlaufspur einer Sprungschanze. Da atmen selbst hervorragende Wintersportler tief durch, wenn sie am Beginn des Steilhangs stehen und überlegen, ob sie nicht ihre Kanten nochmal hätten schleifen lassen sollen. Damit die Abfahrt nicht zum wahren Harakiri wird, und weil das Gefälle so groß ist, wird die Piste mit Kunstschnee bearbeitet - und zwar im Schichtverfahren, damit der Schnee nicht wegrutscht.

Wer sich nicht sicher ist, ob die "Harakiri"-Abfahrt richtig für ihn ist, kann auch üben: "Devil’s Run" heißt die Piste Nummer 17, und der Steilhang am Schluss heißt bei den Einheimischen "Harakiri-Test".

Und noch ein Areal für Unerschrockene haben die Mayrhofener zu bieten: Der "Vans Penken Park", einer der größten Snowparks Europas, der auf Lines und Obstacles sowie in einer Halfpipe die Freerider anlockt.

Das Skigebiet mit einem Pistenstart in 1800 Metern Höhe gilt als schneesicher. Allerdings stehen auch mehr als 100 Schneekanonen bereit, die für einhundertprozentige Beschneiung sorgen.

Von Mayrhofen aus sind außerdem Ausflüge zum Hintertuxer Gletscher möglich, dem einzigen Ganzjahresskigebiet Österreichs. In mehr als 3000 Metern über dem Meer ist dort sogar im Sommer das Skifahren möglich.

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