1. Reise
  2. Reise-Berichte

Das Insel-Paradies am Äquator

Das Insel-Paradies am Äquator

Die Togian-Islands im Norden von Sulawesi bieten eine bunte Unterwasserwelt, idyllische Strände und viel Ruhe.

Schwärme von kleinen, fast durchsichtigen Fischen scheinen im kristallklaren Wasser zu spielen, formen einen Ball, lösen die Formation wieder auf und tauchen ab in die Tiefe. Eine Schildkröte paddelt durch das Seegras, ein kleiner Hai kommt an der Riffkante aus dem tiefen Blau und ist in Sekundenschnelle wieder verschwunden. Die Unterwasserwelt auf den Togian Islands weit im Norden auf der Indonesischen Insel Sulawesi ist spektakulär. Doch bisher machen sich nur wenige Touristen auf die lange Reise: Zuerst nach Jakarta, weiter nach Makassar oder Manado, mit dem Bus oder einem kleinen Propellerflieger zum Hafenort Ampana, dann per Boot auf eine der Inseln im Golf von Tomini.

„Wir sind ein verstecktes Paradies — noch“, sagt Eddy und grinst. „Die Gäste kommen wegen der tollen Unterwasserwelt zu uns, und weil sie Ruhe wollen. Hier ist alles ganz entspannt. Massentourismus oder Full-Moon-Partys gibt es nicht.“ Eddy nennt sich Travel Agent und hat seinen Schreibtisch im Hotel Marina Cottage in Ampana. Er spricht fünf Sprachen und ist so etwas wie eine wandelnde Nachrichtenbörse. Eddy kennt alle Guest Houses und Resorts auf den Inseln, die Preise, die Fahrzeiten der Schiffe, die besten Schnorchel- und Tauchgebiete. Und jeder kennt Eddy.

Dichtes Gedränge schon früh morgens im kleinen Hafen von Ampana. Familien mit kleinen Kindern warten zwischen Koffern, Kisten, Kartons und Säcken mit Reis und getrockneten Fischen und Früchten darauf, an Bord der „Puspita Sari“ zu gehen. Dazwischen vereinzelte westliche Touristen mit Rucksäcken, Reisetaschen oder einem Rollkoffer.

Das blau und weiß bemalte Schiff mit dem geschwungenen Rumpf erinnert ein bisschen an die „African Queen“ aus dem Film mit Katharine Hepburn und Humphrey Bogart, wie es da am Kai liegt, während Fracht und Passagiere im Bauch des Schiffes und an Deck verstaut werden. Um loszudampfen durch die Inselwelt des Golfs von Tomini. Zuerst nach Wakai, weiter nach Katupat, Tongkabo, Malenge und die am weitesten entfernte Insel Dolong. Und dann wieder retour.

Roby, Guide

Mit einem kräftigen Röhren aus der Schiffssirene setzt sich die Fähre in Bewegung, legt ab und und nimmt Fahrt auf. Und wie auf Kommando ertönt aus einem großen Lautsprecher auf dem Oberdeck mit voller Lautstärke ein aktueller indonesischer Pop-Song. Jeder scheint ihn zu kennen, singt mit oder summt die Melodie. „Wir lieben dieses Lied“, sagt Reiseleiter Roby, der eine französischen Touristin zu den verschiedenen Inseln begleitet. „Der Song ist bei uns in den Charts ganz oben und die Frauen benutzen die Musik für ihre Aerobic-Übungen.“

Auch der Kapitän und seine Crew sind so begeistert, dass sie auf der Brücke hinter dem Steuerrad im Rhythmus mittanzen und -singen. Und weil der Song allen so gut gefällt, läuft er auf der Fahrt zum nächsten Hafen gleich zehn Mal hintereinander. Egal. Die Musik zaubert allen Reisenden ein Lächeln auf die Gesichter und verbreitet gute Stimmung. Gemächlich dampft die „Puspita Sari“ zwischen felsigen, dicht bewaldeten Inseln dem nächsten Hafen entgegen. Nur zehn der 66 kleinen Inseln dicht unterhalb des Äquators sind bewohnt. Plötzlich bekommt man das Gefühl, in einem versunkenen, längst vergessenen Teil Asiens gelandet zu sein. Viel hat sich in den vergangenen 20 Jahren vermutlich nicht geändert, so der Eindruck während der Reise.

