1. Reise
  2. Reise-Berichte

Metropole mit Südstaatencharme: Dallas ist mehr als J.R.

Metropole mit Südstaatencharme: Dallas ist mehr als J.R.

Dallas (dpa/tmn) - Zwar wurde in Dallas das Shopping erfunden, Geschäfte muss man aber in der Innenstadt lange suchen. Ein bisschen Cowboy-Romantik ist noch da. In erster Linie ist Dallas aber ein Business-Zentrum.

Und Schauplatz eines Fernseh-Dauerbrenners.

Bill Dewbre hat Erfolg - und das teilt er gerne mit. „Wild Bill“, wie er genannt wird, ist ein echter Selfmade Man, einer, der sich aus dem Nichts nach oben gearbeitet hat. Mit Cowboystiefeln. Der Vater war Schuhmacher, der Junge musste helfen. Und lernte: Leder schneiden, Rahmen nähen, Sohlen kleben - eben wie man gute Schuhe macht. Und wie man Menschen davon überzeugt, sie zu kaufen. Er bekommt ein kleines Fleckchen im Laden des Vaters - ein paar Jahre später hat er so erfolgreich seine Stiefel an den Mann gebracht, dass er dem Vater den Laden abkauft. In bar.

In seinem Geschäft im Herzen von Dallas gibt es alle Arten von Cowboystiefeln, die man sich nur vorstellen kann: schwarze und braune, rote und bunte, glitzernde und wild verzierte. Aus Rindsleder und Strauß, aus Krokodil und Schlange.

Bill redet viel, schnell und laut. Aber er kennt sein Geschäft. Und er kennt Dallas und die Umgebung wie kaum ein anderer. Schließlich hat er sein ganzes Leben dort verbracht. Und Bill ist einer, der dieses Dallas repräsentiert - einer dieser freundlichen, charismatischen, höflichen Männer, die den legendären Charme der Südstaaten in die große Stadt getragen haben.

Das Bild stimmt noch heute. Und doch ist Dallas auch ganz anders. Eine Stadt der Zugereisten - aus den nördlichen Staaten kommen sie, weil sie dort die Winter zu kalt und das Wetter zu schlecht finden. Sogar aus Kalifornien und Neuengland ziehen Menschen nach Texas um - „wo die Häuser nicht so teuer sind, die Bildung für ihre Kinder gut ist und es Jobs gibt“, sagt Pauline Medrano, die zweite Bürgermeisterin der Stadt.

Dallas habe sich in den vergangenen Jahren gemausert. „Wir wurden immer wieder totgesagt“, erinnert sie sich. Die Hauptstadt von Texas ist Austin. Die größere Stadt ist Houston, dort gibt es mehr Hochschulen. Und Dallas? Eine Fernsehserie, die in vielen Ländern der Welt Kultstatus genießt - die aber viele Meilen von der Stadt entfernt gedreht wurde.

„Der Texaner ist sehr heimatverbunden“, sagt Julia Cleary, die in Dallas aufgewachsen ist, in Houston studiert hat und nun in Dallas arbeitet. So, wie die 24-Jährige machen es - ganz untypisch für die amerikanische Dynamik - viele: Zwar gehen sie zum Studium von zu Hause weg, aber nicht zu weit.

Ein paar Erfindungen nennt Dallas sein Eigen - eine davon sei das Shopping, sagt man hier mit einem Augenzwinkern. So ganz verkehrt ist das nicht, denn Neiman Marcus gehört zu den ältesten Kaufhäusern des Landes mit Filialen in allen großen Städten. In Sachen Shopping ist Dallas eine ungewöhnliche amerikanische Stadt - denn nach einer echten Einkaufsmeile downtown sucht man vergebens. Mall heißt das Zauberwort, Einkaufen im Shoppingcenter. Zwei große hat Dallas, direkt in den reichen Vororten. Das North Park Center war bei seiner Eröffnung 1965 die erste geplante Mall in ganz Amerika und das erste klimatisierte Shoppingcenter der Welt.

Und dann ist da noch diese Fernsehserie: „Dallas“. Die Ewings. Die Southfork Ranch. Diese Ranch gibt es wirklich - allerdings in Parker, etwa 50 Kilometer vor den Stadtgrenzen. Dort, wo das Land wirklich platt ist und weit. Wo die Menschen keine Häuser haben, sondern Farmen. „Auch wenn sie hier eher ein oder zwei Pferde halten, als richtige Zuchten zu haben“, sagt Sally Peavy.

Sie arbeitet auf der Southfork Ranch, die heute Touristenmagnet ist und gleichzeitig ein Konferenzzentrum. Und wieder Drehort, denn es gibt eine Fortsetzung der Saga um die Familie Ewing. In regelmäßigen Abständen herrscht Ausnahmezustand in der 40 Jahre alten Villa: Dann fallen die Schauspieler und das gesamte Produktionsteam ein. „Die Außenaufnahmen wurden allesamt hier gemacht, die Innenaufnahmen in Kalifornien“, erzählt die blonde Mittfünfzigerin. „Damals wie heute.“

Sie kennt die Serie in- und auswendig - alle Wendungen im Leben der Matriarchin Miss Ellie, des Fieslings J. R. und seines netten Bruders Bobby. „Ich habe das verfolgt, ich war Ende 20, als die Serie anlief“, sagt sie - „und das war immer Gesprächsthema“. Sally ist eine echte Texanerin: sehr freundlich, sehr aufmerksam, sehr fröhlich, sehr laut. Eine Südstaaten-Lady, wie sie im Buch steht - mit einem Akzent, den ein ungeübter Englischsprecher kaum versteht.

Wie viele Texaner ist sie schon ihr ganzes Leben hier und hat sich nie vorstellen können, in einem anderen Staat zu wohnen. Nette Leute, gutes Essen, hohe Lebensqualität zu vergleichsweise günstigen Preisen. Sally ist einfach zufrieden - und meint, dass die meisten Texaner das auch sind: „Ich glaube, dass das einen ganz einfachen Grund hat: Das Wetter ist gut, man muss nicht frieren - und die Leute haben Platz.“