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Ein Kultur-Ufo für Asturien: Avilés soll neu erblühen

Ein Kultur-Ufo für Asturien: Avilés soll neu erblühen

Avilés (dpa/tmn) - Avilés hat eine mittelalterliche Innenstadt, viel Geschichte, gutes Essen. Doch Urlauber zieht es selten ins nordspanische Küstenstädtchen. Der Architekt Oscar Niemeyer soll das ändern - mit einem spektakulären Kulturzentrum, das sogar Brad Pitt begeistert.

Die mittelalterliche Innenstadt bezaubert mit schönen Arkaden-Gängen und hübsch verzierten Holzbalkonen. Stadtpaläste, Parkanlagen und das prachtvolle Theater Palacio Valdés lassen die glorreiche Vergangenheit der Hafenstadt ahnen. Es gibt eine schöne Flusspromenade, der Strand ist fast in Sichtweite. „Trotzdem denken die Leute bei Avilés immer noch an qualmende Hochöfen und Schwerindustrie“, bedauert Javier Arribas vom örtlichen Tourismusbüro. Tatsächlich wurde Avilés im 19. Jahrhundert zum Zentrum der asturischen Eisenverhüttung und zur Industriestadt mit hässlichen Häuserblocks in der Neustadt.

So zog es Besucher Asturiens bisher eher nach Oviedo oder in den nahen Naturpark Picos de Europa. „Aber das wird sich schon bald ändern“, versichert Arribas. „Avilés verwandelt sich von einer Industrie- zu einer Kulturstadt.“ Der Grund für die Aufbruchsstimmung lebt in Rio de Janeiro, ist im Dezember 103 Jahre alt geworden und gehört zu den berühmtesten Architekten unserer Zeit: Oscar Niemeyer. Der legendäre Erschaffer von Brasilia schenkte der Region Asturien 2005 den Entwurf zu einer futuristisch-kurvigen Stahlbeton-Konstruktion.

Direkt gegenüber der Altstadt, auf einer künstlichen Insel mitten im Fluss, weiht nun Ende März der spanische König Juan Carlos I. das „Internationales Kulturzentrum Oscar Niemeyer“ ein. „Das Niemeyer-Zentrum ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Javier Arribas. Er geht davon aus, dass das architektonische Juwel Besucher ähnlich magnetisch anziehen wird wie das Guggenheim-Museum in Bilbao. Die Industriemetropole im Baskenland verdankt dem Bauwerk seine urbane und wirtschaftliche Erneuerung.

Der „Niemeyer-Effekt“ funktioniert bereits. Als einer der ersten besuchte Hollywood-Star Brad Pitt die Bauarbeiten des spektakulären Kulturzentrums. „Brad würde gerne bei der ein oder anderen Architektur- und Design-Ausstellung mit uns zusammenarbeiten“, versichert Natalio Grueso, der Leiter des Niemeyer-Zentrums. Und Regisseur Woody Allen werde nicht nur mit seiner Jazzband am Abend vor der Eröffnungsfeier das erste Konzert im neuen Kulturzentrum geben, sondern auch das Filmzentrum leiten.

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat öffentliche Lesungen versprochen, und Schauspieler Kevin Spacey wird als Leiter des Londoner Old Vic Theatre mit dem Niemeyer-Zentrum Theaterstücke produzieren, die in Avilés Weltpremiere feiern. In dem multidisziplinären Kulturzentrum wird es Konzerte, Opern, Theater, Kino, Vorträge und Ausstellungen geben.

Das Kulturzentrum besteht aus vier Gebäudekomplexen. Daraus sticht ein Auditorium hervor, das sich in Form einer überdimensionalen Welle dem Meer zuwendet. Vom Auditorium führt eine Brücke schwungvoll quer über einen riesigen Platz zur Kuppel eines Konferenz- und Ausstellungsgebäudes, das an ein Ufo erinnert.

Die Aufbruchstimmung ist in Avilés überall zu spüren. Allein der Bau des Zentrums drückte die Touristenzahl im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent nach oben. Im Jahr 2009 hatte die 85 000-Einwohner-Stadt nur drei Hotels, heute sind es zwölf. „Das Niemeyer-Zentrum wird unsere Zukunft sein“, sagt der einheimische Konditor Ángel Hernández López.

Informationen:

Tourismusbüro Avilés, Ruiz Gómez, 21. 33402 Avilés; Telefon: +34 985 544325, www.avilescomarca.info.