Von August bis Anfang September blüht die Heide und verwandelt die Landschaft in einen violetten Traum. : Lust auf Lila

Der schmale Pfad ist sandig, die Hitze steht. Immer wieder zweigen winzige Wege aus feinem Sand in verschiedene Richtungen ab, die sich wie helle Adern durch das satte Violett der Landschaft ziehen. Einzelne Birken mit weißen Stämmen ragen empor, Büsche und Kiefern stehen wie zufällig hingestreut.

Darüber wolkenloser, stahlblauer Himmel mit sengend heißer Sonne. Es ist Hochsommer in der Lüneburger Heide und nicht nur das: Die Heide steht in voller Blüte, Lila in allen Nuancen soweit der Blick reicht. Und hinter jeder Kurve ein neues Bild aus Violett, Weiß und Grün. Denn wer glaubt, die Heide sei eine weite, flache Ebene, der wird bei Wanderungen überrascht sein von dem hügeligen Profil der Naturschutzgebiete. Doch vor allem die leichten Anstiege lohnen sich für ein stets neues Panorama. Und irgendwo am Horizont begrenzt dunkler Wald die Heidefläche.

Wandern auf den Spuren
der Eiszeit

Wer im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide unterwegs ist, hat 23 440 Hektar zum Wandern, Radfahren oder Reiten. Kutscher bieten Rundfahrten durch die in Europa einzigartige Landschaft an, die einst durch Eiszeiten und Gletscher geschaffen wurde. Steine und größere Felsen finden sich überall in der Gegend und sind Zeugnisse dieser kalten Vergangenheit. Auch der immerhin 169 Meter hohe Wilseder Berg entstand aus einem Geröllstau der schmelzenden Gletscher – er ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Wer an sonnigen Wochenenden dorthin wandert, ist nicht allein: Zahlreiche Wanderer und Radfahrer nutzen die gut markierten und befestigten Wege, um die Aussicht von der höchsten Erhebung des Gebiets zu genießen. Doch die ist kaum besser als während der gesamten Tour von Undeloh nach Wilsede.

Undeloh ist der touristische Hauptort der Region, hat zahlreiche Hotels, Restaurants und Einkehrmöglichkeiten. Auch ein Informationszentrum, das über die Geschichte der Heidelandschaft, deren Pflanzen, Bewirtschaftung und natürlich die Heidschnucken aufklärt. Denn wer will sie nicht sehen, die scheuen, zotteligen Schafe, die in erster Linie für die Pflege der Heide zuständig sind? Sie halten die Pflanzen kurz, damit junge Triebe gedeihen. Für Besucher gibt es Kutschfahrten zu einem Schäfer – doch mit etwas Glück grast eine Herde auch ganz zufällig dort, wo man gerade wandert.

Von Undeloh führen Wanderwege nach Wilsede, einem schnuckeligen kleinen Dorf. Neben Einkehrmöglichkeiten ist vor allem „Dat ole Huus“ interessant. Bereits 1907 wurde das einstige Bauernhaus zu einem Heidemuseum umgebaut, das zeigt, wie die Bauern um 1850 lebten, wohnten und arbeiteten. Wer auf dem Hauptweg zwischen den beiden Orten unterwegs ist, trifft nicht nur auf viele andere Wanderer und Radfahrer, sondern hauptsächlich auf Kutschen. Wie Perlen an einer Schnur nutzen sie den steinigen und sandigen Weg, um als Taxiersatz ihre Passagiere von A nach B zu bringen oder bei einer Rundfahrt das Naturschutzgebiet zu zeigen.

Wildblumenwiesen
und Bienenstöcke

Wer es ruhiger mag, läuft einfach auf den kleinen Wegen zwischen Egestorf und Undeloh durch die Heide. Immer wieder gibt es Wegweiser auf großen Findlingen, die die Rundwege weisen. Auch, wenn man zwischendurch kreuz und quer geht, von plötzlichen Wildblumenfeldern oder beinahe pink blühender Besenheide fasziniert. Oder weil man einen der zahlreichen überdachten Holz-
unterstände näher betrachten will. Die stehen überall in der Heide und dienen nicht etwa den Schnucken, sondern den Bienen. An ihnen befestigen die Imker die Stöcke, um in der kurzen Saison der Heideblüte für die Spezialität der Region zu sammeln: den Heidehonig. Oder um auf einer Bank zu sitzen und Schmetterlinge zu beobachten. Immerhin sollen 800 bis 1000 Arten dort leben.

Etwa 60 Kilometer entfernt liegt Bad Bevensen. Mit der ganzen Infrastruktur eines Kurortes: vom Thermalbad über Rehakliniken bis hin zu komfortablen Hotels, einer kleinen Altstadt mit Gastronomie und Geschäften. Und einem beeindruckenden Kurpark. Top gepflegt, mit Wegen entlang der Ilmenau, vorbei an Blumenbeeten, Wiesen und durch den Wald. Auch ein Kneipp-Wasserbecken gibt es: direkt in der Ilmenau, einem Nebenfluss der Elbe.

Die Wacholderheide gehört zu
den schönsten Landschaften

Wer dort Urlaub macht, braucht auf Heide aber nicht zu verzichten. Zum Wandern geht es in nahe gelegene Wacholderheide in Ellerndorf. Das etwa 70 Hektar große Gebiet liegt im Osten der Lüneburger Heide und darf nur zu Fuß erkundet werden. Beeindruckende Farbspiele inklusive: Denn alle Pfade sind aus strahlend weißem Sand, die Heide breitet sich wie ein durchgehender violetter Teppich aus. Grell weiß dazwischen die Stämme der Birken, dunkelgrün der Wacholder. Als wäre die Farbenpracht des Naturparks in dieser Heide auf ein Maximum gesteigert. Auch dort lohnt es sich, die kleinen Anhöhen hinaufzugehen. Und vom Waldrand aus nach unten zu blicken. Lila. Sonst nichts. Und mehr will man auch nicht.

Die Autorin reiste mit Unterstützung des Sonnenhotels Bad Bevensen und der Bad Bevensen Marketing GmbH.