In Malbun geht kein Wintersportler verloren

In Malbun geht kein Wintersportler verloren

Malbun/Vaduz (dpa/tmn) - Alle Wege führen nach Malbun: Wer im Fürstentum Liechtenstein Ski fährt, geht nicht verloren. Denn die Pisten sind übersichtlich und nicht allzu schwer. Und vor allem: Sie führen alle zurück in das Bergdorf Malbun.

Unaufhörlich hat es geschneit in der vergangenen Nacht, geschneit und gestürmt. Neuschnee, wohin das Auge sieht. Schneeverwehungen an der Straße, die hinauf führt in das Dörfchen Malbun, ins hinterste Tal des Fürstentums Liechtenstein. Der Bus mit der Nummer 21 kommt trotzdem hoch in den auf 1600 Metern gelegenen Ort. Und, wie jeden Morgen, spuckt er Kinder in bunten Schneeanzügen aus. Die in Laubfroschgrün kommen vom Skiclub Triesenberg, die in den gelbgrünen Jacken und den türkisen Hosen vom SC Balzers.

Auf der anderen Seite des kleinen Tals: himmlische Ruhe. Der Neuschnee ist noch völlig unberührt, als sich eine kleine Gruppe Schneeschuhwanderer die Teller unter die Stiefel schnallt und auf dem Winterwanderweg nach oben stapft. Wanderführerin Rosaria Heeb, die mit ihren vier Geschwistern im Fürstentum aufgewachsen ist, erzählt von den Vorzügen des nur 160 Quadratkilometer kleinen Landes. „Wir sind am Morgen mit dem Skibus nach Malbun gefahren und den ganzen Tag Ski gelaufen. Uns konnte eigentlich nichts passieren, denn alle Wege führen wieder ins Tal und zu den Bushaltestellen zurück.“

Rosaria führt die Wanderer noch ein bisschen weiter den Berg hinauf - und dann geht es endlich ins Gelände. Sie geht vorsichtig voran, denn der Schnee gibt öfter mal nach unter den großen Tellern. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg heißt es Rasten am höchsten Punkt des Sass-Weges, dem Sass-Seeli auf knapp 1800 Metern.

Rosaria wandert nicht nur tagsüber auf ihren Schneeschuhen durch die verschneite Landschaft. In Vollmond-Nächten führt sie Gruppen von Steg, dem nächsten Dorf, hinauf auf die Alpe Sücka. Licht oder Fackeln brauchen die Wanderer nicht, denn der Vollmond wird auf dem frischen Schnee stark reflektiert. Nach einem Fondue in der urigen Hütte geht es wieder hinunter in das Dorf - auf einer rasanten Fahrt mit dem Schlitten.

Die Alpinisten, Snowboardfahrer und Tourengeher verirren sich nicht so oft nach Steg - sie entscheiden sich eher für die Berge, die Malbun umgeben. Auf dem Sareiserjoch, der mit exakt 2000 Metern höchsten Liftstation, hat man eine schöne Aussicht - und bekommt jeden Freitagabend einen Hüttenzauber vom Wirt bereitet. Auf der anderen Seite, bei den Liften Hochegg und Täli, ist die Auswahl an Pisten etwas größer: Ein Großteil der 23 Abfahrtskilometer liegt auf dieser Seite.

Wer von den Hängen hinunter kommt, kann auf den Skiern zu fast jeder Unterkunft in Malbun gleiten - und kommt dabei an der Kinderskischule und dem Malbi-Park vorbei. Nicht nur die Kinder der Touristen machen hier ihre ersten Versuche im Schnee - auch die der Einheimischen, von denen viele ein Chalet hier oben in den Bergen haben. Und in ein paar Jahren gehören auch sie zu den Kindern, in den bunten Anoraks der heimischen Skiclubs, die es kaum erwarten können, auf die Pisten zu kommen.

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