Im Raumschiff durch den Orient

Im Raumschiff durch den Orient

An Bord des Ozeanriesen „Mein Schiff 2“ geht es ab Dubai quer durch den Persischen Golf.

Michael Block ist ein Freund deutlicher Worte und verantwortlich für fast 3000 Menschen an Bord. „Im Vergleich zu einem Frachter ist das hier Raumschiff Enterprise“, sagt der Kapitän auf der Brücke — und meint damit den Ozeanriesen „Mein Schiff 2“ auf seinem Weg durch den Persischen Golf.

Im November 2012 ging es für die schwimmende Stadt der TUI Cruises, die 262 Meter lang und 32 Meter breit ist, von der Metropole Dubai aus erstmals in den Orient: Die Häfen von Muscat im Oman und Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, werden ebenso angesteuert wie das Königreich Bahrain mit der Hauptstadt Manama als Visitenkarte aus purem Gold.

Was auf den ersten Blick nach einem orientalischen Märchen aussieht, ist auch eins auf den zweiten Blick — auch wenn sich das Weltgeschehen auf dieser Kreuzfahrt immer mal wieder am Horizont blicken lässt, wenn sich der Ozeanriese das türkisfarbene Meer mit Patrouillen- und Kriegsschiffen teilt.

Auch durch iranische Hoheitsgewässer geht es für Michael Block und seine Mannschaft auf dem Weg durch die Straße von Hormus — mit Kurs auf Abu Dhabi. Den Start- und Zielpunkt Dubai lassen die fast 2000 Passagiere auf dieser Strecke erst einmal „links liegen“. Wer kann das mit Blick auf diese Boomstadt schon von sich behaupten? Und natürlich gehören auch Tagesausflüge und Landgänge zum Programm der Kreuzfahrt. Jeder Passagier kann für sich entscheiden, was ihm am liebsten ist: Basar- und Moscheebesuche sind ebenso möglich wie Stadtrundfahrten und exklusive Ausflüge — gerade auch in den Metropolen, die mit sprudelnden Ölquellen reich geworden sind.

1001 Nacht würde man am liebsten im „Emirates Palace“ verbringen — das Hotel der Hauptstadt Abu Dhabi steht für orientalischen Prunk, der normal sterbliche Europäer erst einmal sprachlos macht. Da ist es fast schon tröstlich zu wissen, dass bei Kosten von 12 000 Euro pro Nacht selbst Stars wie Demi Moore, Brad Pitt, George Michael oder Robert de Niro nicht ewig hier logieren könnten.

Da ist die Brücke des Kreuzfahrtschiffs schon etwas schlichter: Den Persischen Golf als flaches Gewässer mit einem Tiefgang von 8,50 Meter zu bereisen, erfordert absolute Konzentration. Mindestens drei Mann müssen auf der Brücke sein, das Team zählt neun Nautiker.

Sicherheit spielt auch mit Blick auf die anderen Schiffe im Golf eine entscheidende Rolle — auch wenn ein Ozeanriese für ein Enter-Manöver wohl definitiv drei Nummern zu groß wäre, wie Michael Block erklärt. „Ich setze da auf die Vernunft der Piraten.“ Privat zieht der Kapitän — er ist gebürtiger Bochumer — in vermeintlich unwirtlichere Gefilde: Sein Zuhause hat Block an der Westküste Schottlands gefunden.

Für die Passagiere an Bord ist das auf ihrer Orientreise freilich nur eine Randnotiz. Aber auch ihnen entgehen sie natürlich nicht, den Sicherheitskontrollen vor und nach jedem Landgang. Vor allem die Teilnahme an der Seenotrettungsübung wird per Namensliste überaus genau kontrolliert. Und während die Passagiere in den Häfen entweder von Bord gehen und den Orient erkunden oder es sich auf Deck und in der Wellness-Oase gutgehen lassen, geht der Hochbetrieb hinter den Kulissen „ihres“ Schiffs weiter:An Bord arbeiten knapp 800 Besatzungsmitglieder aus 50 Nationen — 600 davon im Hotelbetrieb. Auch in der Wäscherei an Bord kommt keinerlei Langeweile auf: Pro Tag sind rund 5000 bis 6000 Handtücher zu waschen.

Und auch diese Zahl steht aus Sicht eines Westeuropäers mittlerweile für 1001 Nacht: Wie Reiseführer Yussuf bei der Busfahrt durch den Oman nicht ohne Stolz verrät, kostet der Liter Sprit hier nur 26 Cent. Noch ein Stoff, aus dem Träume sind.

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