Verträumt liegen kleine Hafenorte in der Sonne, umgeben von dichtem Urwald. Bunte Boote dümpeln auf dem Wasser. Idyllisch. Guide Roby holt alle in die Realität zurück. „Der Tourismus hat auf den Togians in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt er. „Mehrere Resorts sind neu gebaut worden, die alten wurden renoviert. Wir hoffen sehr, dass bald mehr Besucher zu uns kommen“.

Die meisten Besucher reisen zum Tauchen oder relaxen auf die Inseln. „Die einzigartige Unterwasserwelt begeistert sie total“, beschreibt Una, eine hilfsbereite, immer gut gelaunte junge Frau aus dem Kadidiri Paradise & Dive Center die Gefühle vieler Touristen. „Manche sagen sogar, dass wir hier eines der besten Tauchreviere in der Welt haben.“

Kein Wunder: Im tropisch warmen Wasser wachsen schon wenige Meter vom Strand entfernt am felsigen Untergrund rote, violette oder weiße Korallen. Manche mit grazilen Verästelungen oder fächerförmigen Gebilden. Gelbe, leuchtend blaue, schwarze oder gestreifte Fische flitzen umher auf der Suche nach Futter oder einem Versteck vor einem hungrigen Verfolger.

„Man muss nicht unbedingt mit dem Boot zu den Riffen fahren und mit Flaschen tauchen, um viele Korallen und Fische zu sehen“, erläutert Una. „Beim Schnorcheln kann man schon wenige Meter vor dem Strand Korallen und Schwärme von bunten Fischen entdecken. Die Unterwasserwelt ist sehr bunt und immer wieder faszinierend.“

Während die Wassersportler zum Tauchen oder Schnorcheln morgens hinaus zu den Riffen mit vielversprechenden Namen wie „Hotel California“, „Mini Canyon“, „GAP“ fahren oder um zum abgeschossenen US-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg abzutauchen, relaxen andere Gäste unter einer Palme in der Hängematte oder baden im warmen Wasser.

Morgens, mittags und abends trifft man sich mit den anderen Touristen des Resorts zum gemeinsamen Essen. Denn alle Unterkünfte auf den Togians bieten nur Vollpension mit drei Mahlzeiten. Und das aus gutem Grund: Es gibt weder einzelne Restaurants, Kneipen oder Beach-Bars.

Nach einigen Tagen auf Khadidiri zieht die kleine Gruppe Touristen weiter. „Manche Gäste finden, dass Malenge die schönste Insel ist“, sagt Aspan. Der junge Indonesier bringt die Gäste der „Sandy Bay“ mit seinem Boot zu den schönsten Stränden, Riffen oder begleitet sie in den Urwald. „Malenge hat auch dichten Dschungel. Auf Treckkingtouren können wir zum Beispiel Makaken beobachten“, sagt er. „Doch das Besondere ist der fast einen Kilometer lange Holzsteg. Er verbindet das Seenomadendorf mit Malenge. Das gibt es hier sonst nirgends.“

Eine besondere Überraschung hat er für uns am Abend parat. „Ihr müsst unbedingt den Palmendieb sehen“, sagt er geheimnisvoll. Mit Einbruch der Dunkelheit ziehen die Touristen in den Wald, um die größte Krabbe der Welt zu suchen. Das urtümlich wirkende Tier mit seinen mächtigen Scheren bringt bis zu fünf Kilogramm auf die Waage und wirkt sehr furchteinflößend. Tagsüber verkriechen sie sich in tiefen Höhlen. Doch jetzt sind gleich mehrere stattliche Palmendiebe aus ihren Verstecken gekrochen. Mit ihren mächtigen Scheren packen sie eine Kokosnuss und knacken sie mühelos in Windeseile, um das süße Fleisch zu fressen. Naturerlebnis Togian Islands.