Neapel: Mozzarella und sonnige Erholung

Ferien rund um den Golf von Neapel. Von Filmstars und Politikern, Büffelkäse und Zitronenlikör.

Neapel. Silvio Berlusconi hat seinen Vorgänger Romano Prodi als italienischen Regierungschef einmal abschätzig als „langweiligen Mozzarella“ bezeichnet. Das hätte der Cavaliere nicht in Neapel sagen dürfen. Denn dort ist der weiße Käse, wenn er edel ist, alles andere als lustlos — vielmehr lecker und frisch vom Büffel. Die mächtigen Tiere grasen auf den Weiden nördlich der Drei-Millionen-Metropole bei Caserta oder in den Ebenen von Paestum im Süden.

In Neapels Altstadt gibt es diesen herrlichen Käse so zubereitet: Mozzarella zwischen milchgetränkten Brotscheiben und in Teig frittiert. Köstlich. Auf der Pizza landet Mozzarella nur, weil den Kennern nach einem Tag der Käse nicht mehr frisch genug ist.

In der Altstadt-Pizzeria „Da Michele“ wird diese Resteverwertung als Margherita oder Marinara für ein paar Euro an kleinen Marmortischen verspeist. Für viele Einheimische ist es der beste Pizzabäcker der Stadt. Immerhin wurde das Teiggericht für die vielen armen Bewohner der einstigen Königsstadt hier erfunden und startete über die italienischen Gastarbeiter in Deutschland und anderswo seinen weltweiten Siegeszug.

Am Hafen von Neapel starten die Boote nach Ischia und Procida. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familie machen gern Ferien auf Ischia. Im Süden der Insel mietet sie sich in San Angelo im mittelgroßen Hotel Miramare ein.

Der Ort ist wie eine Sackgasse, für einheimische, erwartungshungrige, jugendliche Ragazzi eher ein Kaff mit dümpelnden Fischerbooten. Doch für die Kanzlerin ist die Dorfbar die passende Bühne für einen schlichten Espresso al banco — also am Tresen, zum halben Preis im Stehen.

Viele andere Deutsche suchen im Winter oder Frühjahr auf Ischia die warmen Quellen auf, über die zahlreiche Hotels im Hauptort Ischia Porte verfügen. Das hat Ischia den Ruf des Großmüttterlichen und Betagten eingebracht. Aber seien wir ehrlich: Nach den jüngsten Schneewintern muss man nicht Rentner sein, um Wärme und Milde etwas abzugewinnen.

Erstaunlich, dass das vorgelagerte, kleine Eiland Procida von Touristen kaum besucht wird. Manche Ischia-Boote halten sogar von Neapel erst auf Procida, doch selten verirren sich Reisende dorthin.

Es sind rund 300 junge Männer von Procida, die schon lange vor der Fastenzeit damit beginnen, Holzstatuen, Schauladen und andere tragbare Kreuzigungsmotive zu zimmern. An Karfreitag dann marschiert der Zug hoch oben von der Terra Murata, der höchsten Erhebung Procidas, hinunter zum Hafen Sancio Cattolico.

Alle Männer tragen ein weiß-blaues Kapuzengewand. Seit 1629 veranstalten Laienbrüder diese Osterprozessionen. Die Settimana Santa, also die Karwoche, hat in Procida spanische Einflüsse. Wie in einem Film mit einer perfekten Kulisse. Doch die Filmkulisse ist echt: nicht nur der Wegessaum an der Marina, auch die verschachtelten Häuser in den rosa, gelben, grünlichen und kalkigen Pastelltönen.

Kein Wunder, dass bei so vielen Laiendarstellern noch einige professionelle Hauptdarsteller im Laufe der Zeit hinzukamen: Patricia Highsmiths Krimi-Verfilmung „Der talentierte Mister Ripley“ mit Matt Damon und Jude Law von 1998 wurde hier gedreht. „Il postino“ lieferte im Film die Post für den chilenischen Dichter Pablo Neruda in seinen Exiljahren ab. Ganz zu schweigen von Sophia Loren, die diesen Set als die italienischste aller Darstellerinnen natürlich nicht ausgelassen hat.

Am Ostersonntag ist das Leiden vorbei. Dann ist es nicht Weihrauch, der in die Nase steigt, sondern der Duft der blühenden Zitronen. Aus den Früchten wird Limoncello hergestellt. Dieser Likör sollte eiskalt getrunken werden. Man serviert ihn in einem hohen Glas, damit die Eiseskälte lange hält.

Jeder Bauer und jede Mama rund um den Golf von Neapel hat ein eigenes, geheimes Schnapsrezept. Die einen schwören auf die Zugabe von Blüten, die anderen auf karamelisierten Zucker.

Und wieder andere auf die Fürsprache der Muttergottes. Auf der Piazza Umberto im Ort Capri auf Capri gilt das ebenso wie bei einem Blick auf die unzugängliche, futurisische Malaparte-Villa unweit der Faraglioni-Felsnadeln oder in den Ruinen der Jovis Villa, die vor bald 2000 Jahren von Kaiser Tiberius bewohnt wurde.

Schon damals war die Region rund um den Golf und um den Vulkan Vesuv ein bevorzugter Ort der antiken Römer. Noch älter sind die griechischen Tempelanlagen von Paestum ist neben dem sizilianischen Segesta besser erhalten als fast jeder Tempel in Griechenland.

In Cuma westlich von Neapel wurden die ältesten antiken Funde Italiens entdeckt. Und in Herculaneum und Pompeji am Fuß des Vesuvs wurden durch den katastrophalen Vulkanausbruch im Jahr 79 nach Christus Dinge in Schutt und Asche gelegt und damit für die Nachwelt konserviert, die Einblicke in das Alltagsleben geben.

Zurück in die Neuzeit: Einen anderen ehemaligen deutschen Regierungschef zog es ebenfalls zum Urlauben in den Süden: Kanzler Gerhard Schröder stieg gerne in Positano ab. Nicht aber in den superteuren Häusern, sondern im bescheiden-schönen „La Fenice“.

Auch diese Zehn-Zimmer-Pension für 100 statt 1000 Euro ist spektakulär in den Felshang gebaut. Und auf jeden Fall mindestens einen Limoncello auf der Terrasse wert.

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