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Flugangst: Im Jet gelassen bleiben

Flugangst: Im Jet gelassen bleiben

Mit speziellen Seminaren bekommen Ängstliche ihre Probleme besser in den Griff.

Düsseldorf. Winterzeit ist Fernreisezeit: Zahlreiche Urlauber machen sich in diesen Monaten auf, um in warmen Gefilden eine Auszeit von Nebel und Schneeregen zu nehmen. Das Problem: Etwa 15 Prozent aller Bundesbürger leiden unter Flugangst. Viele von ihnen steigen deshalb nicht in den Jet und verzichten lieber auf die Reise. Wir sagen, wie Sie trotzdem verreisen können.

Wer Flugangst hat und dennoch unbedingt in die Türkei, nach Thailand oder in die Dominikanische Republik möchte, der hilft sich oft selbst. Fast jeder zweite, so eine Studie des Deutschen Flugangst-Zentrums, hat schon einmal Medikamente geschluckt, die die Furcht im Zaum halten sollen.

Auch Alkohol ist ein beliebter, wenn auch nicht wirklich sinnvoller Angsthemmer. Der einzige Weg, gelassen im Flieger zu sitzen, führt über Angst-weg-Seminare, wie sie von zahlreichen Institutionen und in nahezu allen Städten mit Flughäfen angeboten werden. Dabei liegen die Unterschiede im Detail.

Das Institut Eisenberg aus Volkmarsen (www.flugseminare.de) etwa bietet neben herkömmlichen Coachings auch das Bewältigen von Langstreckenflügen. Das nächste Programm findet vom 5. bis zum 7. Februar in Frankfurt statt - enthalten ist eine Reise in die USA oder nach Kanada. Dabei wird den Teilnehmern zunächst Wissenswertes über die Technik des Fliegens vermittelt.

Danach folgt ein Einblick in die Grundlagen der Psychologie. Anschließend bekommen die Gäste verschiedene Methoden an die Hand, mit denen sie ihre Furcht bekämpfen können, zum Beispiel Techniken zur Muskelentspannung oder Atemübungen. Und dann folgt auch schon der begleitete Flug zum Fernziel.

Wer sich in der kleinen Gruppe unwohl fühlt, der kann übrigens auch ein Einzelcoaching buchen. Die Preise beginnen - je nach Flugziel - bei gut 500 Euro. Ähnlich sieht das Angebot des Deutschen Flugangst-Zentrums (www.flugangstzentrum.de) aus.

Vor dem Seminar erstellen die Trainer ein individuelles "Flugangst-Profil", wie Zentrums-Leiter Marc-Roman Trautmann erläutert. Im Training selbst sollen vor allem die Angstauslöser möglichst konkret erkannt und in der Folge bewältigt werden. Damit das funktioniert, bildet ebenfalls ein Flug den Höhepunkt der zweitägigen Seminare, je nach Buchung innerdeutsch oder innerhalb Europas.

Und die Erfolgsquote? Darüber spricht Trautmann nicht gern, denn "Erfolgsstatistiken gehören in den Bereich der Warenverkäufe". Dennoch nennt Trautmann Zahlen: "95 Prozent der Flugängstlichen nehmen am Trainingsflug teil. Wochen nach dem Seminar berichten 82 Prozent der Teilnehmer, dass ihre Flugangst deutlich geringer geworden ist, 40 Prozent fliegen völlig angstfrei."

Wenn doch die Angst kurzfristig wieder ausbricht - das Zentrum betreibt die weltweit einzige Flugangst-Ambulanz, derzeit in Düsseldorf, ab Sommer 2010 auch in Frankfurt. Dort gibt’s dann Hilfestellung bis kurz vor dem Start. Wer Sorge hat, er könnte vor dem Trainingsflug einen Rückzieher machen, der sollte sich beim Flugsimulator Berlin (www.flugsimulator-berlin.de) anmelden.

Dort gehen die Teilnehmer im Rahmen des zweitägigen Seminars nicht real in die Luft, vielmehr steht ein Flug im Simulator - dem Cockpit einer Boeing 737 - auf dem Programm. Die Idee: Wer weiß, wie es auf dem Pilotensitz zugeht, der bleibt auf den Kabinensesseln auf jeden Fall locker. Für zwei Tage werden 590 Euro fällig, maximal zehn Personen nehmen teil.

Einen anderen Ansatz verfolgt das EFO-Institut (www.efo-institut.de): Leiterin Sandra Willis setzt in ihren Einzelcoachings die sogenannte Wingwave-Methode ein. Vereinfacht gesagt werden dabei gestörte Informationswege zwischen den Hirnhälften "repariert", Blockaden gelöst.

Laut Willis sind die Probleme nach zwei bis vier Doppelstunden beseitigt. Ganz billig ist das allerdings nicht: Pro Stunde werden 150 Euro fällig. Immerhin soll die Erfolgsquote bei mehr als 90 Prozent liegen.