Küssen verboten, rülpsen erwünscht

Küssen verboten, rülpsen erwünscht

Vorsicht, Fettnäpfchen! So benehmen sich Reisende in exotischen Ländern.

Diese Tipps helfen, auf Fernreisen Fettnäpfchen zu umgehen. Wir haben die wichtigsten Regeln für beliebte Reiseländer zusammengestellt:

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird jeder beim Vornamen angesprochen und sofort nach Hause eingeladen — das ist freilich nur selten ernst gemeint. Auf „How are you“ antwortet man selbstverständlich nie anders als „great“. Bei Tisch ist das Naseputzen verpönt, der Gast verschwindet dazu in den „powder room“. Beim Betreten eines Restaurants wartet er außerdem, bis ihm ein Platz zugewiesen wird. Noch wichtiger ist das angemessene Trinkgeld: Der Kellner erwartet 15 Prozent des Rechnungsbetrags, weil der „tip“ ein wesentlicher Teil seines Lohnes ist. Am Strand gilt für die Damenwelt: „Oben ohne“ — selbst nur kurz beim Umziehen — ist völlig unmöglich.

Wie in allen arabischen Ländern vermeiden es Besucher in Dubai besser, beim Gespräch die Arme vor der Brust zu verschränken. Bei der Begrüßung gilt der erste Gruß immer dem Mann. Frauen grüßt man als Deutscher am besten durch kurzes Kopfnicken und hält auf keinen Fall zu lange Blickkontakt. Auch als Linkshänder reicht man sich niemals die linke Hand — sie gilt als unrein. Deshalb wird auch nur mit der rechten Hand gegessen. Wer eingeladen wird, lehnt nach der dritten Schale Kaffee dankend ab. Touristinnen tun gut daran, ihre Augen mit einer großen Sonnenbrille vor Männerblicken zu schützen. Offen getragenes Haar, enge Hosen oder kurze Röcke gelten als unschicklich. Beim Fotografieren, vor allem von verschleierten Frauen, ist starke Zurückhaltung angebracht.

Das freundliche Streicheln über das Haar eines Kindes gilt im Land des Lächelns als echter Fauxpas: Der Kopf ist dem Buddhisten ein heiliges Körperteil. Noch schlimmer wäre es, mit den Fingern oder mit dem Fuß auf andere zu zeigen. Fußsohlen dürfen nie auf Buddha-Statuen gerichtet sein. Empfindlich reagieren Thais auf das Zerknüllen von Geldscheinen — das gilt als Majestätsbeleidigung, denn der Monarch ist darauf abgebildet. Thais legen großen Wert auf gepflegte Kleidung, mit T-Shirt und kurzer Hose gilt man als arm.

Den ersten Fehler begeht gleich, wer seinen chinesischen Gastgeber berührt. Schulterklopfer oder gar eine Umarmung sind in China nämlich absolut tabu. Dafür schätzt man im Reich der Mitte Pünktlichkeit sehr, ebenso förmliche Kleidung. Beim Essen erwartet der Gastgeber, dass fröhlich gerülpst und geschmatzt wird, wenn es denn richtig schmeckt. Eins darf man allerdings nie machen: die Stäbchen in den Reis stecken, denn so gedenkt man der Verstorbenen. Geschenke müssen durch zwei teilbar und möglichst in rotes Papier eingewickelt sein. Lautes Reden, Sprechen mit den Händen und ausdrucksstarke Mimik gelten als unfein. Achtung bei Fragen: Der Chinese sagt niemals nein, eine Ablehnung muss man aus verschiedenen Ja-Varianten heraus lesen.

Die heißen Rhythmen beim Karneval von Rio können nicht darüber hinweg täuschen: In vielerlei Hinsicht ist man in Brasilien sehr konservativ. Homosexuelle Paare zum Beispiel haben es sehr schwer. Bei Einladungen gilt eine halbe Stunde Verspätung als früheste Eintreffzeit. Bei der Begrüßung nehmen sich auch wildfremde Menschen in den Arm und deuten einen Kuss auf jede Wange an. Frauen dürfen ruhig sehr sexy Kleidung tragen — aber nur mit perfekt epilierten Beinen und Achseln. Körperhygiene ist extrem wichtig. Brasilianer duschen mehrmals täglich und nehmen ins Restaurant tatsächlich die Zahnbürste mit. Komplimente dürfen gern direkt und sehr persönlich sein. Rote Blumen allerdings schenkt man nur zu Begräbnissen.

Verkehrte Gestikwelt: Wer am Ganges freundlich den Kopf schüttelt, zeigt damit seine Zustimmung. Dazu sagt der Inder gern noch „aha“, was wiederum keineswegs für Verwunderung steht. „Nein“ signalisiert man in Indien, indem man kurz mit dem Kopf zuckt und dazu mit der Zunge schnalzt. Besser als Handgeben bei der Begrüßung ist der klassische indische Gruß: Handflächen wie zum Gebet vor der Brust zusammenlegen, den Kopf leicht neigen und „Namaste“ sagen — guten Tag.

In der Karibik begegnen Menschen den Urlaubern freundlich, lebhaft und temperamentvoll. Wer sich dadurch allerdings selbst zu allzu forschem Auftreten verleiten lässt, kommt bei den Gastgebern recht schnell als aggressiv und respektlos an. Und ohne gezeigten Respekt ist man auf den Inseln schnell unten durch. Vor allem auf der Insel Jamaika ist man nicht gerade sehr kamerafreundlich. Taktgefühl hingegen beweist überall auf der Welt, wer Einheimische grundsätzlich um Erlaubnis bittet, bevor er sie ablichtet. Das gebietet die Achtung vor dem anderen — und kann darüber hinaus auch nicht schaden, wenn man wieder daheim ist.

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