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Nichts für Warmduscher: Wellenreiten auf Walisisch

Nichts für Warmduscher: Wellenreiten auf Walisisch

Swansea/Llangennith (dpa/tmn) - Die walisische Gower Peninsula ist ein Geheimtipp. Nur wenige Touristen verirren sich hierher, die Wellen vor der atemberaubenden Naturkulisse können die Surfer fast ungestört genießen.

Vorausgesetzt sie sind keine Warmduscher.

Im tiefsten Winter wird Will es nicht noch einmal wagen. Vom Surfen in der Kälte hat er endgültig genug. Selbst der Golfstrom kann daran nichts mehr ändern. Es ist auch sonst frisch genug: Wer in Wales surfen möchte, muss eben mit besonderen Wassern gewaschen sein. Besonders kalten.

Will Rickard ist begeisterter Surfer. Bis zum Ende seines Studiums war der jetzt 22-Jährige Vorsitzender des Surfclubs der Universität Swansea. Einige Male im Monat organisiert der Club einen Bus, der die walisischen Wellenreiter an den Strand bringt. Dabei ist der Campus in Swansea gerade einmal zwei Minuten Fußweg vom Meer entfernt. Doch die Bucht, an der die zweitgrößte Stadt in Wales liegt, ist oft zu ruhig - die Gower Peninsula hingegen hat Wellen satt. Der Gower, wie ihn Einheimische nennen, wartet mit traumhaften Stränden auf, keine Südsee-Idylle, aber wilder Charme hinter jeder Biege und Bucht.

„Der Gower ist ein klasse Ort zum Surfen“, findet Will. „Es ist zwar etwas kälter und oft auch recht windig, aber als Surfer sollte man auf alle Fälle den Gower ausprobieren.“ Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Sogar ein Profi hat sich hier niedergelassen: Peter Jones surfte 13 Jahre lang für das britische Nationalteam, nahm an Weltmeisterschaften teil und wurde 1977 European Champion. Am Ende seiner Karriere ließ er sich dort nieder, wo seine Wurzeln liegen: im Gower. Nun betreibt er einen Surfshop in Llangennith, das an der Rhossili Bay liegt, einer Bucht, die viele Postkarten über die Region ziert.

„Wir haben gerade eine neue Liga gegründet“, erklärt Will Rickard, der wegen eines Rugby-Stipendiums nach Swansea kam, nach mehreren Verletzungen aber dem Surfen den Vorrang gab. Universitäten in ganz Großbritannien nehmen nun teil an der SST, der Student Surf Tour. Die besten Surfer der Uni Swansea reisen durch das Land und lernen so andere Wellen und andere Clubs kennen. Von Wales geht es durch Cornwall nach Devon und in die östliche Mitte Englands. Konzerte und Partys begleiten die Wettkämpfe. Die Tour gewinnt nicht zwangsläufig das Team, das am besten surft. Punkte gibt es auch für das Bemalen des Surfbusses oder das Wellenreiten im Kostüm.

Ein schroffer Abhang führt direkt zum Strand, auf den eine surfbare Welle nach der anderen trifft. Peter Jones hat sich hier nach Jahren des Herumreisens niedergelassen. Das Surffieber ist mit der Sesshaftigkeit aber keineswegs abgeklungen. „Ich gehe auch heute fast jeden Tag raus“, sagt der Mann mit dem schwarzen Schnäuzer und den dunklen zerzausten Haaren. „Ich habe immer einen Job gewollt, bei dem ich zwischendurch einfach mal raushuschen kann, ab ins Wasser. Ich wollte nie in einem Büro festsitzen.“

Stattdessen hat er nun genau das, wovon ein Surfer nur träumen kann: Ein Haus, nur Gehminuten entfernt von den Wellen, einen Beruf, bei dem er täglich mit anderen Wellenreitern in Kontakt ist und eine Familie, die seine Leidenschaft teilt. „Mein Sohn tritt in meine Fußstapfen. Er hat schon die Walisische Meisterschaft gewonnen“, verkündet der stolze Vater gerne. Seine Tochter schmeißt derweil den Laden.

Für Peter Jones ist der Gower ein Stück Zuhause. „Ich bin eben ein echter Waliser, deshalb ist der Gower für mich so besonders.“ Der Strand vor seiner Haustür in Llangennith gilt als Messlatte für alle Strände im Gower. „Wenn es hier flach ist, dann gibt es auch nirgendwo sonst Wellen auf der Halbinsel“, erklärt der ehemalige Profi.

Wenn aber die Wellen hereinbrechen, kann sich Peter fast sicher sein, dass der Bus mit Will und dem Rest der Uni-Surfer bald an seinem Shop anhalten wird. Denn wer kein eigenes Board hat, sich neben dem Wetsuit mit Kappe, Handschuhen und Schlappen gegen die Kälte ausstatten muss, kann all das bei Peter leihen. Im Club kümmern sich die alten Hasen um die Neulinge: Sie bekommen eine Einführung und können sich sicher sein, dass jemand im Wasser ein Auge auf sie hat.

Sobald sie einigermaßen sicher auf den Boards stehen können, haben die Surf-Einsteiger dann Zeit, die atemberaubende walisische Kulisse zu genießen. Ob in Rhossili, Llangennith, Langland Bay oder Porthcawl, das Surfen hier lohnt sich, denn die Natur entschädigt für das oft sehr kalte Wasser. Dabei hat die Kälte sogar einen Vorteil: Weniger Surftouristen verirren sich nach Wales, die Wellen hat man so oft für sich allein.