Boomstimmung trotz Krisenängsten - Die Trends der ITB

Boomstimmung trotz Krisenängsten - Die Trends der ITB

Berlin (dpa/tmn) - Anfang März trifft sich die Reisebranche auf der ITB in Berlin. In diesem Jahr steht die Messe im Zeichen von Eurokrise, Unruhen in Ägypten und dem Unglück der „Costa Concordia“.

Zugleich zeigt sich: Der Reiselust der Deutschen tut das keinen Abbruch.

Es klingt paradox. Einerseits reden alle über Krisen und Unglücke - der Euro wackelt, Ägypten kommt nicht zur Ruhe, ein Kreuzfahrtschiff sinkt. Andererseits verreisen die Deutschen, als sei nichts gewesen. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) vom 7. bis 11. März in Berlin stehen daher zwei Gegensätze im Mittelpunkt: Es kriselt an vielen Ecken - und Reisen boomen trotzdem.

„2011 war ein Rekordjahr für die Reisebranche“, sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). „Die große Frage auf der ITB wird sein: Wie geht es weiter, wie knüpfen wir daran an?“ Die ersten Prognosen geben wenig Grund zur Sorge: Auch für 2012 rechnen Experten mit zweistelligen Wachstumsraten.

Von der deutschen Reiselust profitierte zum Jahreswechsel auch Ägypten. Doch dann flammten neue Unruhen auf. Ägypten wird auf der ITB im Fokus stehen - nicht nur weil es in diesem Jahr Partnerland der Messe ist. Die Tourismusverantwortlichen werden kräftig die Werbetrommel rühren müssen, um verschreckte Urlauber zu überzeugen. „Ägypten wird einiges aufbieten, um deutsche Touristen zurückzugewinnen“, ist Messechef Martin Buck überzeugt.

Auch die Eurokrise macht nicht vor den Toren der ITB Halt. Zwar lassen sich die Urlauber von den Sorgen um den Euro nicht abschrecken und buchen beispielsweise fleißig Urlaub in Griechenland. Doch einige Krisenländer haben ihre Messepräsenz zurückgefahren. Am augenscheinlichsten wird das bei Spanien, das laut Buck die Standfläche kräftig reduziert hat. Die freigewordene Fläche nehmen asiatische Länder ein. „Hier ist die Nachfrage nach Platz deutlich größer als das Angebot“, so Astrid Ehring, Sprecherin der Messe. „Halle 26 platzt aus allen Nähten.“

Neben Eurokrise und arabischem Frühling bewegt die Tourismusbranche vor allem der Untergang des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“. Schon lange vor dem Unglück hatte die Messeleitung eine Gesprächsrunde mit fünf Geschäftsführern von Kreuzfahrtunternehmen organisiert, darunter auch dem Chef von Costa Crociere.

Auch die sogenannte Travel Technology wird auf der ITB eine große Rolle spielen. Denn Urlaub wird inzwischen auch per Smartphone gebucht. Mal eben eine Information über das Urlaubsziel einholen - das ist technisch schon lange möglich. „Jetzt nimmt das Thema aber richtig Fahrt auf“, ist Buck überzeugt.

Auf der ITB sind allein rund 100 Anbieter von Reise-Apps vertreten. Dabei bleibt ein Problem: die Roaminggebühren. „Wenn ich in Thailand am Strand liege und einen Ausflug für 40 Euro buchen möchte, dafür aber 100 Euro Roaminggebühren zahlen muss, könnte die Euphorie auch wieder verfliegen“, fürchtet Buck.

Mehr von Westdeutsche Zeitung