Frascati: Wein, Villen und ein Krater

Frascati: Wein, Villen und ein Krater

Frascati lockt mit kulinarischen Genüssen und altehrwürdiger Geschichte in die Hügel vor Rom.

Düsseldorf. Was bleibt wohl länger im Gedächtnis haften? Die sanften grünen Hügel mit den dekorativ eingestreuten 16 Gemeinden, eine schöner und geschichtsträchtiger als die andere? Oder die Ravioli mit Kürbis und Speck in Frascati oder die himmlischen Taglierini in der Cantina Santa Benedetta in Monte Porzio Catone, wo im Laufe der Jahre auch immer wieder mal ein Papst reinschaute?

So wie der Spreewald für die Berliner oder der Bois de Boulogne für die Pariser sind die Albaner Berge, 25 Kilometer südöstlich von Rom, das Naherholungsgebiet der Römer, wenn sie einmal saubere Luft, im Sommer erträgliche Temperaturen und eine Spitzenküche genießen wollen.

Seit 2500 Jahren tummeln sich dort die Prominenten und Reichen. Lukullus hatte sein feudales Landhaus bei Frascati, der erste Gourmet des Altertums. Caesar und Cicero unterhielten prächtige Villen. Vor 500 Jahren gehörte es für die reichen Römer zum guten Ton, eine „Villa“ in den Albaner Bergen zu besitzen. Die Landhäuser glichen eher Schlössern.

In der „Villa Rufini“, 1578 von dem gleichnamigen Kardinal auf den Grundmauern von Ciceros Villa errichtet, ist heute das Grand Hotel Villa Tuscolana untergebracht. Dessen Liste der Würdenträger, die schon in dem prächtigen Saal speisten, ist endlos. Eine Königin und Napoleons Bruder sind dabei. Nach der Aufzählung kann es wohl nicht ausbleiben, dass ein vorwitziger Gast fragt, ob denn auch der Cavaliere Berlusconi schon zum „Bunga-Bunga“ zu Gast war. Da schweigt der Hoteldirektor.

Er spricht lieber von dem einmaligen Ausblick auf Rom. „Da unten ist die Kuppel des Petersdoms zu sehen.“ Rechts liegt malerisch auf einer Anhöhe der Ort Monte Porzio Catone, in dessen „Villa Mondragone“ 1582 der heute noch gültige gregorianische Kalender verabschiedet wurde.

Marina Fatelli ist Chefin der Tourismusorganisation Colline Romane. Sie beklagt: „Wir stehen hier natürlich im Schatten Roms. Aber wir haben jetzt ein Programm gestartet, das möglichst viele der Tausenden Rom-Besucher bewegen soll, die saubere Luft und die Stille der Albaner Berge zu genießen.“

Noch mehr Touristen sollen in Frascati und Umgebung preiswertes Quartier nehmen und in einer Stunde per Auto oder Bahn zu den Sehenswürdigkeiten Roms fahren können. Die Signora lockt mit besonderen Angeboten.

Erstmals gibt es eine Führung durch alle 14 erhaltenen „Villen“, auch durch die bisher verschlossenen. Dann die Entdeckungsreise durch die Weingüter der Region. Die 1004 gegründete Abtei San Nilo in Grottaferrata, die dem Papst untersteht, aber deren Abt Emiliano und seine neun Mönche dennoch den byzantinischen Ritus feiern.

Und dann ist da auch noch Castel Gandolfo, in dem der Papst im Sommer Urlaub macht, wenn es ihm in Rom zu heiß wird. Die Residenz mit den zwei Türmen, der päpstlichen Sternwarte, ist zusammen mit dem Vorplatz exterritoriales Gelände des Vatikanstaats. Wer vom Vorplatz in ein Café geht, unterliegt aber wieder der weltlichen Gewalt. Nemi gilt als eines der ältesten Dörfer Italiens. Seit mehr als 3000 Jahren siedeln dort Menschen. An Leinen, die über die Straßen gespannt sind, flattert die Wäsche.

Der Blick schweift von Nemi den Hang hinunter auf den malerischen Vulkankrater-See „Lago di Nemi“. Am Hang gegenüber hatte einmal Julius Cäsar seine Villa. Noch mehr als Cäsar interessiert aber Nemis Gäste eine besondere Köstlichkeit.

Das ganze Jahr über servieren die Straßencafés „Fragoline“, frische Walderdbeeren, das große Glas für vier Euro. Längst reichen die am Seeufer wildwachsenden Erdbeeren nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Deshalb werden die süßen Früchte inzwischen auch in Gewächshäusern angebaut. Die Beeren kann man auch als haltbares Souvenir mitnehmen — als Erdbeerlikör.

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