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Cash-Paradies Argentinien - Touristen sparen mit Barem

Cash-Paradies Argentinien - Touristen sparen mit Barem

Argentinien ist als Reiseland nicht mehr so günstig wie vor ein paar Jahren. Die wirtschaftliche Krise und die Regierungspolitik treiben die Preise in die Höhe. Doch wer bereit ist, mit viel Bargeld in der Tasche unterwegs zu sein, spart kräftig.


Buenos Aires (dpa/tmn) - In Argentinien gibt es derzeit zwei Wechselkurse für den US-Dollar: den offiziellen und den inoffiziellen. Durch die strikte Währungspolitik der Regierung ist ein Parallelmarkt für Dollar und Euro entstanden. Offiziell erhält man für einen Dollar etwa 5 Pesos. In der Praxis gibt es allerdings derzeit mehr als 8 Pesos für einen Dollar, die Tendenz ist steigend. Auch der Euro ist tatsächlich mehr wert als sein amtlicher Wechselkurs: Reisende berichten von mehr als 10 Pesos für einen Euro, statt der offiziell knapp 7 Pesos. Der Euro ist allerdings weniger verbreitet als der Dollar.

Ein Besuch im beliebten Steakrestaurant „Don Julio“ in Buenos Aires zeigt, wie die Krise das Land für Touristen zu einem Cash-Paradies macht: Die Rechnung der Familie Waehrer aus Washington beläuft sich auf 600 Pesos. Keith Waehrer holt ein Bündel Geldscheine hervor und zahlt in bar. Zu Hause hätte Keith im Restaurant die Kreditkarte gezückt. Aber über die wird nach dem offiziellen Wechselkurs abgerechnet, das wären 120 Dollar. Für seine Steaks zahlt der Amerikaner in cash, also nach dem inoffiziellen Kurs, rund 75 Dollar. Für solche Preise nimmt Waehrer wie viele andere Touristen in Kauf, die Taschen voller Geldscheine zu haben.

Nicht nur Steaks verbilligen sich so um bis zu 40 Prozent. Auch Busreisen, Hotels und Souvenirs werden viel erschwinglicher. Zudem gewähren viele Geschäfte und Hotels einen Rabatt von 10 bis 15 Prozent für Barzahlung — eine weitere Folge der dramatischen Inflation. Es lohnt sich, mit viel Bargeld einzureisen. Laut Auswärtigem Amt dürfen Ausländer bis zu 10 000 US-Dollar nach Argentinien einführen.

Die Regierung von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner versucht seit Monaten, die Schere zwischen dem offiziellen Dollar und dem sogenannten „Blue Dollar“ nicht immer weiter auseinanderklaffen zu lassen, bisher vergeblich.

Für die Argentinier selbst ist es kaum möglich, sich legal Dollar zu beschaffen. Nur wer ins Ausland reist, kann Dollar kaufen - zum offiziellen, niedrigeren Kurs. Außerdem muss er die Reise genau belegen und einen zeitraubenden Bürokratiemarathon durchlaufen.

Deshalb versuchen es manche im eigenen Land: In der beliebten Einkaufsstraße Florida in der Innenstadt von Buenos Aires werden die vorbeilaufenden Touristen alle paar Meter mit „Dollar?“, „Euro?“ oder „Cambio?“, Spanisch für Tausch, angesprochen. Erfahrene Reisende warnen jedoch vor diesen „Street Hawkern“ oder Hausierern. Denn sie versuchen häufig, den ahnungslosen Touristen Falschgeld unterzujubeln.

Inzwischen gibt es auch einige Wechselstuben, die Reisenden Dollar zum inoffiziellen Kurs tauschen. Dort bekommen Touristen dann dicke Stapel aus Hundert-Pesos-Scheinen, fein säuberlich, wie in Argentinien üblich, von Gummibändern zusammengehalten.